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Manfred Sauer - evangelischer Bischofskandidat will keine "Christen zweiter Klasse"

Als Herausforderung und Faszination zugleich bewertet Manfred Sauer, evangelischer Superintendent in Kärnten, das Bischofsamt, für das er sich bewirbt. Er sehe die Möglichkeit, seine Erfahrungen in diesen größeren Kontext stellen zu können, daher habe er sich zur Kandidatur entschlossen, so Sauer. Dabei sei ihm klar, dass er aufgrund seines Alters ein "Übergangskandidat" wäre.

Manfred Sauer SN/pressestelle der diözese gurk/willers
Manfred Sauer

Die Frage, ob er die evangelischen Gläubigen in Österreich als "Christen zweiter Klasse" sehe, verneinte Sauer: "Eigentlich nicht, wir sind aber eine Minderheit. In Kärnten ist es etwas besser, weil hier die Zahl der Evangelischen doch bei zehn Prozent liegt." In der großen Ökumene habe sich vieles geändert, es gebe auch eine gute Zusammenarbeit sowohl mit der katholischen als auch mit der orthodoxen Kirche. Und auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, etwa durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sei gut. Sauer: "Wir werden gut behandelt, das war ja nicht immer so, die dreißiger Jahre waren schließlich so etwas wie eine zweite Gegenreformation." Nach 1945 habe es dafür einen Aufbruch gegeben.

In dieser Zeit erhielten die evangelischen Christen auch den Karfreitag als religiösen Feiertag zugestanden. Dessen Abschaffung bezeichnete Sauer nach wie vor als "inakzeptabel". Dabei übte er Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): "Die Aussage von Kurz, dass davon ja nur vier Prozent betroffen sind, hat große Irritation ausgelöst, das ist zynisch und herablassend." Man werde weiter um den Karfreitag als Feiertag kämpfen, er unterstütze auch die geplante Verfassungsklage voll und ganz.

Ein innerevangelisches Streitthema ist die Gleichstellung von homosexuellen Paaren bei der Ehe. Sauer spricht sich klar dafür aus, die Segnung während des Gottesdienstes zu gewähren. "Wir haben bisher differenziert und die Segnung von Homosexuellen auch nicht in die Bücher eingetragen, das soll nicht mehr sein." Das Thema habe innerkirchlich enorme Spannungen ausgelöst, "meine Hoffnung ist, dass wir mit dieser Spannung leben können". Er halte die getroffene Regelung, dass Pfarrgemeinden selbst entscheiden können, ob sie homosexuelle Paare gleichstellen, für gut. "Wir sind selbst eine Minderheit, und als solche hat man eine andere Sensibilität", erklärte der Superintendent.

Das sei auch bei der Frage der slowenischen Volksgruppe in Kärnten nicht anders. "Das Thema hat mich seit meinem Amtsantritt begleitet", erzählte Sauer, er habe sich da auch aktiv eingebracht. Seit der Ortstatfellösung habe sich die Situation deutlich entspannt, es gebe aber durchaus noch "Luft nach oben". Er würde es jedenfalls begrüßen, wenn Gemeinden über die gesetzliche Lösung hinaus aktiv würden und damit zeigten, dass sie stolz darauf seien, dass es die Volksgruppe gibt: "Sie stellt einen besonderen Schatz dar, der das Land prägt und ein wichtiger kreativer Motor für Kärnten ist."

Quelle: APA

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