Kopf des Tages

Harald Mahrer - "Ich komme aus der Wirtschaft"

Modern, hip, mit neuen Medien vertraut: So stellt sich der neue Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer (ÖVP) stets gerne dar. Der Chef des ÖVP-Wirtschaftsbundes war zuletzt Wirtschaftsminister und zuvor Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Mit dem Wechsel von Rot-Schwarz zu Schwarz-Blau verließ er die Spitzenpolitik, um die Spitze des wichtigen Sozialpartners Wirtschaftskammer zu besetzen.

Der neue Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Der neue Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer.

"Ich komme aus der Wirtschaft", dürfte einer der häufigsten (Neben-)Sätze des 45-jährigen sein, der in Wien und im Oberkärntner Spittal lebt. Das Politische studierte Mahrer früh, nämlich schon an der Wiener Wirtschaftsuniversität, wo er es bis zum Vorsitzenden der Hochschülerschaft brachte. In der ÖVP strebte er immer wieder höhere Weihen an, lange reichte es aber nicht zu mehr als zum Leiter der Julius Raab-Stiftung.

Früher war Mahrer unter anderem als Unternehmensberater und im PR-Geschäft tätig. Kritiker werfen ihm vor, dass die Agentur Pleon Publico, deren geschäftsführender Gesellschafter er war, PR-Aufträge der Kärntner Hypo-Skandalbank ausführte, die auch den mittlerweile inhaftierten früheren Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kulterer gut darstellen sollten. Er persönlich habe nie für Kulterer gearbeitet, ließ Mahrer dazu immer ausrichten.

Als Eigen-PR beherrscht es Mahrer, ein jugendliches Image zu pflegen. In sozialen Medien ist er gerne aktiv. Zuletzt - in der Wartephase zur Amtsübernahme - ließ er es dort aber ruhiger angehen, als gewohnt. Seine selbst ausgewählten Lieblingsfotos auf Facebook zeigen ihn unter anderem lässig vor einer Grafitti-Wand mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Don't Dream - Take Action", ganz nobel mit dem Schauspieler Tom Cruise oder gemeinsam mit den nunmehrigen türkisen Parteigranden Elisabeth Köstinger, dem alten Vertrauten Gernot Blümel und ÖVP-Chef Sebastian Kurz. Die größte Öffentlichkeit als Minister bekam sein "High Five" mit der damaligen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), als man sich auf die Grundzüge einer Bildungsreform geeinigt hatte.

Mahrer darf nicht nur als wirtschaftsliberal eingeschätzt werden, sondern auch als gesellschaftsliberal - vor allem für eine konservative Partei wie die ÖVP. Kritiker werfen dem ÖVP-Wirtschaftsbund- und neuen Wirtschaftskammerchef das Produzieren allzu vieler "Luftblasen" und "Überschriften" vor. Wohlgesonnene hingegen sprechen von einem ehrgeizigen Politiker und Strategen, der sich nicht zu schade ist, auch einmal selbst Hand anzulegen und Strategiepapiere selbst (fertig) zu schreiben. Manchmal kann er auch einmal lauter gegenüber Dienstnehmern werden. Schlaf braucht er angeblich wenig.

Ein politisches Fallbeispiel, das Mahrers Intentionen gut beschreibt, ist ein Förderprogramm namens "Global Incubator Network" (GIN), das er als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium organisierte. Es ist mit vier Millionen Euro dotiert und soll Start-ups nach Österreich locken. "Es geht um Innovation mit Fokus auf Start-ups und Spin-offs", sagte Mahrer, als er das Programm in Hongkong vor Investoren vorstellte und von Österreich als "the place to be" ("Platz, an dem man sein sollte") sprach.

"No sleep till Gründerland No.1", ließ sich der promovierte Wirtschaftswissenschafter im Rahmen dieser Hongkong-Reise als Staatssekretär vor einiger Zeit auf T-Shirts drucken. Wohl, um sein Ziel von einem Österreich als Topnation für Unternehmensgründungen zu verdeutlichen. Bei dem Spruch handelt es sich auch um eine Anspielung auf einen Song der US-Kultband Beastie Boys. Die innovative Band, die öfters ihren Stil änderte aber stets erfolgreich blieb, dürfte zu dem Ziel eines innovativen Standorts Österreich passen, den sich Mahrer wünscht - und passt auch zu dem vielgepflegten jugendlichen Image sowie zur neuen Aufgabe.

Er steht für den jungen Teil der ÖVP, der auf Modernität und Selbstverantwortung pocht. Verhandlungen zu Erneuerungen im Arbeitsrecht und zur Arbeitszeitflexibilität seien wegen SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaft "schwierig", sagte Mahrer voriges Jahr einmal. Das Arbeitsrecht stamme aus den 1960er/70er-Jahren und müsse erneuert werden. "Erwerbsfreiheit ist ein Menschenrecht", sagte er im Sinne von mehr Freiheiten für Einpersonenunternehmen (EPU).

Wie er als Nachfolger des Leib-und-Seelen-Sozialpartners Christoph Leitl fungiert, wenn er den Chefsessel in der Wirtschaftskammer (WKÖ) einnehmen sollte, bleibt abzuwarten. Deutlich sprach sich Mahrer bereits für die Selbstverwaltung aus. Auch an der Pflichtmitgliedschaft will er festhalten.

In der ÖVP war Mahrer auch als "Spiegel" der jeweiligen Bildungsministerin tätig. Ihm eilte dabei der Ruf voraus, pragmatisch und offen an das Bildungsthema heranzugehen. Die sonst mit der SPÖ vorprogrammierten Grabenkämpfe ließ er weitgehend aus. Noch mit Heinisch-Hosek vereinbarte er die Grundzüge der Bildungsreform - inklusive High-Five für die "fast geile" Reform nach Verhandlungsende. Die Vollendung des größten Teiles der Reform fiel dann bereits in Mahrers Zeit als Wissenschaftsminister: Nach langem Tauziehen mit Heinisch-Hosek-Nachfolgerin Sonja Hammerschmid, der Lehrergewerkschaft und den Grünen, deren Zustimmung für Teile der umfassenden Schulautonomieregelungen notwendig war, wurde das Paket im Juni 2017 doch noch beschlossen.

Mahrer - gerne auch einmal bei einem Konzert des Schmuserockers James Blunt - ist laut Firmencompass derzeit Alleingesellschafter bei der HM Tauern Holding Beteiligungsgesellschaft m. b. H. mit Sitz in Spittal. Geschäftsführerin ist Mahrers Gattin. Sie, Andrea Samonigg-Mahrer, ist zudem nicht nur Chefin des allgemeinen öffentlichen Krankenhauses in der Bezirksstadt, sondern auch Vereinspräsidentin der dortigen Komödienspiele Porcia. Gerne schaut sich ihr Mann dort auch das eine oder andere Stück an.

Privat geht Mahrer, geboren am 27. März 1973 in Wien, auch gerne auf die Jagd oder schwimmt - unter anderem im Millstätter See bei Spittal. Dabei trifft er auch manchmal SPÖ-Chef Christian Kern, der dort ein Haus hat. Die beiden sollen ganz gut miteinander können.

(APA)

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