Kopf des Tages

Günter Rhomberg - der ausdauernde Kulturmanager wird 80

Der Kultur hat sich Günter Rhomberg durch und durch verschrieben. 31 Jahre lang war er Präsident der Bregenzer Festspiele, im September 2014 übernahm er nach der Finanzaffäre am Burgtheater quasi als Feuerwehrmann die interimistische Geschäftsführung der Bundestheater-Holding. Noch heute steht Rhomberg, der am 10. Juni seinen 80er feiert, der Stiftung des Theaters an der Josefstadt in Wien vor.

Günter Rhomberg. SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Günter Rhomberg.

An Aufhören denkt Rhomberg noch lange nicht. "Es ist unglaublich, aber man kann mit 80 noch dasselbe machen wie mit 60", sagte der Vorarlberger Kulturmanager, der heute zu 90 Prozent in Wien lebt, gegenüber der APA. Bereits zwei Mal sei der Altersparagraf in der Stiftungsurkunde des Theaters an der Josefstadt für ihn gestrichen worden. "Solange ich das tun kann, mache ich weiter", versicherte der fast 80-Jährige. Mit seinem Lebenswerk ist Rhomberg auf jeden Fall zufrieden. "Es war überaus spannend", und die Kultur halte ihn lebendig.

Das kulturelle Engagement liegt bei Rhomberg bereits in der Familie. Als der damals 43-Jährige das Präsidentenamt 1981 von Albert Fuchs übernahm, trat er damit in die Fußstapfen seines Vaters Walter Rhomberg, der den Bregenzer Festspielen von 1963 bis 1968 vorgestanden war. Als junger Präsident verfolgte er konsequent seine Vision: Ein Programm zu bieten, das den Interessen der Jugend "eher als bisher entspricht". Auf keinen Fall wollte er mit Salzburg und Bayreuth in Konkurrenz treten. Außerdem vertrat Rhomberg einen Weg der Vernunft. Programmgestaltung und finanzielle Möglichkeiten sollten einen vertretbaren Ausgleich darstellen. Bis zu seinem Abschied 2012 prägte er die Bregenzer Festspiele damit maßgebend, aus der "zweiten Pionierphase" des Festivals wurde eine "Ära Rhomberg".

Bereits der Beginn seiner Amtszeit läutete wegweisende Veränderungen ein. Nach einem kritischen Rechnungshofbericht wurde 1982 der Vertrag mit Intendant Ernst Bär einvernehmlich aufgelöst und mit Franz Salzmann die Position des kaufmännischen Direktors eingeführt, der dem Intendanten gleichgestellt ist. Im Jahr darauf begann mit dem Engagement von Alfred Wopmann als künstlerischem Leiter eine neue Zeitrechnung der Bregenzer Festspiele. Der zuvor als Regisseur an der Wiener Staatsoper tätige gebürtige Welser verfolgte von Anfang an eine Öffnung des Programms und prägte die "Bregenzer Dramaturgie", die bekannte Mischung aus publikumswirksamen Opern auf der Seebühne und Raritäten im Haus. Mit den großen Publikumserfolgen ab Mitte der 1980er-Jahre ergab sich für die Bregenzer Festspiele auch eine neue gesunde finanzielle Basis. "Die prägenden Jahre zwischen 1985 und 2003 brachten den Durchbruch zu wirklich internationalem Renommee", sagte Rhomberg in seiner letzten Eröffnungsrede der Festspiele.

In die Amtszeit des gelernten Bauingenieurs Rhomberg fällt auch die wesentliche Vergrößerung des Festspielhauses: Aus dem zunächst bescheiden als "Probebühne" propagierten Zubau entstand die heute unverzichtbare "Werkstattbühne". Auch die Zuschauerkapazität auf der Seebühne wurde in den 1990er-Jahren auf knapp 7.000 Plätze erweitert, die Generalsanierung des Hauses (2005/06) belief sich auf 38,5 Mio. Euro. Organisatorisch gab es 1989 den Wandel vom Verein "Festspielgemeinde Bregenz" hin zur "Bregenzer Festspiele GmbH", da Rhomberg sich nicht mehr in der Lage sah, ehrenamtlich die Haftung für einen Betrieb mit einem Budget von mehr als hundert Millionen Schilling zu übernehmen. 2002 wurde die Bregenzer Festspiele GmbH in die Bregenzer Festspiele Privatstiftung umgewandelt.

