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Italien schließt wegen Coronavirus alle Geschäfte und Lokale

Italiens Premier Giuseppe Conte hat am Mittwoch die Schließung aller Geschäfte, Restaurants, Kantinen und anderer Lokale des Landes angekündigt. Ausnahmen sind Supermärkte und Apotheken. Offen bleiben Banken, Postfilialen, Unternehmen und das öffentliche Transportsystem, sagte Conte via Facebook. Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Verbreitung des Coronavirus unterdessen als Pandemie ein.

Premier Conte verkündete weitere Maßnahmen SN/APA (AFP)/LUDOVIC MARIN
Premier Conte verkündete weitere Maßnahmen

Wie Conte in einer per Facebook gesendeten Ansprache an die Italiener mitteilte, sollen unter anderem Restaurants, Bars, Kantinen und Friseurläden geschlossen bleiben. Eine Ausnahme sind Trafiken und Zeitungskioske. Die wesentlichen Dienstleistungen im Transport- und im Bankensystem bleiben erhalten, auch die Postfilialen werden weiterhin offen sein.

Bei der Lebensmittelversorgung werde es zu keinerlei Engpässen kommen, versicherte Conte. Daher sollten Supermärkte nicht gestürmt werden, wie es in den vergangenen Tagen der Fall gewesen ist. Unternehmen sollen offen halten, jedoch besondere Maßnahmen zum Schutz des Personals ergreifen. Unternehmensabteilungen, die für die Produktion nicht von wesentlicher Bedeutung sind, sollen geschlossen bleiben und das Personal auf Urlaub gesetzt werden, hieß es. Wenn möglich soll auf Telearbeit gesetzt werden.

Conte ernannte den Manager der halbstaatlichen Investitionsholding Invitalia, Domenico Arcuri zum Sonderkommissar, der sich vor allem um das Gesundheitssystem kümmern und sich mit dem Zivilschutz koordinieren wird. "Wir haben erst seit kurzem begonnen, unseren Lebensstil zu ändern. Die positiven Resultate werden wir erst in einigen Wochen zu spüren bekommen, niemand darf denken, dass man schon in den nächsten Tagen die Auswirkungen sehen wird. Wenn in den nächsten Tagen die Zahl der Infektionen weiterhin wächst, bedeutet das nicht, dass unsere Maßnahmen nicht wirken", erklärte Conte.

Der Beschluss des Premiers enttäuscht die Präsidenten der norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien. Diese hatten einen kompletten Produktionsstopp sowie die Einstellung der Logistik- und Transportsystem als extreme Maßnahmen zur Infektionseindämmung gefordert.

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer ist in Italien weiterhin gewachsen. Innerhalb eines Tages sind 196 Menschen der neuartigen Lungenkrankheit erlegen, teilte der Zivilschutz am Mittwochabend in Rom mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 827. Die Zahl der Infizierten kletterte von 8.514 auf 10.590.

Die Zahl der genesenen Patienten wuchs um 41 Personen auf 1.045. Die meisten Todesopfer seien über 70 Jahre alt, teilte der Zivilschutz mit. Insgesamt liegen 5.838 Patienten wegen des Coronavirus im Krankenhaus, 1.028 davon auf der Intensivstation. Italien ist nach China am schwersten vom Ausbruch von SARS-CoV-2 betroffene Land.

Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Verbreitung des neuen Coronavirus unterdessen als Pandemie ein. Das sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Tedros kritisierte dabei fehlendes Handeln durch die Staaten weltweit. "Wir haben die Alarmglocken laut und deutlich geläutet", erklärte der WHO-Chef. Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien stieg indes auf mehr als 800.

