Kopf des Tages

Marco Rose - Salzburgs Trainer des Jahres

Wechselgerüchte hin, Wechselgerüchte her: Marco Rose ging bei der Leondias-Sportlerwahl der "Salzburger Nachrichten" als Trainer des Jahres hervor. Das Beste ist für ihn gerade gut genug. Diese Einstellung lebt der Cheftrainer seinen Spielern vor. Red Bull Salzburg hat er so in ungeahnte Höhen geführt.

Trainer des Jahres in Salzburg: Marco Rose. SN/GEPA pictures
Trainer des Jahres in Salzburg: Marco Rose.

Das Gefühl von Niederlagen kennt Marco Rose kaum noch. Als Trainer hat es der
42-jährige Deutsche auch nie wirklich kennengelernt. Seit der ehemalige Linksverteidiger von Hannover 96 und Mainz 05 seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat und auf die Trainerbank gewechselt ist, pflastern Siege seine spektakuläre Karriere.

Nach vorerst noch mäßigen Erfolgen in der deutschen Regionalliga bei Lok Leipzig (Punkteschnitt 1,20) wechselte Rose 2013 in die Nachwuchsakademie von Red Bull Salzburg. Mit der U16 holte er durchschnittlich 2,25 Zähler, mit der U18 2,50, und als Youth-League-Trainer gewann er sensationell den Titel in der Nachwuchs-Champions-League. Dies sollte sein Türöffner zu den Profis von Red Bull Salzburg sein.

Seit 2017 führt er nun also die Bullen in bisher ungeahnte Höhen. Die Highlights waren zweifellos der Einzug ins Halbfinale der Europa League, die beiden Siege in der Gruppenphase gegen den vermeintlich großen Red-Bull-Bruder Leipzig und natürlich der Titelgewinn in der Bundesliga.

Der nächste goldene Meisterteller - es wäre der zehnte in der Red-Bull-Ära - liegt zum Abholen bereit. Zu eindrucksvoll ist der bisherige Saisonverlauf. Daheim in der Bullen-Arena sind die Salzburger bereits seit sage und schreibe 60 Pflichtspielen unbesiegt. Wohl ein Rekord für die Ewigkeit.

Aber wie macht der Rose das? "Durch harte Arbeit", sagt der Trainer des Jahres, dem bereits als Spieler der Ruf vorauseilte, dass sein Wille größer war als sein Talent. Dennoch hat Rose etwas, was nur wenige andere Fußball-Lehrer in dieser ausgeprägten Art haben: Empathie, Engagement, Erfolg. Unter seinem Namen ist Red Bull Salzburg das Beste gerade gut genug.

Mit einem Sieg allein gibt sich Marco Rose nicht zufrieden. Genauso wichtig ist die Art und Weise, wie man gewinnt. Am liebsten mit spektakulärem Offensivfußball und dem mittlerweile weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannten Red-Bull-Pressing. Folgende Anekdote aus seiner Spielerkarriere dürfte Rose auch den Bullen eingeimpft haben: "Als Jürgen Klopp mein Trainer in Mainz war, saß ich lange Zeit auf der Bank und habe immer wieder versucht, ihm meine Unzufriedenheit darüber zu zeigen. Dabei habe ich mich schlecht gefühlt, weil dieses Verhalten so gar nicht meinem Naturell entsprach: Ich habe immer mehr von meiner Mentalität gelebt als von meinen Fähigkeiten. Und siehe da, nach ein paar Tagen lustlosen Trainings habe ich festgestellt: Meine ,Rebellion' interessierte den Trainer herzlich wenig. Da habe ich für mich entschieden, wieder Gas zu geben. Nachdem ich aber eine Woche wie eine Wurst trainiert hatte, brauchte ich noch eine Woche, um auf einem Niveau zu sein, das es auch rechtfertigt, beachtet zu werden. Und noch zwei Wochen, bis ich tatsächlich gesehen wurde."

Heute als erfolgreicher Trainer ist ihm dieses Thema genauso wichtig. "Jeder kann mal unzufrieden sein. Keiner muss stets mit einem Lächeln durch die Tür kommen. Aber wenn wir auf den Trainingsplatz gehen, erwarte ich, dass Bereitschaft, Haltung und Laune da sind", sagt Rose. Mit einer möglichen Niederlage beschäftigt man sich bei Red Bull Salzburg gar nicht erst.

Aufgerufen am 25.10.2020 um 11:21 auf https://www.sn.at/panorama/international/marco-rose-salzburgs-trainer-des-jahres-68353222

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