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Nach Erdbeben in Italien: "Man muss mit solchen Beben weiter rechnen"

Nach den schweren Erdbeben im vergangenen Sommer und Herbst wird Mittelitalien erneut von schweren Erdstößen getroffen. Ein Experte macht den Bewohnern wenig Hoffnung auf ein Ende der Serie.

Symbolbild. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Symbolbild.

Die neuerlichen schweren Erdbeben in Mittelitalien sind nach Einschätzung des Potsdamer Seismologen Birger-Gottfried Lühr Teil einer ganzen Serie in dieser Region. Die Bewohner müssten sich dort auch noch auf weitere Erdstöße einstellen, sagte der Experte des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ).

In Mittelitalien gab es ja erst vergangenen Sommer ein verheerendes Beben. Hängen diese Beben zusammen?

Lühr: Im Grunde hängen die alle miteinander zusammen. Das ganze hat weiter nördlich 1997 in Umbrien begonnen. Viele erinnern sich daran, dass dort eine Kirche zusammengebrochen war. Die weiteren Beben - und auch die letzten Erdstöße - liegen alle in einem Bereich. Das sind sogenannte Dehnungsbeben und die gehören da eigentlich auch hin. Man muss mit solchen Beben auch weiter noch rechnen. Das ist für die Leute ein bisschen bitter, aber das lässt sich nicht ändern.

Warum kommt die Region nicht zur Ruhe?

Lühr: Ein Beben ist ja ein Bruch auf einer Fläche und das sorgt erstmal für eine Entlastung auf dieser Fläche. Aber das bedeutet für die benachbarten Segmente immer eine Belastung. Und daher kann man da immer mit sogenannten getriggerten Beben rechnen. Denken Sie an das große Tsunami-Beben zu Weihnachten 2004 mit einer Stärke von 9,3 (Anm. d. Red.: Andere Berechnungen gehen von 9,1 aus) - und dann kam Ostern darauf das südlichere Segment mit einer Magnitude von 8,7. Das war immer noch verheerend, aber nicht so schlimm wie das Beben zu Weihnachten mit über 200 000 Toten.

Muss man denn angesichts dieser schlechten Aussichten befürchten, dass der italienische Stiefel irgendwann auseinanderbricht?

Lühr: Nein, auf keinen Fall! Dort schiebt sich ja die adriatische Platte unter Italien. Dadurch findet eine Aufwölbung statt und dann entstehen diese Grabenbrüche. Ein Auseinanderbrechen von Italien ist dabei nicht zu befürchten.

Können die Menschen denn vorbeugen, wenn jetzt weitere Nachbeben und neue Beben zu erwarten sind?

Lühr: Wenn so etwas passiert, kann ein Stromausfall die Folge sein oder ein Ausfall der Wasserversorgung. Darauf kann man sich vorbereiten, dass man Campingkocher, Taschenlampen und so weiter hat. Für uns Deutsche heißt es, Erdbebengebiete als Touristen erstmal nicht zu besuchen, sondern um solche Gebiete erstmal einen großen Bogen zu machen oder sich genau zu informieren. Und Schaulustige, das ist eigentlich das Allerletzte, die will man da eigentlich nicht haben.

ZUR PERSON: Der gebürtige Flensburger Birger-Gottfried Lühr hat Elektrotechnik und Geophysik studiert. Der 65-Jährige arbeitet seit der Gründung des Instituts im Jahr 1992 als Vulkan- und Erdbebenphysiker am Potsdamer Geoforschungszentrum. Lühr ist auch Geschäftsführer der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.

Quelle: Dpa

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