Kopf des Tages

Meral Aksener - eine Frau im Kampf gegen Erdogan und ihrer Vergangenheit

Mit ihrem energischen Auftreten, ihrer kämpferischen Rhetorik und ihrem harten nationalistischen Kurs begeistert Meral Aksener ihre Anhänger. Als einzige Frau tritt die "Eiserne Lady" der Türkei bei der Wahl am 24. Juni gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan an. Sie gibt sich überzeugt, dem langjährigen Staatschef die Macht entreißen zu können.

Eine Frau fordert den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan heraus: Meral Aksener. SN/APA/AFP/ADEM ALTAN
Eine Frau fordert den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan heraus: Meral Aksener.

Drei Wochen vor der Abstimmung wachsen aber die Zweifel, ob die Kandidatin der neugegründeten IYI-Partei es auch nur in eine Stichwahl schaffen wird.

"Wenn wir die Wahlarithmetik betrachten, wird wahrscheinlich Ince auf den zweiten Platz kommen und Aksener dahinter liegen", sagt Fuat Keyman, Direktor des Istanbul Policy Center. Der Kandidat der traditionsreichen Republikanischen Volkspartei (CHP), Muharrem Ince, führt seit Wochen eine energische Wahlkampagne und liegt in Umfragen inzwischen deutlich vor Aksener.

Zwar werden auch die Auftritte Inces im türkischen Fernsehen nur zum Teil übertragen, doch ist der CHP-Kandidat häufiger zu sehen als Aksener, deren Wahlkampf von den Sendern fast komplett ausgeblendet wird. Auch Erdogan konzentriert sich bei seinen Attacken gegen die Opposition auf die CHP, während er Aksener kaum mit einem Wort erwähnt.

Die 61-Jährige hatte die "IYI Parti" ("Gute Partei") im Oktober gegründet, nachdem sie mit der ultrarechten Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) gebrochen hatte. Deren Vorsitzender Devlet Bahceli hatte sich zum Unmut Akseners und anderer Parteimitglieder nach dem Putschversuch im Juli 2016 mit Erdogan verbündet und ihm geholfen, ein umstrittenes Präsidialsystem einzuführen.

Bei der Parlaments- und Präsidentschaftswahl am 24. Juni tritt die MHP nun in einem Bündnis mit Erdogans islamisch-konservativer Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) an. Zwar wird erwartet, dass die MHP einen Großteil ihrer Wähler an die IYI-Partei verliert, doch ist fraglich, ob Aksener jenseits der Nationalisten viele Türken für sich begeistern kann.

Um auch religiöse Wähler zu gewinnen, präsentiert sich Aksener als Nationalistin "mit einer konservativen Seite". Sie verspricht zudem, im Fall ihrer Wahl die Rechtsstaatlichkeit zu stärken, die Meinungsfreiheit wiederherzustellen, zum parlamentarischen System zurückzukehren und den Ausnahmezustand aufzuheben, den Erdogan nach dem Putschversuch verhängt hatte.

Für viele Türken bleibt Aksener aber klar mit dem ultra-nationalistischen Lager verbunden. Ihre Weigerung, mit syrischen Flüchtlingen das Fasten zu brechen, bevor sie nicht in ihre Heimat zurückgekehrt sind, kam außerhalb ihrer Kernwählerschaft nicht gut an. Aksener sah sich daraufhin genötigt klarzustellen, dass sie Flüchtlinge nicht rausschmeißen wolle.

Vor allem aber haben Kurden mit Aksener ein Problem. Viele haben der Nationalistin nicht vergessen, welche Rolle sie als Innenministerin in den Jahren 1996 und 1997 auf dem Höhepunkt des Konflikts mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bei den Repressionen im kurdischen Südosten der Türkei gespielt hat. Noch heute weigert sie sich, die Kurden als eigenständige Volksgruppe anzuerkennen.

Aksener "scheut noch immer davor zurück, die Identität oder Ethnizität der Kurden der Türkei offen zu thematisieren", sagt der Politikwissenschaftler Ödül Celep von der Isik Universität in Istanbul. Während der CHP-Kandidat Ince in der Lage sei, auch "ungebundene Wechselwähler" anzusprechen, sei Aksener fest in der politischen Rechten verwurzelt.

Als Geste an die kurdischen Wähler sprach sich Aksener dafür aus, Selahattin Demirtas, den inhaftierten Kandidaten der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), frei Wahlkampf machen zu lassen. Die HDP-Vorsitzende Pervin Buldan sagte aber, Aksener werde keine kurdischen Stimmen erhalten. "Angefangen mit mir wird kein Kurde Frau Aksener seine Stimme geben", versicherte Buldan.

Quelle: Apa/Afp

Aufgerufen am 22.10.2018 um 08:35 auf https://www.sn.at/panorama/international/meral-aksener-eine-frau-im-kampf-gegen-erdogan-und-ihrer-vergangenheit-28817338

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