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Japans Kaiser Akihito gilt als "Staatssymbol"

Der 82-jährige Kaiser regiert seit 1989, kämpft aber jetzt mit Alterserscheinungen. Er erwägt offenbar eine vorzeitige Übergabe des Throns an seinen ältesten Sohn.

In Japan dreht sich jetzt alles um den alten Kaiser. Akihito sprach in einer seltenen Ansprache an die Nation am Montag die Gesetze an, die seine vorzeitige Abdankung verhindern. Er würde den Thron gern vorzeitig an seinen ältesten Sohn Naruhito übergeben.

Der 82-Jährige, der sich laut der Verfassung nicht zu politischen Fragen äußern darf, zeigte sich besorgt über die zunehmenden Alterserscheinungen, die es ihm schwierig machten, seine Aufgaben zu erfüllen. Der Kaiser hat nach Medienberichten bereits eine Herzoperation hinter sich und wurde wegen Prostatakrebs behandelt.

"Ich bin besorgt, dass es für mich schwierig wird, meine Aufgaben als Symbol des Staates mit voller Kraft zu erfüllen, wie ich das bis jetzt getan habe", sagte Akihito. Manchmal fühle er "verschiedene Einschränkungen", etwa durch seine "körperliche Fitness".

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, er nehme die Äußerungen des Kaisers "ernst" und werde darauf reagieren. "Angesichts der Pflichten des Kaiser sowie seinem Alter und der Last (seiner Funktion) müssen wir schauen, was wir tun können", sagte der Regierungschef.

Die Regierung könnte die Andeutungen des Tenno als Wunsch interpretieren, ihm durch eine Änderung der Gesetze die Abdankung zu ermöglichen. Der Kaiser hat in Japan keinen Einfluss auf die Politik, sondern gilt laut Nachkriegsverfassung als "Staatssymbol".

Die zweite direkte Ansprache des Kaisers an die Nation

Es war erst die zweite direkte Ansprache des in der Bevölkerung hoch angesehenen Kaisers an die Nation. Das erste Mal hatte sich der seit 1989 regierende Akihito im März 2011 an die Japaner gewandt, nachdem ein Tsunami und ein Erdbeben schwere Verwüstungen angerichtet und zur Explosion eines Atomkraftwerks in Fukushima geführt hatten.

Japanische Kaiser wurden früher als gottgleich verehrt. In der modernen Geschichte des Landes kam es noch nie vor, dass einer der Monarchen abdankte. Während Umfragen zufolge die meisten Japaner Verständnis für einen derartigen Schritt hätten, sind viele Konservative dagegen. Sie fürchten zudem eine Debatte darüber, ob auch Frauen den Thron besteigen dürfen, da das einzige Kind von Kronprinz Naruhito seine 14-jährige Tochter Aiko ist. Dies wäre für Traditionalisten ein Tabubruch, auch wenn das Land in früheren Zeiten auch schon Kaiserinnen hatte.

Akihito hat seine Verpflichtungen als Monarch zuletzt zurückgefahren und wird öfter von Naruhito vertreten. In der offiziellen Thronfolge kommt danach Naruhitos Bruder Akishino und dann dessen Sohn, der neunjährige Hisahito.

In jüngster Zeit haben mehrere Monarchen noch zu Lebzeiten abgedankt. Zuletzt verzichteten im Jahr 2013 Beatrix der Niederlande und Albert II. von Belgien zugunsten ihrer jeweiligen ältesten Söhne auf den Thron. Juan Carlos I. von Spanien tat es ihnen im Jahr 2014 gleich.

Quelle: Apa/Afp/Reuters

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