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Hillary Clinton - Kandidatin mit dicker Haut

Als Hillary Clinton ein paar Tage vor ihrer Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten nach ihren besonderen Fähigkeiten gefragt wurde, sagte sie: "Wenn man als Frau in die Politik geht, braucht man eine Haut, so dick wie bei einem Rhinozeros." Die 68-Jährige steht als politisches Urgestein im Kreuzfeuer der medialen Aufmerksamkeit und in der Schusslinie des politischen Gegners.

Sie wurde als Hillary Diane Rodham in Chicago geboren. Ihr Vater war ein kleiner Geschäftsmann und ein eingefleischter Republikaner. Als Teenager engagiert sich Hillary bei den Republikanern. Doch unter dem Einfluss der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg rückt die Studentin nach links und wird zur Bürgerrechts- und Friedensaktivistin. In der Jugendzeit Hillarys waren sie und ihre Familie aktive Kirchenmitglieder in der "First United Methodist Church".

Während ihres Jusstudiums an der Universität Yale traf sie 1971 ihren späteren Ehemann Bill. Leicht war Hillary nicht zu haben - Bill soll ihr einige Anträge gemacht haben, ehe sie einwilligte. 1975 fand die Hochzeit schließlich statt.

Ein ehrgeiziges Projekt

Einige sind überzeugt, dass Bill Clinton es ohne seine Frau nie ins höchste Amt der USA geschafft hätte. 1993 zog die Familie ins Weiße Haus ein. Acht Jahre lang ist Hillary Clinton nun die First Lady und lernt das Weiße Haus kennen. Gerne wäre sie Justizministerin geworden. Dies wurde jedoch durch ein Gesetz verhindert, dem zufolge Regierungsbeamten kein Familienmitglied als unmittelbar Untergebenen beschäftigen dürfen. So widmete sich Hillary Clinton einem anderen Anliegen ihrerseits: Der Einführung der allgemeinen Krankenversicherung. Damit bricht mit der traditionellen Rolle der First Lady. Ihr ambitioniertes politisches Projekt scheitert jedoch am Widerstand des Senats.

1997 wurde dann jedoch ein staatliches Gesundheitsprogramm für die Kinder nichtversicherter Eltern eingeführt, an dem Hillary maßgeblich mitgewirkt hatte: Das SCHIP ("State Children's Health Insurance Program").

Weiters setzte sich die Frau des ehemaligen US-Präsidenten für die weltweite Achtung der Frauen- und Menschenrechte ein und zeigte starkes Engagement im Kinderschutz. 1996 hielt sie eine vielbeachtete Rede zu diesem Thema vor der General Conference der United Methodist Church.

Höhen und Tiefen

Einen Tiefpunkt markierte die Affäre ihres Mannes Bill mit der Praktikantin Monica Lewinsky - doch Hillary hielt zu ihm. Es folgte ihre Wahl in den Senat für den Bundesstaat New York und der Posten als Außenministerin in der ersten Amtszeit von Präsident Barack Obama - der ihr 2008 in ihrem ersten Anlauf zum Präsidentenamt eine Niederlage zugefügt hatte.

Die 68-Jährige lässt sich von Gegenwind nicht aus der Bahn werfen - das hat sie in diesem Vorwahlkampf gegen ihren innerparteilichen Konkurrenten Bernie Sanders einmal mehr unter Beweis gestellt.

Aber vieles hat über die Jahre an Clinton gekratzt. Bei Mitstreitern gilt sie als ein wenig arrogant, ehemalige Mitarbeiter aus dem Außenministerium beschreiben sie als herrisch. Wegen ihres Krisenmanagements der Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi mit vier Toten wurde sie harsch kritisiert. Die Affäre um ihre E-Mails, die sie von ungesicherten Privatservern verschickt hatte, nagt noch immer an der Staatsfrau Clinton.

Für Erhöhung des Mindestlohnes

Inhaltlich unterstützt Hillary Clinton im Wahlkampf die Erhöhung des bundesweiten Mindestlohns von 7.25 auf 12 US-Dollar sowie regionale Initiativen, die sich für höhere Mindestlöhne einsetzen. Ebenso zu ihren Wahlzielen zählen Steuererhöhungen für obere Einkommen. Außerdem fordert sie eine bezahlte Elternzeit für amerikanische Familien.

Hillary Clinton hat ihre Lebenserfahrungen auch niedergeschrieben: Ihre Autobiographie "Gelebte Geschichte" avancierte zum Bestseller.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 23.09.2018 um 12:38 auf https://www.sn.at/panorama/international/hillary-clinton-kandidatin-mit-dicker-haut-1209499

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