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Manfred Wehdorn: Der oberste Revitalisierer Österreichs wird 75

Ohne Manfred Wehdorn hätten zahlreiche geschichtsträchtige Bauten der Republik kein so frisches Antlitz: Der Architekt - wohl wichtigster Revitalisierer und Denkmalpfleger Österreichs - selbst feiert am Montag (23. Jänner) seinen 75. Geburtstag. Dabei kann er auf eine Projektliste zurückblicken, die zeigt, dass der Architekt nahezu alle großen Erneuerungsprojekte zentral mitgestaltete.

Manfred Wehdorn wird 75. SN/APA/RITA NEWMAN
Manfred Wehdorn wird 75.

Das Spektrum reicht hierbei von der Wiederherstellung der Redoutensäle der Hofburg bis zur Restaurierung der Spanischen Reitschule und des Schlosses Schönbrunn, von der Neuplanung des Museumsquartiers und der Revitalisierung der Simmeringer Gasometer und der alten Kaiserstation der U4 bis zur Renovierung der Rossauer Kaserne sowie der Palais Kinsky, Harrach, Coburg und zuletzt des Stadtpalais Liechtenstein.

Auch für die erfolgreiche Bewerbung der Wiener Innenstadt für die Liste des UNESCO-Welterbes zeichnete Wehdorn mitverantwortlich. Zugleich ist Wehdorn, seit 2004 Vorstand des Institutes für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege der TU Wien, längst nicht auf den Wiener Raum beschränkt. Als international gesuchter Denkmalexperte erstellte er für Dresden die Studie zum Wiederaufbau des Residenzschlosses und ein Restaurierungsgutachten für Kulturerbeprojekte in der Türkei. Für Aserbaidschan entwickelte er ein denkmalpflegerisches Konzept zur Wiederherstellung von vier der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Landes - technisch-denkmalpflegerische Oberleitung inklusive.

So wurde und wird der Architekt praktisch zu allen heiklen Fragen der Denkmalpflege und der Revitalisierung herbeigerufen - sei es, dass die historische Wiener Stadtbahn ins U-Bahn-Netz eingebunden oder die Sanierung des Wien-Flusses denkmalpflegerisch begleitet werden soll, sei es die Restaurierung der Dr.-Karl-Lueger-Kirche am Zentralfriedhof oder die Revitalisierung der öffentlichen Bedürfnisanstalt am Wiener Graben als erste unterirdische Anlage ihrer Art in Österreich. Auch für die Sanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg erstellte der Experte eine Studie.

Schließlich hat der Wiener Wehdorn sein Rüstzeug in der Bundeshauptstadt gelernt. Hier studierte er an der TU Wien (1960-66) Architektur. Seine Dissertation "Die Baudenkmäler des Eisenhüttenwesens in Österreich" (1969) war der industrie-archäologischen Forschung gewidmet. Der Autor zahlreicher Fachpublikationen hat wesentlich daran mitgewirkt, dass Industriearchäologie und Industriedenkmale als wichtiger Teil der Denkmalpflege anerkannt wurden. Außerdem war Wehdorn Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Industrial Heritage" beim Europarat in Straßburg und seit 1998 Experte für Fragen der Denkmalpflege in der Europäischen Kommission in Brüssel.

1979 habilitierte sich Wehdorn als Dozent für Denkmalpflege und Industrie, 1981 übernahm er eine Professur an der TU Wien, die er bis zur Emeritierung 2012 innehatte, wobei ihn Vorlesungen rund um die Welt führten. Von 1984 bis 1998 hielt er einen Lehrauftrag an der internationalen Denkmalpflegeschule (ICCROM) in Rom. Seit 1973 ist Wehdorn überdies als Architekt etabliert und betreibt seit dieser Zeit sein eigenes Büro. Dieses aktive Wirken wird auch von staatlicher Stelle gewürdigt: So erhielt Wehdorn 1999 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und 2002 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik.

Quelle: APA

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