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Gesichtsscanner sogar auf der Toilette

China ist weltweit führend beim Einsatz von Gesichtserkennung. In Fast-Food-Lokalen kann etwa mit einem Lächeln bezahlt werden.

In China gibt es Gesichtsscanner sogar auf der Toilette. SN/Jürgen Fälchle - stock.adobe.com
In China gibt es Gesichtsscanner sogar auf der Toilette.

Von Fast-Food-Restaurants über Studentenwohnheime bis zur Kriminalitätsbekämpfung: Beim Einsatz von Gesichtserkennung ist China weltweit führend. Die Befürworter des biometrischen Verfahrens machen geltend, es mache das Leben einfacher und sicherer. Kritiker warnen, dass diese Technologie ein weiteres Beispiel für die immer engmaschigere Überwachung der 1,4 Milliarden Bürger durch den Staat sei.

Schanghai und andere Städte in der Volksrepublik begannen vor Kurzem mit dem Einsatz des computergestützten Identifikationsverfahrens, um Verkehrssünder an den Pranger zu stellen. An manchen Kreuzungen der Metropole leuchten auf Bildschirmen die Gesichter der Fußgänger auf, die nicht auf den gekennzeichneten Wegen über die Straße gehen. Um sein Bild löschen zu lassen, muss ein Delinquent 2,60 Euro Strafe zahlen.

Bereits heute ist das kommunistisch regierte China eine der weltweit am strengsten überwachten Nationen. Schätzungen zufolge werden die Bürger von mehr als 176 Millionen Kameras auf Schritt und Tritt beobachtet. Manche finden das in Ordnung: "Ich akzeptiere das", sagt die 42-jährige Krankenhausmitarbeiterin Wu. "Die Schuldigen wurden schließlich in der Öffentlichkeit fotografiert, und es ist eine Möglichkeit, das Gesetz durchzusetzen."

Da in China alle Bürger über 16 einen Ausweis mit Bild und Adresse besitzen müssen, können die Behörden aus einem riesigen Datenschatz schöpfen. Angesichts der vergleichsweise laxen Datenschutzbestimmungen in der Volksrepublik kommen Gesichtsscanner in China deutlich häufiger zum Einsatz. Auch sind die Bürger es gewöhnt, dass Fotos von ihnen gemacht und alle möglichen persönlichen Informationen gesammelt werden. Im Himmelstempel in Peking wurden sogar in den Toiletten Gesichtsscanner installiert, um die Papierverschwendung zu bekämpfen: Bedient sich jemand mehrfach, so weist ihn der Automat höflich ab.

Eine Pekinger Universität installierte Gesichtsscanner, um Unbefugte am Betreten der Studentenwohnheime zu hindern und den Aufenthaltsort der Studenten besser zu überwachen. Auch Banken nutzen das Verfahren an Bankomaten zur Authentifizierung der Kunden, und die Fluggesellschaft China Southern Airlines begann mit dem Einsatz von Gesichtserkennung anstelle von Bordkarten.

Der China-Ableger der Schnellrestaurant-Kette Kentucky Fried Chicken führte eine biometrische Zahlungsmethode nach dem Motto "Smile to Pay" ein, die mit dem Online-Bezahlsystem des chinesischen Handelsriesen Alibaba verbunden ist. Und in Schanghai werden im Rahmen eines staatlichen Projekts geistig verwirrte Bürger per Gesichtserkennung zu ihren Angehörigen zurückgebracht.

Das alles ist Bestandteil einer groß angelegten Hightech-Offensive: Im Juli kündigte die Regierung an, China wolle bis 2030 weltweit führend sein auf dem Gebiet künstlicher Intelligenz.

(SN, Afp)

Aufgerufen am 26.04.2018 um 03:26 auf https://www.sn.at/panorama/international/in-china-gibt-es-sogar-auf-der-toilette-gesichtsscanner-22458844

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