Seine letzten Jahre als Präsident der Bregenzer Festspiele verliefen hingegen turbulent. Die Entscheidung, die Intendanz David Pountneys nach 2013 nicht zu verlängern, brachte viel Verwirrung und Misstöne mit sich. Pountneys Rauswurf wurde zunächst wenig goutiert, der öffentlich ausgetragene Konflikt und das Hin und Her - Pountneys Vertrag sollte dann doch noch für ein Jahr verlängert werden - noch weniger. Mit der Präsentation von Roland Geyer als Nachfolger von Pountney glätteten sich die Wogen. Geyer war Rhombergs Wunschkandidat gewesen, er sollte "eine dritte Pionierphase der Festspiele" begründen. Dass dieser dann doch nicht sein Amt antreten wollte, fiel bereits in die Zeit des neuen Festspielpräsidenten Hans-Peter Metzler, wurde von vielen aber doch Rhomberg angelastet.

Nach dem Engagement bei den Festspielen sei ihm "ein bissl langweilig gewesen", sagte Rhomberg. 2005 habe er deshalb nach anfänglicher Ablehnung die Präsidentschaft im Stiftungsvorstand der damals neu gegründeten "Theater in der Josefstadt-Privatstiftung" angenommen. Schuldenabbau und die Finanzierung umfangreicher baulicher Sanierungsprogramme - Generalsanierung der Josefstadt, Umbau der Kammerspiele und Werkstätten, Bau der Probebühne in der Josefstadt und der Studiobühne in Aspern - waren seither die größten Herausforderungen dieser Aufgabe.

Auch bei der künstlerischen Weichenstellung mischte Rhomberg kräftig mit. Der Josefstadt-Direktor wird vom Stiftungsvorstand bestellt. An der Kür des Schauspielers und Regisseurs Herbert Föttinger zum Josefstadt-Direktor 2005 war er daher wesentlich beteiligt. Föttinger würdigt Rhomberg zum Geburtstag als einen "'Möglichmacher' mit Leidenschaft zur Kultur und einer große Liebe zu unserer Josefstadt! Dafür darf ich mich in meinem und im Namen aller 'Josefstädter' von Herzen bedanken und die besten Geburtstagswünsche darbieten."

Neben der Josefstadt übernahm Rhomberg im September 2014 nach Auffliegen des Finanzskandals am Burgtheater und dem Rückzug des Bundestheater Holding-Chefs Georg Springer dessen Agenden. Als Interims-Geschäftsführer führte er den staatlichen Bühnenkonzern bis Ende März 2016 durch zwei schwierige Umbaujahre. Zur Budgetsanierung verkaufte Rhomberg Immobilien im Wert von rund 40 Mio. Euro, sparte bei Produktionen und Personal ein, erreichte aber auch die größte Subventionserhöhung seit Ausgliederung der Theater. Zum Abschied als Bühnen-Feuerwehrmann - Anfang April 2016 übergab er an seinen regulären Nachfolger Christian Kircher - präsentierte Rhomberg eine Bilanz mit schwarzen Zahlen. Als Dank für sein Einspringen in Wien erhielt Rhomberg zum Abschied das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Günter Rhomberg wurde am 10. Juni 1938 in Bregenz geboren und wurde zunächst Bauingenieur (Dipl.-Ing., TU Graz 1963). Einen Namen in der Geschäftswelt machte er sich aber als Geschäftsführer im Unternehmen seiner Gattin Elke, Josef Hubers Erben, der Gründungsfirma der heutigen Huber Holding AG, für die er ab 1993 mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender war. Öffentlich engagierte sich Rhomberg u.a. als Vorsitzender der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie als langjähriger Präsident der Österreichischen Textilindustrie.

Quelle: APA

Aufgerufen am 10.12.2018 um 03:09 auf https://www.sn.at/panorama/international/guenter-rhomberg-der-ausdauernde-kulturmanager-wird-80-28939783

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