Kopf des Tages

Martina Berthold - Netzwerkerin mit besonderem Auftrag

Am 10. März wird in Salzburg gewählt: Die Salzburger Bürgerliste ist zuletzt über Jahre von einer Riege älterer Herren geführt worden. Erfahrene und redegewandte Kommunalpolitiker zwar, neue Gesichter gab es bei Wahlen aber maximal auf den hinteren Listenplätzen. Nun aber scheint der Generationenwechsel geglückt. Mit Martina Berthold hat eine gleichsam energiegeladene wie politisch beschlagene Kandidatin die Stadt-Grünen übernommen.

Martina Berthold SN/APA/FRANZ NEUMAYR
Martina Berthold

Die 48-Jährige (geboren am 13. Februar 1970 in Linz) weist dabei einen Lebenslauf auf, der auch vom beharrlichen Eintritt für Gleichberechtigung und vom Kampf gegen antiquierte Frauenbilder, Sexismus und Frauenarmut zeugt. Zudem sollte sie das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung aus dem Effeff kennen: Vor ihrem Einstieg in die Politik arbeitete Berthold 17 Jahre in der Landesverwaltung, von 2013 bis 2018 war sie als Landesrätin in der Salzburger Landesregierung unter anderem für die Agenden Kinderbetreuung, Wissenschaft, Jugend, Familie, Integration, Migration, Sport, Frauen und Chancengleichheit zuständig.

Berthold gilt aus Teamplayerin und Netzwerkerin mit vielen Verbindungen. Als eine, die selbst anpacken und ihr Umfeld motiviert kann. Ihr darf man wohl zugutehalten, dass bei den zuletzt träge und müde agierenden Stadt-Grünen neuer Gemeinschaftsgeist erweckt wurde. Ob es ihr gelingt, die gute Stimmung auch in Stimmen umzuwandeln, wird der Wahltag zeigen. "Ich bin dafür, Dinge von vielen Seiten zu betrachten", steht auf einem ihrer Wahlplakate - und das ist offenbar mehr als ein Slogan. "Sie schaut sich eine Materie genau an, bevor sie sich eine Meinung bildet", sagen Mitstreiter.

Politisches Bewusstsein aus der katholischen Kirche

Die gebürtige Oberösterreicherin studierte Erziehungswissenschaften in Salzburg und begann 1996 hauptberuflich für das Land zu arbeiten. Zuerst im Büro für Frauenfragen und Chancengleichheit, später in der Bildungsabteilung, schließlich als Projektmanagerin und in der Organisationsberatung. Sie saß in mehreren Gleichbehandlungskommissionen und war Trainerin im Bildungs-, Sozial- und Frauenbereich. Ihr politisches Bewusstsein sei schon früh in der katholischen Jungschar erwacht, sagte sie einmal.

Bei den Landtagswahl 2004 und 2009 fand sich Berthold jeweils auf Platz drei der grünen Liste. Beide Male reichte es nicht, beim ersten Antreten verpasste sie ein Mandat nur um 40 Stimmen. In die Politik zog es sie, weil sie mitgestalten und verändern wollte. Nach dem Wahlerfolg bei der Landtagswahl 2013 im Soge des Finanzskandals war es dann aber so weit: Berthold besetzte einen der drei grünen Regierungssitze. Ihre Performance als Landesrätin wird durchaus positiv bewertet, wenig Freunde machte sie sich aber bei manchen Sportvereinen. Man stieß sich etwa daran, statt dem Wort Mannschaft das Wort Team verwenden zu sollen.

Nach den Verlusten bei der Landtagswahl 2018 wurde sie Klubobfrau im Landtag und löste wenig später Johann Padutsch als langjährigen Parteivorsitzenden in der Stadt ab. Berthold lebt in Salzburg und ist verheiratet. Sie hat ein Faible für Aktivitäten im Freien - neben Bergtouren am Rad, zu Fuß oder mit den Ski gartelt sie gerne. Mehr Frauen in der Politik und in Führungspositionen seien stets zentrale Wünsche von ihr gewesen, sagt sie. Da würde es auch passen, erste Bürgermeisterin der Stadt Salzburg zu werden.

Quelle: APA

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