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Keine Lust auf Manege? Zirkus-Elefantin macht Stadtbesichtigung

Safari in der Stadt: Elefantendame Kenia büxt vor der Premiere in Neuwied aus - Autofahrer, Passanten und Kinder staunen. Nach der geleiteten Rückkehr tut das Rüsseltier so, als wäre nichts gewesen. Doch nicht immer gehen solche Ausflüge so glimpflich aus.

Symbolbild. SN/dpa/Uli Deck
Symbolbild.

Jeden Tag in Gehege und Manege rumspazieren - wie langweilig. Das mag sich die mächtige Elefantendame Kenia vom traditionsreichen Circus Krone gedacht haben. Tatsache ist: Am frühen Mittwochabend büxte Kenia kurz vor der Premiere in Neuwied bei Koblenz aus. Seelenruhig trottete das 37 Jahre alte graue Tier aus Afrika durch die Stadt am Rhein, einen Kilometer weit, im Berufsverkehr über eine breite Straße und an Vorgärten vorbei.

Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone erzählt: "Die ganzen Bürger waren auf der Straße, die Kinder haben gewunken. Kenia hat Ruhe ausgestrahlt." Zirkus-Tierpfleger fingen die Elefantendame ein. "Die Polizei hat uns zurückeskortiert", ergänzt die Zirkuschefin. Wie eine Safari habe das Spektakel gewirkt.

Auch ein Polizeisprecher sagt, es sei ein kurzer und friedlicher Ausflug gewesen. Verletzte und Verkehrsunfälle habe es nicht gegeben. Tierschützer nehmen Kenias unbekümmerte Stadtbesichtigung dagegen zum Anlass, erneut ein Verbot von Wildtieren in der Manege zu fordern - aus Tierschutz- und auch Sicherheitsgründen.

Fünf Elefantenkühe besitzt der Münchener Circus Krone - nach eigenen Angaben ist er der größte Zirkus der Welt. Kenia nutzte laut Lacey-Krone das Elefantenwaschen vor der Neuwieder Premiere, um durch eine von Tierpflegern kurz geöffnete Zauntür zunächst auf das Zirkusgelände zu entkommen. "Wir wollten erst die anderen vier Tiere sichern", berichtet die Direktorin. Nur Minuten später sei Kenia durch ein Gebüsch auf eine Straße getürmt.

Anderntags tut die Elefantin so, als wäre nichts gewesen: Das riesige Tier steht in seinem Gehege ruhig in der Junisonne. Ab und zu schleudert es sich mit dem Rüssel Lehm und Sand auf den Rücken, um sich vor nervigen Fliegen zu schützen. Die Elefantendame ist eine Waise: Sie stammt laut Lacey-Krone aus einem Hilfsprojekt in Afrika, das den Nachwuchs illegal getöteter Elefanten in einem Reservat aufwachsen ließ und ihn später auf Zoos und Zirkusse in Deutschland aufteilte.

Die Zirkusdirektorin will Kenia die Teilnahme an den nächsten Vorstellungen mit bestimmten Schrittfolgen und Aufstellungen freistellen - je nachdem, ob die Elefantenkuh doch noch aufgewühlt wirke. Ohnehin werde stets spontan entschieden, wie viele der fünf Elefantendamen bei einer Vorstellung aufträten: "Sie sind wie Kinder. Man muss auf den Moment schauen."

Organisationen wie der Deutsche Tierschutzbund und Peta betonen, Wildtiere könnten bei ständigen Ortswechseln nicht sicher und artgerecht gehalten werden. Peta moniert: "Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2017 zu mindestens 46 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland." 2015 tötete eine aus einem anderen Zirkus ausgerissene Elefantenkuh in Buchen im Odenwald einen 65-jährigen Spaziergänger.

Der Circus Krone weist den Vorwurf nicht artgerechter Tierhaltung zurück. Er gehöre zu den meist kontrollierten Tierhaltungsbetrieben. In jeder Gastspielstadt nehme der zuständige Amtsveterinär alles genau unter die Lupe, teilt der Zirkus mit. Das von klein auf eingeübte Reisen sei bei Elefanten und Raubtieren laut einer wissenschaftlichen Studie kein Stress, sondern "eine Bereicherung ihres Lebens, da es immer etwas Neues zu entdecken gibt".

Quelle: SNdpa

Aufgerufen am 21.10.2018 um 11:24 auf https://www.sn.at/panorama/international/keine-lust-auf-manege-zirkus-elefantin-macht-stadtbesichtigung-28914730

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