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Milde Strafe für "ziemlich dilettantischen" Befreiungsversuch

Bei dieser Flucht aus einem Gefängnis in Deutschland ist einiges schiefgegangen.

Milde Strafe für "ziemlich dilettantischen" Befreiungsversuch SN/sinuswelle - Fotolia
Milde Strafe für „ziemlich dilettantischen“ Befreiungsversuch aus Gefängnis.

Für eine versuchte Gefangenenbefreiung kommt ein 34-Jähriger mit einer relativ milden Strafe davon. Das Amtsgericht Bayreuth verurteilte den Mann am Donnerstag zu vier Monaten Gefängnis. Er hatte nach den Worten des Richters auf "ziemlich dilettantische" Weise versucht, einen Gefangenen aus dem Bayreuther Gefängnis zu befreien.

Der Mann hatte sich vor dem Bayreuther Gefängnis in Position gebracht, als der Häftling mit anderen Gefangenen zum Arbeitsdienst aus der Anstalt geführt wurde. Dann war er mit ihm weggerannt. Auf der Flucht gab er ihm seine Jacke, damit er nicht als Häftling erkannt wird. Zwei Komplizinnen, die in einem Auto warteten, wollten die beiden mitnehmen - die fanden das Fluchtauto aber nicht. Zudem verloren sich Häftling und Fluchthelfer aus den Augen. Grund laut Aussage des Angeklagten: "Der war zu langsam."

Gefängnisbedienstete nahmen den Häftling kurz darauf wieder fest. Der Angeklagte stellte sich vor Gericht als Mitläufer dar, der nur helfen wollte: "Ich war nur Depp vom Dienst." Eine der beiden Frauen hat Kinder mit dem Gefangenen, sie habe den Befreiungsplan geschmiedet. Grund für den Fluchtversuch sei gewesen, dass eine der Töchter ins Heim kommen sollte - und ihr Vater sie noch einmal sehen sollte.

In der Sache räumte er die Vorwürfe dennoch ein. Da er aber 13 Vorstrafen mitbrachte und die Tat verübte, während er unter Bewährung stand, muss er nun ins Gefängnis. Die mutmaßliche Haupttäterin war zuvor in einer anderen Sache zu einer Haftstrafe verurteilt worden - daher ging sie für den Befreiungsversuch straffrei aus. Auch das Verfahren gegen die andere Komplizin wurde eingestellt.

Ausbruch in Deutschland nicht strafbar

Der Ausbruch aus einem Gefängnis selbst ist in Deutschland zunächst einmal nicht strafbar. "Das Problem ist jedoch, dass der Gefangene meist ohne Begehung von Begleitstraftaten nicht aus der Haftanstalt flüchten kann", sagte der Fachanwalt für Strafrecht, Sascha Böttner, am Donnerstag. "In den seltensten Fällen steht die Tür des Gefängnisses offen, so dass der Gefangene einfach herausspazieren könnte." Werde beispielsweise körperliche Gewalt gegen Personen angewandt, seien häufig Straftatbestände der Körperverletzung erfüllt, sagte Böttner. Auch die Bestechung, Bedrohung oder Geiselnahme von Beamten stelle eine typische Begleitstraftat bei einem Ausbruch dar.

Auch wenn ein Gefängnisausbruch selbst nicht strafbar sei, seien die Folgen im Rahmen der Strafvollstreckung für den Betroffenen in der Regel spürbar, betonte der Strafverteidiger. "Gefangene können häufig nach zwei Dritteln der abzusitzenden Strafe vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Die Reststrafe wird dann zur Bewährung ausgesetzt. Von dieser Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung wird man bei einem Gefangenen, der geflohen ist oder einen Fluchtversuch unternommen hat, möglicherweise keinen Gebrauch machen."

Wer hingegen einen Gefangenen befreit oder ihm bei der Flucht hilft, kann dafür bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen oder muss eine Geldstrafe zahlen. Handelt es sich bei dem Fluchthelfer um einen Menschen, der eigentlich dafür zuständig ist, den Gefangenen zu bewachen, erhöht sich die Haftstrafe auf bis zu fünf Jahre.

Quelle: Dpa

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