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"H.R." McMaster: Ein kühler Stratege für den inneren Zirkel um Trump

Auf den ideologischen Heißsporn folgt ein kühler Stratege. Mit der Ernennung von Generalleutnant Herbert Raymond "H.R." McMaster zu seinem neuen Nationalen Sicherheitsberater hat US-Präsident Donald Trump die Fraktion der Moderaten in seinem engeren Umfeld verstärkt.

Generalleutnant Herbert Raymond „H.R.“ McMaster. SN/AP
Generalleutnant Herbert Raymond „H.R.“ McMaster.

Anders als sein zu Verschwörungstheorien und erratischem Verhalten neigender Vorgänger Michael Flynn, der nach nur dreieinhalb Wochen wegen seiner dubiosen Russland-Kontakte abtreten musste, steht McMaster für einen pragmatischen Kurs.

"Er wird von allen in der Armee in hohem Maße respektiert", sagte Trump am Montag in seinem Luxusresort Mar-a-Lago bei der Präsentation des neuen Sicherheitsberaters. Und diesmal übertrieb der Präsident keineswegs. Im Gegensatz zum pensionierten General Flynn, der auch innerhalb der Streitkräfte heftig umstritten ist, genießt McMaster einen guten Ruf. Es ist eine Reputation, die sich sowohl auf seine Erfolge auf dem Schlachtfeld als auch auf seine Rolle als strategischer Vordenker gründet.

McMaster erwarb im Golfkrieg 1991 einen Heldenstatus, als er mit seiner Panzerkompanie eine Schlacht gegen zahlenmäßig deutlich überlegene irakische Truppen gewann. Seinen Ruhm mehrte er dann bei einem weiteren Irak-Einsatz, als er zwei Jahre nach der Invasion von 2003 mit seiner Brigade die nördliche Stadt Tal Afar unter Kontrolle brachte.

McMasters damalige Taktik, die örtlichen Sicherheitskräfte durch US-Verbände zu ersetzen und einen Schwerpunkt auf den Schutz der Zivilbevölkerung zu legen, wurde zum Modell für das Vorgehen von Oberbefehlshaber David Petraeus und führte zu einer vorübergehenden Stabilisierung der Lage im Land.

Einen Namen hatte sich McMaster aber bereits in den neunziger Jahren gemacht - als Kritiker des Vietnamkrieges. In einem auf seiner Doktorarbeit basierenden Buch rechnete er mit den Generälen ab, die dem politischen Druck nachgegeben und eine aussichtslose Kriegsstrategie unterstützt hätten. Später kritisierte der Militärhistoriker auch die Art und Weise, in der Präsident George W. Bush den Krieg im Irak vom Zaun gebrochen hatte.

Der aus Philadelphia stammende Drei-Sterne-General studierte an der berühmten Militärakademie in West Point. Seine militärische Laufbahn führte ihn auch nach Deutschland, wo er in Bamberg und Schweinfurt stationiert war. In Afghanistan kommandierte er eine multinationale Einheit zur Bekämpfung von Korruption und Kriminalität. Zuletzt leitete er eine Expertengruppe der US-Armee, die sich mit der Modernisierung der Streitkräfte befasst.

Trotz seiner vielfältigen Qualifikationen war der 54-Jährige nicht Trumps erste Wahl für die Flynn-Nachfolge. Der pensionierte Vizeadmiral Robert Harward hatte den Job zuvor abgelehnt - laut US-Medien, weil ihm verwehrt wurde, seine eigenen Leute in das Weiße Haus mitzubringen. McMaster soll nun allerdings die Vollmacht erhalten haben, Mitarbeiter für seinen Stab anzuheuern, zitierte die "Washington Post" eine Präsidentensprecherin.

Die Frage nach den Befugnissen des Sicherheitsberaters ist hochbrisant. Denn das Amt steht im Zentrum von Machtkämpfen, in denen um Einfluss auf den Präsidenten gerungen wird. Trumps Chefstratege, der ultrarechte Ideologe Stephen Bannon, hat einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat - was McMasters Rolle potenziell beschränkt und erschwert.

Während Flynn mit Bannon ideologisch in vielerlei Hinsicht auf einer Linie lag, ist von McMaster zu erwarten, dass er er den Einfluss des früheren Chefs des rechten Agitprop-Portals "Breitbart News" zurückzudrängen sucht. Eine der Schlüsselfragen dieser Auseinandersetzung dürfte der Anti-Terror-Kampf und das Verhältnis zur islamischen Welt werden.

Bannon sieht den Westen im Krieg mit dem "dschihadistischen islamischen Faschismus" - der neue Sicherheitsberater lehnt es dagegen ab, im Islamischen Staat (IS) eine Verkörperung des Islam zu sehen. Laut McMaster repräsentiert die Dschihadistenmiliz eine "irreligiöse Ideologie" und "pervertierte Interpretation von Religion", die der Rechtfertigung von Gräueltaten diene.

Quelle: Apa/Afp

Aufgerufen am 22.09.2018 um 11:09 auf https://www.sn.at/panorama/international/h-r-mcmaster-ein-kuehler-stratege-fuer-den-inneren-zirkel-um-trump-351451

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