Laut WHO hat sich das Virus inzwischen in 115 Länder ausgebreitet. Fast 4.300 Menschen sind an dem Virus gestorben. "Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Tagen und Wochen die Zahlen weiter ansteigen werden", sagte Tedros. In den vergangenen beiden Wochen hätten sich die Fallzahlen außerhalb Chinas verdreizehnfacht, die Zahl der betroffenen Staaten verdreifacht. "Alle Länder können den Verlauf dieser Pandemie noch ändern", betonte der 55-Jährige. "Findet, isoliert, testet und behandelt jeden Fall und geht jeder Spur nach."

"Dass wir die Situation nun als Pandemie bezeichnen, ändert nichts an der Beurteilung der WHO hinsichtlich der Bedrohung durch dieses Virus", betonte Tedros. "Es ändert auch nichts daran, was die WHO macht. Und es ändert auch nichts daran, was die Länder tun sollten."

Es gibt keine offiziellen Kriterien der WHO, ab wann ein Krankheitsgeschehen als Pandemie einzuordnen ist. Landläufig wird darunter eine Krankheit verstanden, die sich unkontrolliert über Kontinente hinweg ausbreitet.

Dänemark schließt unterdessen aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus ab Montag für zwei Wochen alle öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten. Alle Schüler und Studenten werden ab Freitag vorläufig für zwei Wochen nach Hause geschickt, dasselbe gilt für nicht zwingend benötigte Mitarbeiter im öffentlichen Sektor.

Für die Altenpflege, den Gesundheitssektor und die Polizei gelte das nicht, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen, nachdem sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in Dänemark seit Wochenbeginn auf 514 mehr als verzehnfacht hatte. Auch Bibliotheken und Freizeiteinrichtungen werden geschlossen.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schließt Spanien das weltberühmte Madrider Museo del Prado. Der Prado, das Museo Reina Sofía, das Thyssen-Bornemisza sowie zahlreiche andere Kunst- und Ausstellungshäuser und Staatsarchive der spanischen Hauptstadt werden ab Donnerstag und "bis auf weiteres" nicht mehr besucht werden können.

Das teilte das Kulturministerium in Madrid am späten Mittwochabend mit. Mit dieser Maßnahme leiste man den jüngsten Vorgaben der spanischen Regierung Folge, die für die Gebiete mit besonders hoher Übertragungsrate des Covid-19-Erregers beschlossen worden seien, hieß es. Es gehe vor allem um den Schutz der Gesundheit der Besucher und der Mitarbeiter. Betroffen sind alle Einrichtungen in Madrid, die dem spanischen Kulturministerium unterstehen.

Die Region um die spanische Hauptstadt ist von der Epidemie besonders stark betroffen. Mit mehr als eintausend nachgewiesen Infektionen und 31 Toten hat Madrid knapp die Hälfte aller Fälle in Spanien. Im gesamten Land registrierten die Behörden bisher knapp 2.300 Fälle und 55 Todesopfer.

Mit mehr als 8.600 Gemälden, Zeichnungen, Drucken und bis zu 700 Skulpturen ist der Prado heute eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Zusammen mit dem Thyssen-Bornemisza und dem Reina Sofía bildet das Haus die Eckpunkte des "Triangulo de Oro", des "Goldenen Kunstdreiecks" in Madrid.

Die US-Regierung erwägt unterdessen angesichts der Coronavirus-Krise künftig Einreiseverbot für Menschen aus Europa. Der amtierende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli sagte am Mittwoch im US-Kongress, die Frage sei, wie Europa als Ganzes zu behandeln sei. Mit den bisher beschlossenen Maßnahmen könnten noch nicht Einreisen aus Europa untersagt werden. Die Frage werde aber geprüft.

Das Coronavirus breitet sich auch in den USA zunehmend aus. In dem Land wurden inzwischen mehr als tausend Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Rund 30 Menschen starben.

Liveblog zum Coronavirus:

Aufgerufen am 02.12.2021 um 02:15 auf https://www.sn.at/panorama/international/italien-schliesst-wegen-coronavirus-alle-geschaefte-und-lokale-84673855

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