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Klimakonferenz in Marokko mit Aufruf zu maximalem Engagement

Die Vertreter von fast 200 Staaten haben bei der UNO-Klimakonferenz in Marokko dazu aufgerufen, mit "maximalem politischen Engagement" gegen die Klimaerwärmung vorzugehen. In der einen Tag vor dem Abschluss des Treffens verabschiedeten "Proklamation von Marrakesch" hieß es am Donnerstag, der Kampf gegen den Klimawandel habe "dringende Priorität".

Klimakonferenz in Marokko mit Aufruf zu maximalem Engagement SN/APA (AFP)/STEPHANE DE SAKUTIN
Klimakonferenz in Marrakesch.

Die Unterzeichner von 196 Staaten und der Europäischen Union sagen in der Proklamation den Treibhausemissionen als Quelle der Klimaerwärmung den Kampf an und verpflichten sich, die Ziele des UNO-Klimaschutzabkommens von Paris "vollständig" umzusetzen und zu verwirklichen. Beteiligt am Kampf gegen die Erderwärmung seien "nicht nur Regierungen, sondern auch die Wissenschaft, Unternehmen und weltweite Aktionen auf allen Ebenen".

Zugleich wird in der Proklamation das Ziel der Industriestaaten bekräftigt, bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (93,4 Mrd. Euro) für die Entwicklungsländer aufzubringen - ein bereits bei der Kopenhagener Klimakonferenz von 2009 gemachtes Versprechen.

Der globale Klimaschutzvertrag war im Dezember 2015 in Paris beschlossen worden. Er sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, zu begrenzen. Die bisher vorliegenden nationalen Zusagen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes reichen dazu allerdings nicht aus.

Das Abkommen trat Anfang November in Kraft. Es wurde bereits von 111 der 195 Unterzeichnerstaaten ratifiziert - darunter zuletzt Großbritannien am Donnerstag. Die größten Verursacher von Treibhausgas, die USA und China, ratifizierten ebenfalls. Der am 8. November zum US-Präsidenten gewählte Rechtspopulist Donald Trump hatte im Wahlkampf jedoch angekündigt, das Klimaschutzabkommen aufkündigen zu wollen.

Sechs wichtige Industrie- und Schwellenländer halten ihre Klimaschutz-Versprechen laut Experten bisher nicht ein. Argentinien, Australien, Kanada, Saudi-Arabien, die Türkei und die USA drohten aktuell die Ziele des Pariser Weltklimavertrags zu verfehlen, schreiben die Autoren der London School of Economics, deren Bericht Donnerstag früh am Rande der Klimakonferenz veröffentlicht wurde.

Den Staaten fehlt es der Untersuchung zufolge an Rahmengesetzgebung zum Klimawandel und an umfassenden Klimazielen, die alle Wirtschaftsbereiche abdecken und mindestens bis zum Jahr 2030 reichen. Zudem drohten alle sechs Länder, ihre Ziele für das Jahr 2020 zu verfehlen - falls sie überhaupt welche haben. Das Paris-Abkommen gilt erst für die Zeit nach 2020.

Deutschland und die fünf G20-Staaten Brasilien, China, Frankreich, Italien und Großbritannien sowie die EU sind hingegen der Untersuchung zufolge auf gutem Kurs, wenn es um die Erfüllung der Paris-Ziele geht.

Die Beratungen zur Verwirklichung des Pariser Abkommens hatten am 7. November in der marokkanischen Stadt Marrakesch begonnen. Am Freitag geht die Konferenz zu Ende.

Quelle: Apa/Dpa/Ag

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