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Letzter Vermisster nach Brückeneinsturz in Genua geborgen

Rettungskräfte in Genua haben Medienberichten zufolge die Leiche des letzten Vermissten geborgen. Feuerwehrleute zogen den Mann aus den Trümmern der eingestürzten Morandi-Brücke, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag berichtete. Unterdessen starb eines der verletzt geborgenen Opfer im Krankenhaus. Damit stieg die Zahl der Todesopfer des Unglücks vom Dienstag auf 43.

Der schwer verletzte 36-jährige Rumäne sei im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, berichtete die ANSA am Samstagabend. Drei der in der Nacht auf Samstag gefundenen Leichen müssen noch durch forensische Untersuchungen identifiziert werden. Die ANSA hatte Samstagfrüh berichtet, es handle sich um ein neunjähriges Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab.

Die Betreibergesellschaft der Autobahn sagte am Samstag 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Autobahnbrücke sowie für Hilfszahlungen an die Stadt Genua zu. Beim Überschlagen der Folgekosten des Unglücks "kommt man schnell auf eine halbe Milliarde Euro", sagte der Chef der Autostrade per l'Italia, Giovanni Castellucci. Diese Gelder stünden ab Montag bereit.

Autostrade per l'Italia wies die Verantwortung für den verheerenden Brückeneinsturz von sich. "Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss", sagte Castellucci. Er entschuldigte sich zugleich, nicht genügend Mitgefühl für die Opfer gezeigt zu haben. Er versprach den Opferfamilien und den Menschen zu helfen, die infolge des Unglücks ihre Häuser verlassen mussten. Rund 600 Menschen waren nach dem Einsturz der Brücke gezwungen, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Die Gebäude, die teils unterhalb der Brücke stehen, müssen nach Behördenangaben abgerissen werden.

Seine Gesellschaft könne eine neue Brücke aus Stahl in acht Monaten bauen, sobald die nötigen Genehmigungen vorlägen, sagte Castellucci weiter. Außerdem werde Autostrade per l'Italia "in Rekordzeit" eine Alternativroute für den Schwerlastverkehr auf einer Privatstraße des Stahlwerks Ilva in der Nähe des Genueser Hafens einrichten. Zudem müssten auf den Autobahnen in der Region Genua keine Mautgebühren mehr bezahlt werden.

Während eines Unwetters war ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des wichtigen Polcevera-Viadukts in der norditalienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte.

Mit der Morandi-Brücke verlor Genua eine wichtige Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Außerdem gehörte sie zur A10 und damit zu einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Italiens. Die italienische Regierung hatte Autostrade per l'Italia für den Brückeneinsturz verantwortlich gemacht. Innenminister Matteo Salvini forderte die Betreiber bereits am Donnerstag auf, etwa 500 Millionen Euro für betroffene Familien und örtliche Behörden bereitzustellen. Premier Giuseppe Conte leitete am Freitag einen Prozess ein, um der Betreibergesellschaft ihre Lizenz zu entziehen. Das Unternehmen bestreitet Nachlässigkeit.

Der Samstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt. Am späten Vormittag fand eine Trauerfeier für die Todesopfer statt. "Auf Genua schaut derzeit die ganze Welt, in einer großen Umarmung aus Emotionen, Zuneigung und Erwartung", sagt Erzbischof Angelo Bagnasco. Nach dem katholischen Gottesdienst sprach auch die islamische Gemeinde ein Gebet, weil zwei der Opfer des Brückeneinsturzes Muslime sind.

Die Feuerwehrleute wurden bei ihrer Ankunft bei der Feier mit Applaus begrüßt. Zuvor hatte Präsident Sergio Mattarella den Unglücksort in Genua besucht, um den Rettern zu danken. Bei der Zeremonie gab es lediglich 18 Särge: Einige Angehörige von Opfern nahmen aus Protest gegen die Regierung nicht an der Veranstaltung teil, wie Medien berichteten. Andere hielten Trauerfeiern in ihren eigenen Gemeinden ab, wie etwa im piemontischen Alessandria oder im süditalienischen Torre del Greco.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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