Kopf des Tages

Guido Knopp - der Historiker und Quotenkönig wird 70

Der frühere ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp ist nach zahlreichen Quotenerfolgen immer noch in der Geschichte unterwegs. Zum 70. Geburtstag liegt seine anekdotenreiche Autobiografie vor. Knopp hat historische Themen populär gemacht - aber auch Kritik geerntet.

Guido Knopp wird 70. SN/dpa
Guido Knopp wird 70.

Guido Knopp hat Geschichte einem Millionenpublikum nahegebracht. Am 29. Januar feiert er seinen 70. Geburtstag, fünf Jahre nach seinem Abschied vom ZDF, für das er nach eigenen Worten rund 2000 Sendungen verantwortet hat. Was macht der erfolgreiche Geschichtslehrer der Nation heute im Ruhestand? Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Brille, grauweiße Haare und ein Lächeln: "Ich bin freier." Keine Bürokratie, keine Konferenzen, keine Reiseanträge mehr. Stattdessen Buchprojekte, Vorträge, auch auf Kreuzfahrten, sowie neue Sendungen im Spartensender Phoenix.

Gerade ist Knopps Autobiografie erschienen, mit der er auf Lesereise geht. Der Historiker lehnt sich in seinem Haus in Mainz im Sessel zurück: "In Etappen sind das bis September 40 Stationen." Dazwischen arbeitet der in zweiter Ehe mit einer Ungarin verheiratete 1,95-Meter-Mann an einem neuen Buch über die Geschichte eines deutschen Konzerns, das 2019 erscheinen soll.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey über den Historiker: "Guido Knopp hat die zeitgeschichtlichen Dokumentationen im ZDF über gut 30 Jahre wesentlich geprägt und häufig erfolgreich sein Motto umgesetzt, wonach Aufklärung Reichweite braucht."

Erregt der promovierte Historiker Knopp den Neid mancher Kritiker? "Geschichtspornografie" mit Interviewsplittern, nachgespielten Schlüsselszenen, Thrillermusik und unzulässige Vereinfachungen - all das ist dem langjährigen Leiter der Mainzer ZDF-Redaktion Zeitgeschichte vorgeworfen worden. Er winkt ab: Inhaltlich seien die Sendungen stets mit Fachberatern abgesichert gewesen. "Das ist ein sehr deutsches Thema. Im Ausland bin ich nie kritisiert worden."

Der Düsseldorfer Historiker Gerd Krumeich sagt, Knopp werde von der Fachwelt normalerweise kritisch beäugt: "Denn seine Art, Geschichte den Nichtfachleuten zu vermitteln, ist manchmal etwas grob geschnitzt." Dennoch tue Knopp viel Gutes, ergänzt Krumeich. Sein Fazit: "Also doch ein echter Historiker, dem es gelungen ist, Hundertausende von Menschen für Geschichte zu interessieren und der bei aller der Darbietungsform geschuldeten Vergröberung doch um eine sachlich angemessene Sicht der historischen Ereignisse bemüht ist."

Michael Kißener, Mainzer Historiker und Experte für NS-Geschichte, urteilt: "Guido Knopp kommt sicherlich das Verdienst zu, systematisch historische Bildquellen recherchiert, sie in den Vordergrund der Geschichtsreflexion gerückt und Historiker auf den Wert dieser Quellengattung wieder aufmerksam gemacht zu haben."

Knopp selbst beschreibt sich in seiner Autobiografie "Meine Geschichte" als Glückskind: "Ich konnte studieren, was ich wollte. Ich konnte einen Beruf ergreifen, der mir gefiel." Der Historiker zeichnet seinen Lebensweg vom Aschaffenburger Gymnasiasten über frühe Stationen bei Zeitungen und dem Eintritt ins ZDF bereits 1978 bis in den Ruhestand 2013 nach.

Nun hat er mehr Zeit für Golf. "Mein Cello dagegen schaut mich vorwurfsvoll an - es will mehr gespielt werden." Knopps drei Söhne und seine Tochter orientieren sich übrigens beruflich alle anders als der Vater.

Die Autobiografie ist gespickt mit Anekdoten. Die Leser erfahren zum Beispiel: Der Historiker ist Thema von vier Rocksongs. Für eine Drehgenehmigung im legendären Katharinensaal hat er 20 Staubsauger in den Kreml bringen lassen. Und er hat sieben Ehen unter Mitarbeitern gestiftet, wie er in dem Buch verrät: "Sie schicken eine junge Redakteurin auf eine längere Drehreise in ein exotisches Land - irgendwo zwischen Panama und Moskau -, geben ihr einen ebenso jungen Kameramann und/oder Produzenten mit - und dann geschieht das Unvermeidliche."

Quelle: Dpa

Aufgerufen am 24.09.2018 um 04:26 auf https://www.sn.at/panorama/international/guido-knopp-der-historiker-und-quotenkoenig-wird-70-23362300

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