Kopf des Tages

Hollywood, Vivaldi, Reformation: Christian Kolonovits wird 65

Christmas in Vienna und 90 Jahre Burgenland, die Scorpions und die Tiger Lillies, Jose Carreras und Wolfgang Ambros: Christian Kolonovits ist ein Mann mit vielen Facetten. Der Sohn eines kroatischen Vaters und einer ungarischen Mutter hat sich zu einem der erfolgreichsten Musikschaffenden Österreichs gemausert. Am Samstag (25. Februar) feiert der Komponist und Arrangeur nun seinen 65. Geburtstag.

Den scheinbaren Widerspruch zwischen E- und U-Musik sieht der Künstler selbst nicht. Er empfinde diese Einteilung als eine Außenperspektive, wie er im Vorjahr im APA-Interview betonte: "Da diese Außenwelt partout darauf besteht, kämpfe ich mit großer Liebe und Inbrunst seit langer Zeit dagegen an - das auch sehr erfolgreich."

Geboren wurde Christian Kolonovits 1952 im burgenländischen Rechnitz und begann bereits mit fünf Jahren, Klavier zu lernen. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien wechselte er an die Musikhochschule, wo er neben Piano und Cello auch Dirigieren und Komposition studierte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er damals bereits als Studiomusiker, Barpianist und Mitglied diverser Bands.

Ab den 1970ern begann sein Engagement in der entstehenden Wiener Austropopszene, unter anderem am Klavier der Band Milestones. Spätestens mit dem Hit "Hollywood", 1974 geschrieben für Waterloo & Robinson, machte Kolonovits sich einen Namen. In Folge arbeitete er für praktisch die gesamte Riege der Austropopper von Georg Danzer über Peter Cornelius, von Rainhard Fendrich über Ludwig Hirsch, von STS über EAV bis zu Franz Morak.

Mitte der 1970er erfolgte dann der Wechsel nach Deutschland, wo er sich in der Hitfabrik von Frank Farian engagierte, der unter anderen Boney M. unter Vertrag hatte. Zugleich gründete Kolonovits seine Rockgruppe Einstein und produzierte sein Soloalbum "Life is just a carnival".

Anfang der 1980er kehrte der Musiker nach Wien zurück und engagierte sich wiederum im Austropop - und nicht nur hier. 1977 und 1993 dirigierte Kolonovits das Orchester für den Österreichbeitrag beim Grand Prix Eurovision de la Chanson. Daneben entstanden Kompositionen für Theater und Fernsehen, darunter für Xaver Schwarzenberg oder Peter Weck. Nach der Gründung seines Labels homebase-records Ende der 1990er-Jahre entstanden Produktionen wie "Ambros singt Moser", "Ambros singt Waits" und "Ambros Symphonisch". Und auch die aktuelle Single von Ambros, "Wos muss no passieren?", produzierte Kolonovits. Zuletzt verband sich Kolonivits auch mit dem derzeit erfolgreichsten heimischen Musiker Andreas Gabalier, für dessen "MTV Unplugged"-Konzerte er das Orchester dirigierte.

Freunde der konzertanten Musik erschloss sich Kolonovits auch durch seine Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern. Ab 1986 entstanden unter dem Titel "Vienna Symphonic Orchestra Project" (VSOP) gemeinsame Interpretationen von Popnummern im Klassikgewand. Hierdurch gerieten Kolonovits' Fähigkeiten als Arrangeur verstärkt in den Blickpunkt. In Folge schrieb er Arrangements für die "Christmas in Vienna"-Konzerte, unter anderen mit Placido Domingo, Jose Carreras und Luciano Pavarotti. Vor allem mit Carreras blieb die Bindung eng, sang der gereifte Tenor doch 2014 bei der Uraufführung von Kolonovits' Oper "El Juez" die Titelpartie.

Auch für das Eröffnungskonzert der Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 wurde Kolonovits engagiert, bevor er 2003 die künstlerische Leitung der Linzer Klangwolke übernahm und der ORF ihn als künstlerischen Gesamtleiter der Gala "90 Jahre Burgenland" anheuerte.

2004 gründete er das Festival Vox Pannonica, für das er Musicals wie "Coming home" oder "Csaterberg" schrieb. Für die Vereinigten Bühnen Wien lieferte der Komponist das Musical "Die Habsburgischen", für die Volksoper das erfolgreiche Kinderstück "Antonia und der Reißteufel". An der Bühne am Gürtel wird am 3. Juni auch das neueste Werk des Umtriebigen Uraufführung feiern - "Vivaldi - Die fünfte Jahreszeit", ein Musical über den italienischen Barockkomponisten.

Darüber hinaus arbeitet Kolonovits auch weiterhin im Filmbereich und steuerte 2008 etwa zu Philipp Stölzls "Nordwand" den Soundtrack bei. Und nicht zuletzt ist der Musiker auch mit der englischen Kultband Tiger Lillies eng verbunden. So war er an deren Produktion von "The Little Match Girl" ebenso beteiligt wie an "Die Weberischen" oder "Woyzeck & Tiger Lillies".

Die Vielseitigkeit des Tonsetzers zeigt sich aber auch an den künftigen Plänen. Neben der Volksopern-Musicalpremiere im Juni ist zum heurigen Reformationsjubiläum eine Feier im Goldenen Saal des Musikvereins angesetzt. Dafür erarbeitet Kolonovits eine Auftragskomposition für Symphonieorchester, Chor, Rockband und Orgel. Und offen für weiteres ist Kolonovits ohnedies immer, wie er gegenüber der APA einst unterstrich: "Eigentlich habe ich mein Leben immer so gestaltet, dass ich gewartet habe, wo es mich hinführt. Da bin ich sehr buddhistisch veranlagt und versuche, angstfrei in der Gegenwart zu leben."

Quelle: APA

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