Kopf des Tages

Hans Staudacher - der vorausdenkende Maler wird 95

Er ist der wichtigste österreichische Vertreter des Dadaismus und der "art informel", seine Arbeiten finden sich in zahlreichen Gruppenausstellungen und brachten sogar Fälscher auf den Plan, die unter seinem Namen zu Geld kommen wollten: Am Sonntag (14. Jänner) wird Hans Staudacher 95 Jahre alt.

Hans Staudacher. SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Hans Staudacher.

Schon der Volksschullehrer hat es gewusst: Als er den Tisch des Schülers Hans Staudacher sah, bestellte er die Mutter in die Schule. "Der Bub muss Maler werden", habe er gesagt. Der Lehrer habe Maler wie Anstreicher gemeint, "aber ich bin ein Kritzler geblieben", erzählte Staudacher der APA einmal im Interview.

Geboren wurde Staudacher am 14. Jänner 1923 in St. Urban am Ossiachersee in Kärnten. Matura habe er keine, nur einen "nachgeschmissenen" Professor. Dafür begann Staudacher schon früh zu zeichnen: Porträts, Landschaften, Zeichnungen. "Wie ein Kärntner halt malt, der so viel Natur um sich herum hat", erklärte er. Seine gegenständliche Malerei ist heute kaum mehr zu finden. Lediglich die Familie hat ein paar Bilder. In Kärnten hielt es ihn aber nicht lange: 1950 übersiedelte Staudacher nach Wien, schloss sich den Secessionisten an und begann sich ernsthaft mit Malerei auseinanderzusetzen. Seine Vorbilder waren Paul Klee, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso oder Joan Miro.

Bei den Künstlern des "Nötscher Kreises", Anton Kolig und Franz Wiegele, holte er sich Inspiration, später beeinflussten ihn auch die Arbeiten von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Alfred Kubin stark. Seine Parisreisen und -aufenthalte zwischen 1954 und 1962 hinterließen nachhaltige Spuren in Staudachers Werk: In der französischen Hauptstadt traf er auf die Kunstszene der "art informel", die einen Gegenpol zur geometrischen Abstraktion bildete und ihre Malerei in ein lyrisches, formloses Spannungsfeld setze. Fortan widmete sich Staudacher der abstrakten Malerei und wurde unter anderem mit seinen kalligrafischen Notizen der wichtigste österreichische Maler im Bereich der informellen Kunst. "Ich war oft ein bisschen voraus", so der Maler: "In meine Bilder kann man so viel hineingeheimnissen, was ich erlebt habe."

Der internationale Durchbruch gelang dem Künstler 1965 mit der großen Ausstellung in Paris und der Biennale in Venedig sowie dem Hauptpreis der Biennale in Tokio. "Ich bin immer unkritisch gewesen, sonst wäre ich nicht zum Malen gekommen", sagte er über sich selbst und seine Arbeitsweise. Bekannt ist Staudacher auch für seine Happenings, bei denen er in seinem Atelier mit verschiedenen Materialien wie Holz oder Lumpen experimentierte. Die Anerkennung in Österreich ließ noch einige Jahre auf sich warten: Zum 75. Geburtstag widmete ihm das Kunsthistorische Museum im Palais Harrach eine große Ausstellung. Es folgte die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Secession, 2004 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien.

Seit den 50er-Jahren weisen Staudachers Bilder einen typischen Stil auf, trotzdem ist es immer wieder auch zu Fälschungen gekommen, die zu Gerichtsverfahren und Verurteilungen führten. "Aber mein Material und meine Schichtigkeit können sie nicht." Staudacher malte seine Bilder oft nicht in einem Zug, sondern nach und nach. "Einige Ölgemälde haben ein Jahr lang getrocknet", erzählte er. Einige seiner Bilder sind dabei so wichtig geworden, dass er sie niemals verkaufen würde: "Es gibt Bilder, die kann man nicht hergeben, weil man sie als Säule für den jeweiligen Lebensabschnitt braucht."

"Es ist ungut, wenn man alt wird", erklärte der Künstler zu seinem 90. Geburtstag. Seit einigen Jahren malt Staudacher nicht mehr, er hat seine Schaffenszeit beendet. Dennoch sind seine Arbeiten regelmäßig in großen Häusern präsent. 2014 widmete ihm etwa das Essl Museum die Schau "österreichische moderne. staudacher und zeitgenossen", 2015 zeichnete er für die alljährliche limitierte Edition der von österreichischen Künstlern gestalteten "Sacher"-Tortenkiste verantwortlich.

Und zum runden Geburtstag wird der Jubilar in seinem Heimatbundesland gewürdigt. In der Klagenfurter Galerie 3 sind seine Arbeiten vom 13. Jänner bis zum 9. Februar zu sehen. Am 15. Februar folgt die Eröffnung der Schau "Hans Staudacher - Ein Leben in Freiheit = Versuch" in der Villacher Galerie Freihausgasse.

(APA)

Aufgerufen am 24.01.2018 um 02:51 auf https://www.sn.at/panorama/international/hans-staudacher-der-vorausdenkende-maler-wird-95-22730479

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