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Hochwasser in Bayern: Taucher fanden drei Leichen

Das verheerende Hochwasser in großen Teilen Niederbayerns hat nach Angaben der Einsatzkräfte mindestens drei Menschenleben gefordert.

Bei heftigen Überschwemmungen in Niederbayern sind am Mittwoch mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Taucher hätten in einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn drei Leichen geborgen, teilten die Behörden am Abend mit. Mehrere hundert Einsatzkräfte waren den ganzen Tag im Einsatz gewesen, um Menschen vor den Wassermassen zu retten. Am Abend entspannte sich die Situation.

Das Hochwasser hatte in den Gemeinden Simbach am Inn, Triftern und Tann ganze Straßen weggespült und zahlreiche Häuser geflutet. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern berichtete, dass sich an manchen Orten Menschen nur noch auf die Dächer ihrer Häuser retten konnten, weil die Fluten so schnell und überraschend eingebrochen seien. Im Ort Untertürk wurde ein ganzes Haus weggerissen, doch es kam niemand zu Schaden.

"Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz", teilte die Polizei mit. Es seien auch Beamte von den Grenzübergängen zu Österreich abgezogen worden. Eine Brücke am Übergang zum oberösterreichischen Braunau war komplett überspült.

Der Markt Triftern mit seinen 5000 Einwohnern war vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten, weil alle Brücken überschwemmt waren.

Anders als zunächst befürchtet mussten aber keine Schüler in der ebenfalls von Straßenverbindungen abgeschnittenen Grund- und Mittelschule übernachten. Das Landratsamt teilte am Mittwochabend mit, dass alle Schüler von Feuerwehrkräften in Sicherheit gebracht und ihren Eltern übergeben werden konnten. Die 250 Kinder hatten den ganzen Tag in einer Turnhalle ausharren müssen, weil das Gebäude vom Hochwasser eingeschlossen worden war.

Das Landratsamt Rottal-Inn gab Mittwochabend vorsichtige Entwarnung - die Lage im Katastrophengebiet beginne sich "langsam zu entspannen". Die Behörden rechnen mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Die bayerische Regierung kündigte rasche und unbürokratische Hilfe für die Betroffenen an. Wie der Stromversorger Bayernwerk mitteilte, waren in dem Landkreis 9000 Haushalte ohne Strom. Viele Tausend Haushalte müssten auch die Nacht ohne Strom verbringen.

Eine aus 27 Kindern und drei erwachsenen Begleitern bestehende Gruppe von Mittelschülern entkam nur mit Glück ohne größeren Schaden dem Hochwasser. Laut Polizei befand sich die Gruppe mit zwölf Booten zu einem Ausflug auf dem Fluss Regen, als sie vom Hochwasser überrascht wurde. Die Boote seien durch die starke Strömung auseinandergetrieben worden, in der Gruppe sei Panik ausgebrochen, zwanzig Gruppenmitglieder strandeten auf einer kleinen Insel. Von dort wurden sie mit großem Aufwand gerettet - eine Schülerin erlitt eine Unterkühlung, eine einen Schock.

Starker Regen führte auch in Teilen des benachbarten Oberösterreich, vor allem im Innviertel, zu Überflutungen. Etliche Straßen wurden gesperrt. Im Bezirk Braunau haben am Donnerstag die Pflichtschulen zu. Am Mittwoch wurden bis 16.00 Uhr die Feuerwehren in Oberösterreich zu 350 Einsätzen gerufen, rund 2.500 Helfer standen im Dienst, teilte das Landesfeuerwehrkommando mit.

Hochwasser auch in anderen Teilen Deutschlands

Am Mittwochabend kam es auch am Niederrhein aufgrund des Regens zu schweren Schäden. Im Raum Xanten (Nordrhein-Westfalen) saßen Schüler auf einem Bauernhof fest, waren aber nicht in Gefahr. Ein Regionalzug blieb zeitweise im Schlamm stecken, schaffte es dann aber doch bis zum Bahnhof. In Düsseldorf wurden mehrere Tunnel und Straßen überflutet, die Autobahn 46 musste gesperrt werden.

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen - die Feuerwehr rückte zu mehr als 100 Einsätzen aus. Auch in Leipzig standen einige Straßen unter Wasser. Die Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag, die am Dienstag überspült worden war, wurde hingegen wieder für den Verkehr freigegeben

Am Abend hatte sich die Lage in Niederbayern etwas entspannt. "Das Wasser läuft zügig ab. Die Feuerwehren haben Zeit, die vollgelaufenen Keller leer zu pumpen", sagte der Einsatzleiter der Wasserwacht in Triftern, Hans Nothaft. Auch in Simbach am Inn begannen die Aufräumarbeiten. Im tieferliegenden Teil des Ortes war daran aber noch nicht zu denken. Bei vielen Häusern stand noch das komplette Erdgeschoß unter Wasser.

Bäche und Flüsse in der Region waren nach heftigem Dauerregen über die Ufer getreten. Die reißende Flutwelle hatte viele Menschen überrascht. Die Behörden riefen den Katastrophenfall aus. Retter waren stundenlang damit beschäftigt, Eingeschlossene mit Hubschraubern und Booten zu befreien.

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