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Münchner Todesschütze tötete sich nach Kontakt mit Polizei

Der Todesschütze von München hat sich nach neuen Angaben der Polizei nach einem Kontakt mit Streifenbeamten unvermittelt erschossen. Am Samstag seien weitere Details zum Tatablauf zusammengetragen worden, teilte das Polizeipräsidium München am Abend mit. Dabei seien auch viele Beamte befragt worden, die während der Bluttat vom Vorabend im Dienst gewesen seien.

"Gegen 20.30 Uhr hatte demnach eine Streife der Münchner Polizei nördlich des Olympiaeinkaufszentrums Kontakt zum mutmaßlichen Täter", heißt es in der Mitteilung. "Als Reaktion auf die Ansprache der Beamten zog er unvermittelt seine Schusswaffe, hielt sie sich an den Kopf und erschoss sich."

Die Warnhinweise an die Bevölkerung seien danach trotzdem aufrecht gehalten worden, weil es Zeugenhinweise zu weiteren möglichen Tätern gegeben habe, erläuterte die Polizei. Auch hätten zahlreiche "Anrufe beim Polizeinotruf zu zusätzlichen Ereignissen im Stadtgebiet erst genau überprüft und mit Sicherheit ausgeschlossen werden" müssen.

Eine Zivilstreife hatte den Täter zuvor bereits am Parkhaus des Einkaufszentrums entdeckt und auf ihn geschossen, doch der junge Mann war unverletzt geblieben und konnte zunächst fliehen.

Der 18-jährige Schüler David Ali S. hatte am Freitagabend beim Münchner Olympia Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen und dann sich selbst erschossen. Nach Erkenntnissen der Polizei handelte es sich um den Amoklauf eines Einzeltäters.

Am Freitagabend war aber zwischenzeitlich von bis zu drei Tätern die Rede gewesen. Außerdem kursierten Gerüchte über weitere Schüsse an anderen Orten der bayerischen Landeshauptstadt. Die Polizei hatte die Bevölkerung daher aufgerufen, öffentliche Plätze und Straßen im Münchner Stadtgebiet zu meiden.

Für den deutschen Innenminister Thomas de Maiziere waren es "Explosionen von Gewalt", die in München zum Tod von neun unschuldigen Menschen führten. Eine Verbindung zum islamistischen Terrorismus sehen die Ermittler nicht. In der Wohnung des jungen Mannes sei Material gefunden worden, das Verbindungen zum Amoklauf von Winnenden 2009 und zum Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren vermuten lasse, sagte de Maiziere weiter.

Der Amokläufer war für die Sicherheitsbehörden ein unbeschriebenes Blatt. "Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt", sagte de Maiziere. "Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person." Möglicherweise sei der junge Deutsch-Iraner gemobbt worden. Die Frage, wie es zu solchen "Explosionen von Gewalt" kommen könne und ob die Tat absehbar war, müsse sich möglicherweise eher an das direkte Umfeld des 18-Jährigen richten als an die Sicherheitsbehörden.

De Maiziere, der am Samstagabend den Tatort besichtigte, lehnte rasche Debatten über gesetzgeberische Reaktionen auf die Bluttat ab: "Heute ist nicht die Stunde für Konsequenzen, schon gar nicht, wo die Ermittlungsergebnisse noch nicht vollständig vorliegen." Er machte brutale Internetvideos und Computerspiele für Gewaltexzesse wie in München mitverantwortlich.

Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung "aus dem depressiven Formenkreis". Der 18-Jährige war Schüler, er ist in München geboren und aufgewachsen. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung Bücher wie "Amok im Kopf. Warum Schüler töten".

Die bayerische Landesregierung will nach dem Amoklauf die Polizei besser ausstatten, wie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München sagte. In der Innenstadt von München war am Freitag Panik ausgebrochen. An mehreren anderen Stellen war von Schüssen die Rede. Dabei handelte es sich aber um Fehlalarme.

Die Polizei ermittelt, ob auch absichtliche Falschinformationen aus der Bevölkerung eingingen. Auch am Samstagabend kam es in der Münchner Innenstadt zu einer erneuten Terrorwarnung von Unbekannten, die sich als Fehlalarm herausstellte.

Am kommenden Samstag wird es im Münchner Maximilianeum einen gemeinsamen Trauerakt des Landtags, der Landesregierung und der Stadt München geben. Zum Gedenken an die Opfer und Verletzten gibt es am Sonntag kommender Woche zudem einen ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom.

Quelle: Apa/Ag.

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