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Grünen-Politikerin an Grenze: Ruhe vor den Sturm

Die mehr als 100.000 ukrainischen Flüchtlinge, der derzeit täglich über Grenzen nach Polen strömen, seien erst der Anfang, bald werde Polen Unterstützung benötigen, schildert die Grünen-Politikerin Ewa Ernst-Dziedzic am Samstag bei einem Besuch an der polnisch-ukrainischen Grenze in Budomierz die aktuelle Lage. Sie sieht auch Österreich in der Pflicht. Besorgt zeigt sich Ernst-Dziedzic über Berichte, wonach Nicht-Ukrainer nicht über die Grenze gelassen würden.

Flüchtlinge an der polinisch-ukrainischen Grenze SN/APA/KEYSTONE/TI-PRESS/Pablo Gian
Flüchtlinge an der polinisch-ukrainischen Grenze

"Es ist wichtig Bewusstsein zu schaffen, was hier an der Grenze passiert, weil alle davon ausgehen, dass das erst der Beginn ist und den vielen Freiwilligen hier, die sich Urlaub nehmen um zu helfen, bald die Kraft ausgeht", so die außenpolitische Sprecherin der Grünen gegenüber der APA. Sie habe lange Schlangen gesehen vor dem Grenzübergang und Menschen, die kilometerweit von der Grenze entfernt abgesetzt werden und dann zu Fuß weitergehen, sagt Ernst-Dziedzic. "Aber alle rechnen damit, dass sich der Flüchtlingsstrom am Wochenende noch weiter verstärken wird und dass das nun nur die Ruhe vor dem Sturm ist."

Polen gehe davon aus, dass es die Aufnahme bald nicht mehr alleine bewältigen kann, berichtet die gebürtige Polin. "Noch gibt es genug Unterkünfte, aber man geht davon aus, dass wenn die dritte oder vierte Million hier ankommt, auch die Unterkünfte hier ausgehen." Länder wie Deutschland, Italien und Österreich seien dazu aufgerufen, Polen nicht nur nicht allein zu lassen, sondern auch Unterkünfte anzubieten.

Ernst-Dziedzic beschäftigt auch die Frage, ob nur Ukrainer durchgelassen werden und andere Flüchtlinge in der Ukraine festsitzen. "Ich habe immer wieder gehört, dass das der Fall sein dürfte", verifizieren habe sie das noch nicht können, sie werde es aber weiter versuchen, sagt Ernst-Dziedzic.

Innerhalb Polens sei die Solidarität sehr groß, berichtet die Grüne Nationalratsabgeordnete. "Alle Parteien haben sich nicht nur solidarisch erklärt, sondern propagieren auch, dass man helfen muss. Was mich stutzig macht, ist, dass man hier unterteilt zwischen guten und schlechten Flüchtlingen." Zudem gehe Polen offenbar davon aus, dass die Menschen nicht bleiben, sondern weiterziehen würden.

Am dringendsten benötigt würden an der Grenze derzeit Nahrung und Medikamente, berichtet die Politikerin nach ihrem Besuch in mehreren Aufnahmestellen für Flüchtlinge. Österreichern, die helfen wollten, rät Ernst-Dziedzic daher zu Geldspenden. "Keinesfalls Kleidung, ich habe gehört, dass die Leute Kleider bringen und man eigentlich nicht weiß, wohin damit." Auch Helme und Schutzausrüstung werden benötigt, "weil die Ukrainer sind überzeugt, dass sie ihr Land weiter verteidigen werden und warten auf Hilfe aus Europa", so die Politikerin.

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