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Heinrich Harrer hätte 100. Geburtstag

Bergsteiger, Abenteurer, Nationalsozialist, Lehrer und Freund des Dalai Lama, Entdecker und Kino-Protagonist - der Kärntner Heinrich Harrer hatte ein bewegtes Leben. Die Verfilmung seines Buches "Sieben Jahre in Tibet" mit Brad Pitt in der Hauptrolle machte ihn weit über die Grenzen eines spezifisch interessierten Publikums hinaus bekannt. Er starb 2006 im Krankenhaus Friesach in Kärnten. Freitag hätte Harrer seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Heinrich Harrer hätte 100. Geburtstag SN/apa (dpa/archiv)
Dalai Lama mit Heinrich Harrer.

Die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand 1938 und die Erstbesteigung der Carstensz-Pyramide in Neu-Guinea sind die bedeutendsten Errungenschaften des Bergsteigers Heinrich Harrer. Sieben Jahre in Tibet nach der Flucht aus einem britischen Gefangenenlager in Indien sowie die Reisen zu unentdeckten Völkern sind die Höhepunkte im Leben des Abenteurers Heinrich Harrer. Die lebenslange Freundschaft zum Dalai Lama und die enge Verbundenheit zu seiner Frau Carina Zeugnisse des Menschen Heinrich Harrer - eines Menschen, der auch dunkle Seiten hatte.

In einem Interview 1987 mit dem deutschen Fernsehsender ZDF erzählte Harrer, wie er zum Bergsteigen gekommen war. Als "Bub von der Alm" habe er viel englische Abenteuerliteratur gelesen. Der Schwede Sven Hedin und die britischen Forscher waren seine Vorbilder, aber "die hatten ein Empire zur Verfügung, die konnten diese Reisen machen. Ich habe mir überlegt, wie ist das für mich möglich." Der studierte Geograf und Gletscherforscher wollte nach Grönland und in den Himalaya, dorthin "wo die längsten Gletscher der Erde sind". Es gelang ihm. In dem Interview 1987 sagte Harrer noch recht kryptisch: "Um dort hin zu kommen, habe ich mich ganz natürlich in Bahnen gelenkt, die mich zum Himalaya gebracht haben." NS-Vergangenheit "war dummer Fehler"Aus heutiger Sicht bekommt diese Formulierung einen bitteren Beigeschmack. Denn 1997, zehn Jahre nach dem Interview, deckte der Salzburger ORF-Journalist Gerald Lehner die NS-Vergangenheit Harrers auf. Ob der ehrgeizige Sportler und Forscher die Nazis nur benutze, um ihn an den Fuß jener Berge zu bringen, die er besteigen wollte oder ob er von der Ideologie tatsächlich überzeugt war, wird sich nicht klären lassen. Nach der aufsehenerregenden Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand mit drei weiteren Bergsteigern im Juli 1938 nahmen die Nazis Harrer jedenfalls als einen der ihren mit auf eine Expedition zum Nanga Parbat. Bereits 1933 war der gebürtige Kärntner der NS-Sturmabteilung (SA) beigetreten - zu einer Zeit, in der die Nationalsozialisten im Austrofaschismus verboten waren und die SA als Terrororganisation galt. Zur selben Zeit wurde Harrer Mitglied des Akademischen Turnvereins Graz, einer laut Eigendefinition "nichtschlagenden, national-freiheitlichen Studentenverbindung". Auch heute noch ist Harrer auf der Website der Burschenschaft als Mitglied geführt. Noch vor der Eiger-Unternehmung beantragte der Bergsteiger die NSDAP-Mitgliedschaft und wurde in die SS aufgenommen. Harrer selbst hatte seine NS-Vergangenheit zuerst verschwiegen, dann bestritten, später relativiert und als "dummen Fehler" bezeichnet.

Quelle: SN, Apa

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