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"Hamburger Junge" mit Wiener Wurzeln: Freddy Quinn wird 85

Für Fans ist es oft kaum zu glauben, wenn geliebte Helden sich verabschieden. So war es auch 2006, als Freddy Quinn u.a. im Wiener Konzerthaus zur musikalischen Zeitreise lud. "Lieder, die das Leben schrieb" lautete der Titel seiner Tour. Und ja, er hat sich zurückgezogen. Am 27. September wird einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schlagersänger der Nachkriegszeit 85 Jahre alt.

"Hamburger Junge" mit Wiener Wurzeln: Freddy Quinn wird 85 SN/APA/dpa/Maurizio Gambairni
Freddy Quinn wird 85.

"Ich habe doch meine Pflicht erfüllt", meinte Quinn vor fünf Jahren gegenüber der "Bild"-Zeitung. Nach über 1.000 aufgenommenen Titeln und knapp 60 Mio. verkauften Tonträgern ein verständliches Argument. Er wolle nicht als "tragisches Fotomotiv" enden und einfach seine Ruhe haben, womit er seinen 2008 vollzogenen Abschied als Künstler nochmals untermauerte. Damals meinte er: "Freddy Quinn wird es nie wieder öffentlich geben. Wenn ich sage, es ist Schluss, dann ist auch Schluss. Ich bin da sehr konsequent."

Ausschlaggebend für diesen Schritt war auch der Tod seiner langjährigen Ehefrau und Managerin Lilli Blessmann im Jänner 2008. "Sie hat mich geführt. Sie hielt mir den Rücken frei. Jetzt ist ihr Platz leer. Ich habe keine Lust mehr aufs Leben", erklärte ein tief betroffener Quinn damals. In der Folge zog sich der Sänger und Schauspieler immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Diese hatte er in den Jahrzehnten zuvor mit Hits wie "Unter fremden Sternen", "Die Gitarre und das Meer" oder "Junge, komm bald wieder" im Sturm erobert.

Geboren wurde Quinn als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl am 27. September 1931 in Wien. Nach der Trennung der Eltern zog der damals Vierjährige mit dem Vater nach Amerika. "Kaum hatte ich dort Freunde gefunden, Englisch gelernt und mit der Schule begonnen, da sprachen die Scheidungsrichter meiner Mutter das Sorgerecht zu", erzählte er einmal im APA-Interview. Also ging es 1938 "zurück nach Wien, wo gerade eine Armee von Braunhemden Einzug gehalten hatte und ich als Außenseiter mit amerikanischem Akzent schrecklich zu leiden hatte".

Dennoch sollte dem Buben in weiterer Folge eine Karriere als Sänger, Film- und Bühnenschauspieler, als Zirkusmoderator und Fernsehentertainer bevorstehen. Mit 15 lief er - auch aufgrund des schlechten Verhältnisses zum Stiefvater, dem Schriftsteller Baron Rudolf Anatol Freiherr von Petz - von zu Hause weg und wurde Saxofonist bei einem Wanderzirkus. Danach ging es mit der Gitarre im Gepäck um die Welt: Grundausbildung für die Fremdenlegion in Algerien, ein Bibliotheksjob in Casablanca, Auftritte in Cafes und Bars in Paris.

Der Durchbruch gelang schließlich in Hamburg, wohin es ihn 1950 verschlug. Auftritte in der Washington-Bar ließen Quinn zur lokalen Berühmtheit werden, auf Schauspiel- und Gesangsunterricht folgte der erste Plattenvertrag. Mit seinen von Abschied und Heimweh geprägten Songs traf er den Nerv der Zeit. 1957 drehte der Sänger seinen ersten Film, "Die große Chance", bevor zwei Jahre darauf "Die Gitarre und das Meer" mit einem "Bambi" als erfolgreichste Film des Jahres ausgezeichnet wurde. Aus ihm wurde ein "Hamburger Junge" mit Wiener Wurzeln.

Neben Musik, Film und Fernsehen war Quinn auch als Volksschauspieler tätig und u.a. in den Erfolgsstücken "Der Junge von St. Pauli" oder "Mensch, Kuddel, wach auf!" zu sehen. Einen ersten Ausflug ins Charakterfach wagte er mit der Rolle des Johnny Kröger, der im Hippodrom an der "Großen Freiheit" seine Lieder singt und dessen große Liebe unerfüllt bleibt. Nach Jahren des Erfolges erhielt seine weiße Weste im November 2004 einen Fleck, als er wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt wurde. Eine Tatsache, die ihm seine Fans allerdings schnell verziehen.

Quinn hat im Laufe seiner vielen Jahre im Showgeschäft unzählige Auszeichnungen eingeheimst, darunter u.a. 17 Goldene Schallplatten, eine "Goldene Filmleinwand", zwei "Goldene Bambis", das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland, das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich (1992) und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (1993) sowie den "Goldenen Rathausmann" im Februar 2006.

Quelle: APA

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