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Misshandlungen in australischem Gefängnis werden Politikum

Der Skandal um schwerste Misshandlungen jugendlicher Gefängnisinsassen in Nordaustralien wird zu einem Politikum. Landesweit mehrten sich am Mittwoch die Stimmen, die den Rücktritt des Regierungschefs des Northern Territory, Adam Giles, forderten. Der Sender ABC hatte Aufnahmen aus einem Jugendgefängnis des Verwaltungsgebiets veröffentlicht, auf denen die Misshandlungen zu sehen sein sollen.

Misshandlungen in australischem Gefängnis werden Politikum SN/APA (AFP/ABC)/AUSTRALIAN BROADCA
Verstörende Bilder zeigte der TV-Sender ABC.

Nach Angaben von ABC wurden Insassen der in einem Vorort von Darwin liegenden Haftanstalt Don Dale in den vergangenen beiden Jahren immer wieder von Wärtern schwer misshandelt. Ein Video aus dem vergangenen Jahr zeigt einen 17-Jährigen, der mit nacktem Oberkörper und einem Sack über dem Kopf an einen Sessel gefesselt und zwei Stunden allein gelassen wurde.

Ein früherer Wärter berichtete, mindestens drei Mal Zeuge der grausamen Prozedur geworden zu sein. Andere Insassen wurden von den Wärtern mit Tränengas beschossen oder mussten mehrere Wochen in Einzelhaft verbringen. Viele der mutmaßlichen Opfer sind laut ABC Aborigines.

Der Chef der Regionalregierung, Giles, äußerte sich "angewidert" über die mutmaßlichen Misshandlungen. Er entließ den für den Strafvollzug zuständigen Minister und ordnete Ermittlungen der Polizei an. Er selbst will nicht zurücktreten und beteuert, nichts gewusst zu haben. Für zusätzliche Empörung sorgte ein am Mittwoch kolportierter Ausspruch Giles' aus dem Jahr 2010, in dem er forderte, alle Häftlinge in ein "großes Betonloch" zu stecken.

Das Northern Territory hat eine der landesweit höchsten Kriminalitätsraten. Mehr als zwei Drittel der Häftlinge in dem Verwaltungsgebiet sind Ureinwohner, deren Leben häufig durch Arbeitslosigkeit, ein geringes Bildungsniveau oder Drogenabhängigkeit geprägt sind. Die Zeitung "The Australian" sieht in dem Fall ein Beispiel für die Diskriminierung der Aborigines. Er sei ein "Fenster zu unserer Schande".

Das Opfer auf dem verstörenden ABC-Video, Dylan Voller, meldete sich unterdessen selbst zu Wort. In einem von seinem Anwalt veröffentlichen handgeschriebenen Brief bedankte er sich bei dem Sender, dass er die "Wahrheit ans Licht gebracht" habe, und dankte für die Solidarität der Gesellschaft. Gleichzeitig entschuldigte er sich für seine "Verfehlungen" und schwor Besserung. Voller war erstmals mit elf Jahren straffällig geworden und war seitdem immer wieder in Gewahrsam, unter anderem wegen Raubs und Autodiebstahls. Inzwischen hat er das Erwachsenenalter erreicht und sitzt in einer normalen Strafanstalt.

Quelle: Apa/Ag.

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