#MeToo - Debatte um Sexismus und Übergriffe

#MeToo - Debatte um Sexismus und Übergriffe

Die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen US-Filmproduzent Harvey Weinstein haben eine Lawine losgetreten. Frauen brechen ihr Schweigen, Männer erklären sich solidarisch, die Gesellschaft ist durch #MeToo im Umbruch.

Inzwischen haben Hunderttausende Frauen von ihren Übergriffserfahrungen erzählt - die passier(t)en oft im beruflichen Kontext. Die Aktion #MeToo wurde von der US-Schauspielerin Alyssa Milano ("Charmed") gestartet. Hunderttausende Frauen aus aller Welt beteiligten sich. Milano wollte deutlich machen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. "Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder genötigt wurden, ,Me too' als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen", erklärte sie.

"MeToo" ist aber nicht neu: Die Bewegung wurde bereits vor zehn Jahren von der heute 44-jährigen Afroamerikanerin Tarana Burke gegründet. Sie wollte damit allen unterprivilegierten Frauen der Welt eine Stimme geben. Dass der Hashtag jetzt endlich die notwendige Beachtung findet, begrüßt Burke.

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Nassar war fast 30 Jahre lang der Arzt der US-Turnerinnen. Den Missbrauch hat er eingestanden:

Die "Freiheit zu belästigen" sei "unerlässlich für die sexuelle Freiheit":

Aus Sicht von Hollywood-Star Liam Neeson (65) geht die sogenannte #MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe auch auf US-Präsident Donald Trump zurück.

Der Regisseur Dieter Wedel (75) hat Aussagen von Frauen widersprochen, die ihm gewalttätige und sexuelle Übergriffe in den 1990er Jahren vorwerfen. In einem Bericht des "Zeit-Magazins" kommen mehrere, teils namentlich genannte Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen erheben, bis hin zum erzwungenen Sex.

Keine Spur von Harvey Weinstein: Eigentlich wäre es Hochsaison für Auftritte des Filmproduzenten an der Seite von Stars, um die Werbetrommel für Oscar-Kandidaten zu rühren. Auch keine Feier zum zehnten Hochzeitstag am 15. Dezember - Weinsteins Ehefrau Georgina Chapman hatte sich im Zuge des Missbrauchsskandals schnell von dem 65-Jährigen getrennt.

Einverständnis-Gesetz ab Juli 2018

Die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen US-Filmproduzent Harvey Weinstein haben eine Lawine losgetreten. Frauen brechen ihr Schweigen, Männer erklären sich solidarisch, die Gesellschaft ist durch #MeToo im Umbruch.

Die US-Zeitschrift "The New Yorker" hat sich aufgrund von Belästigungsvorwürfen von einem ihrer bekanntesten Journalisten getrennt. Dem Reporter Ryan Lizza sei wegen "unangemessenen sexuellen Verhaltens" gekündigt worden, teilte das Magazin am Montag mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Auch der TV-Sender CNN beendete die Zusammenarbeit mit dem 43-Jährigen.

Schauspieler Kevin Spacey wird nach Belästigungsvorwürfen nicht in der letzten Staffel von "House of Cards" zu sehen sein. Nun steht fest, wie es ohne ihn weitergeht.

Sexuelle Übergriffe sind im Sport gelandet. Besser gesagt die öffentliche Debatte darüber. Denn das Tabuthema spielt in allen gesellschaftlichen Kreisen eine große Rolle. Doch was bleibt nach der Aufregung? Was ist zu tun? Die SN diskutierten dies mit gleichermaßen maßgeblichen wie prominenten Personen im Sport.

Die Debatte erreicht nun auch die Sportbranche.

Die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen US-Filmproduzent Harvey Weinstein haben eine Lawine losgetreten. Frauen brechen ihr Schweigen, Männer erklären sich solidarisch, die Gesellschaft ist durch #MeToo im Umbruch.

Was Frauen unter dem Stichwort #MeToo im Internet schreiben, ist entsetzlich. Es nach Jahren oder Jahrzehnten öffentlich zu machen, eine späte Befreiung. Wir müssen reden. Miteinander. Dringend.

Die jetzige Sexismus-Debatte hätte das Zeug dazu, gesellschaftlich positiv zu wirken. Das gelingt aber nur, wenn aus der Übergriffsdebatte keine Mann/Frau-Konfrontation konstruiert wird.

Endet ein Flirt an der Bar bald vor Gericht und sind Komplimente von Männern an Frauen bald nicht mehr möglich? Zeit, mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen, meint Karin Zauner.

Das Internet ermöglicht nahezu weltweit umspannende Aktionen wie #MeToo. SN-Kolumnist Viktor Hermann zeigt aber auch die andere Seite von sozialen Medien auf und warnt vor öffentlichen Hinrichtungen auf Facebook und Co.

Englisch-Kolumnistin Joanne Edwards hat lange niemandem ein Sterbenswörtchen davon erzählt, was ihr als Elfjährige passiert ist. Dann kam #Metoo und nach Jahrzehnten des Schweigens brach es plötzlich aus ihr heraus.

#MeToo auch in der SN-Redaktion. Karin Zauner erzählt von einem Übergriff, den sie selbst durchmachen musste. Sie klärt aber auch die Frage, warum sie danach nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Seit Jahren ist die Zahl der Beschwerden wegen sexueller Belästigung gleichbleibend. Die Chefin der österreichischen Gleichbehandlungsanwaltschaft, Ingrid Nikolay-Leitner, spricht darüber, was die Flut an Vorwürfen bedeutet und was sie bringen könnte.

Verstörende Bericht kommen auch aus dem EU-Parlament. Von dort berichten Frauen, dass ihnen ein "Arbeitsvertrag gegen Sex" angeboten wurde. Auch der Auftrag, in Bars mit sexuellen Gefälligkeiten Entgegenkommen bei Gesetzestexten zu erwirken, soll keine Seltenheit sein.

#MeToo: Über das Internet schildern immer mehr Frauen ihre Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen. Mit #Aufschrei gab es 2013 bereits eine ähnliche Aktion.

Opfer sexueller Gewalt suchen immer wieder die Schuld bei sich selbst. Damit muss schluss sein, fordert SN-Redakteurin Karin Zauner. Mädchen und Frauen müssen gestärkt werden , dass sie sich in solchen Fällen niemals schuldig fühlen.

Die "New York Times" enthüllte einen Skandal, der zuerst Hollywood in Aufregung versetzte und dann zu einer riesigen Diskussion führte. Immer mehr Schauspielerinnen meldeten sich zu Wort. Doch es blieb nicht beim "Einzelfall Weinstein".