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Italien-Beben: Betroffene wollen in ihrer Region bleiben

Nach den beiden schweren Beben in der Region Marke ist der Zivilschutz auf der Suche nach Notunterkünften für die rund 3000 Obdachlosen.

Italien-Beben: Betroffene wollen in ihrer Region bleiben SN/APA (AFP)/ALBERTO PIZZOLI
Viele Menschen müssen in Notunterkünften leben.

Doch viele von ihnen wollen ihre zerstörten Gemeinden nicht verlassen, um in Hotels an der Adria-Küste zu ziehen. Die Betroffenen befürchten, dass ihre Gemeinden aussterben könnten, sollten sie in andere Ortschaften ziehen. "Wenn wir nicht verschwinden wollen, müssen wir hierbleiben und mit Händen und Füßen für den Wiederaufbau arbeiten", betonte Mauro Rinaldi, Bürgermeister der Ortschaft Ussita, die am Mittwochabend Epizentrum des Erdbebens war. Die Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen verloren haben, wurden vorerst in Bungalows von zwei Campingplätzen von Ussita untergebracht. Danach hoffen die 400 Dorfbewohner auf Holzwohnungen des Zivilschutzes. Lediglich Senioren sollten laut dem Bürgermeister an die Adria ziehen. "Die Jugend will bleiben", sagte Rinaldi. Bis zu sieben Jahre könnten seiner Ansicht nach notwendig sein, um das Dorf wieder aufzubauen. "Es wird hart, doch wir werden nicht aufgeben", meinte der Bürgermeister.

Der Zivilschutz bietet allen Betroffenen der neuerlichen Beben an, sich mit seiner finanziellen Hilfe selbst eine neue Bleibe zu suchen, in bereits bestehende Gemeinschaftsunterkünfte vor Ort oder in Hotels an der rund 80 Kilometer entfernten Adria-Küste zu ziehen. Die Staatsbahnen stellten im Bahnhof der Kleinstadt Fabriano einige Waggons zur Verfügung, wo die Menschen übernachten können. Zugleich wurden die Kontrollen gegen Plünderungen in den leer stehenden Dörfern in der Erdbebenregion verschärft. Zwei wegen Diebstahls vorbestrafte Personen wurden in Ussita mit Werkzeugen erwischt, die zu Einbrüchen hätten dienen können. Sie wurden angezeigt.

Laut dem italienischen Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV) besteht ein Zusammenhang zwischen den Beben vom Mittwoch und dem tödlichen Beben mit Epizentrum Amatrice, bei dem am 24. August 298 Menschen umgekommen waren. Nach Expertenangaben können die Nachbeben Monate dauern. Über 600 Nachbeben wurden seit den schweren Erdstößen am Mittwoch registriert.

Die Regierung von Premier Matteo Renzi hat indes ihren vollen Einsatz für einen raschen Wiederaufbau versprochen. "Wir werden für den Wiederaufbau mehr als die 4,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, die wir ursprünglich im Haushaltsgesetz für 2017 beschlossen hatten", sagte Infrastrukturminister Graziano Delrio. Experten zufolge seien mindestens 130 Milliarden Euro für die Stabilisierung der Immobilien in erdbebengefährdeten Gebieten des Landes notwendig.

Quelle: APA

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