Kopf des Tages

Jim Acosta - der Reporter, der für Donald Trump ein "Volksfeind" ist

Jim Acostas Familie stammt aus einem Land, in dem die Medien seit Menschengedenken gegängelt werden. Sein Vater flüchtete als elfjähriger aus Kuba. Insofern hat die Freiheit der Medien für den Chefkorrespondenten von CNN im Weißen Haus eine ganz besondere Bedeutung.

Acosta (47) versteht seinen Job denn auch in erster Linie als Anwalt der Bürger, der die Regierenden und ihr Tun kritisch hinterfragt. Dadurch zeichnete sich bereits seine Berichterstattung über den Irak-Krieg und Hurrikan Karina für CBS aus.

Nach seinem Wechsel zu CNN 2007 begleitete der an der James Madison University in Virgina ausgebildete Journalist die Wahlkampagnen Barack Obamas und Hillary Clintons. Auch die mussten kritische Fragen des messerscharfen Analytikers erdulden.

Mit Donald Trump geriet er gleich bei dessen erster Pressekonferenz im Weißen Haus nach seiner Wahl vor zwei Jahren aneinander. Der Rechtspopulist schnitt Acosta das Wort ab und hielt ihm vor "Fake News" zu verbreiten.

In der Folgezeit griff Trump den unliebsamen Berichterstatter, der 2018 zum CNN-Chef des Teams im Weißen Haus aufstieg, immer wieder persönlich an. Bei der Pressekonferenz nach den "Midterms" an diesem Mittwoch eskalierte der Präsident den Konflikt.

"Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person", beschimpfte er den Fragesteller, der sich nach einer ausweichenden Antwort nicht einfach "abstellen" lassen wollte. "Sie sollten nicht für CNN arbeiten". Kurz darauf entzog das Weiße Haus Acosta die Akkreditierung.

Ein unerhörter Vorgang, der als direkter Angriff auf die Pressefreiheit verstanden wird. Denn Trump geht damit erstmals gegen unliebsame Reporter vor, die er vorher als "Volksfeinde" denunziert hatte. In der Vergangenheit hielten ihn Mitarbeiter vor Sanktionen gegen Mitarbeiter der Washington Post, der New York Times, dem Guardian und anderen Medien ab.

Ausgerechnet an dem Sohn eines Kuba-Flüchtlings statuiert Trump nun ein Exempel. Doch Acosta wird sich dadurch genauso wenig den Mund verbieten lassen, wie von Raul Castro, den er bei einem Besuch Barack Obamas mit Fragen nach Menschenrechten auf Kuba nervte.

Für die Mächtigen unbequem zu sein, gehört zu seinem Selbstverständnis. "Ich denke das ist ein Test für alle von uns", sagte er zu dem Angriff aus dem Weißen Haus. "Sie versuchen damit auch meine Kollegen einzuschüchtern".

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