Männer, nehmt endlich eure Verantwortung wahr!

Genug geredet. Alles gesagt. Frauen müssen in der Praxis gleichberechtigt werden. Und das ist meist Männersache.

Weltfrauentag. Hat das für Frauen eine Relevanz? In den vergangenen Jahren rief dieser Tag regelmäßig gelangweiltes Gähnen oder Unmut hervor. Zu oft gewann man den Eindruck, ein Mal im Jahr fühlen sich Politik, Wirtschaft und Interessenvertreter bemüßigt, Fakten, Forderungen, schöne Beispiele und fromme Wünsche zum Thema Frauen hervorzukramen, um dann wieder alles beim Alten lassen zu können. Das Alte heißt in diesem Fall, dass in Österreich der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen
20 Prozent beträgt, wenn man sich die Brutto-Stundenverdienste anschaut. Das Alte heißt auch, dass Altersarmut weiblich ist und jede dritte Frau in Österreich Opfer sexualisierter Gewalt wird.

Weltfrauentag 2018! Das fühlt sich anders an. Nicht, dass sich die Situation für Frauen verbessert hätte. Aber die Debatte über Frauen, ihre Rechte, ihre Benachteiligung, ihre Rolle in der Gesellschaft hat sich verändert. Es mag ein Treppenwitz der Geschichte sein, dass die Traumfabrik Hollywood der Auslöser dafür war. Die Veröffentlichung der sexuellen Übergriffe des mächtigen US-Filmproduzenten Harvey Weinstein hat unter dem Titel #metoo Millionen Frauen mobilisiert, ihre Geschichten über Demütigungen und Benachteiligungen im Beruf zu erzählen, und ein perfides System sichtbar gemacht. Das kostete weltweit viele Männer ihre Karrieren. Gleichzeitig hat sich das Thema mächtig breitgemacht: an Stammtischen, im Skiverband, in den Kaffeeküchen der Unternehmen, im Freundeskreis.

Allein: Das Reden genügt nicht. Oscarpreisträgerin Frances McDormand hat in ihrer Dankesrede bei der Oscarverleihung darauf hingewiesen, dass für wirkliche Veränderung etwas getan werden müsste. Und das müssen die tun, die etwas zu sagen haben: im höchsten Ausmaß Männer. Wir können noch so viele Frauenförderprogramme auflegen, Kampagnen initiieren und Netzwerke gründen. Wenn jene, die entscheiden, nicht gezielt und mit Ernsthaftigkeit Frauen dieselben Chancen wie Männern geben und ihnen nicht dasselbe bezahlen, ändert sich nichts. Dazu braucht es ein Bewusstsein, dass diese Änderung auch der gesamten Gesellschaft und der Wirtschaft nützt, und dafür sind auch Gesetze und Regeln nötig. Der Skandal um Harvey Weinstein hat aufgedeckt, wie wenige mächtige Männer die Chancen von Menschen in einer ganzen Branche kontrollieren. Auch in Österreich sind Politik und Wirtschaft vor allem in Männerhand. Es ist Zeit, dass sie ihre Macht für Frauen nutzen. Das ist ihre Verantwortung.

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