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Neue Winterstürme im Anmarsch: Weitere Tote in Osteuropa

Die eisige Kälte hat zu Wochenbeginn Osteuropa weiter im Griff. In Polen etwa stieg die Zahl der Kältetoten seit Jahresbeginn auf 19. In Österreich sind am Wochenende zwar keine neuen Kälterekorde gemessen worden, tiefe Temperaturen wird es aber laut ZAMG-Prognose auch in den nächsten Tagen geben. In Wien waren die Notschlafstellen für Obdachlose zu 95 Prozent ausgelastet.

Ungewohnte Bilder aus Griechenland.  SN/APA (AFP)/SAKIS MITROLIDIS
Ungewohnte Bilder aus Griechenland.

In der Westukraine erfroren bei eisigen Temperaturen innerhalb eines Tages mindestens vier Menschen. Seit Jahresbeginn starben damit landesweit nach Medienberichten vom Montag insgesamt mindestens acht Menschen bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad. In Weißrussland kamen fünf Menschen in der Nähe von Minsk bei minus 25 Grad ums Leben, berichtete die Agentur Interfax.

In Moskau froren die Menschen bei knapp 30 Grad unter dem Nullpunkt, im Durchschnitt bis zu 15 Grad kälter als zu dieser Jahreszeit üblich. Laut Interfax starben in der russischen Hauptstadt seit Jahresbeginn zwei Menschen wegen der Kälte.

Bei der Kältewelle in Polen kamen innerhalb eines Tages zehn weitere Menschen ums Leben. Dies teilte am Montag das Sicherheitszentrum der Regierung mit. Damit erfroren seit vergangener Woche bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad bereits 19 Menschen. Insgesamt stieg die Zahl der Kältetoten seit November auf 65. Weitere 24 Menschen starben seitdem an Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Sie hatten unter anderem giftige Gase aus Kohleöfen eingeatmet. Abgase, Kälte sowie fehlender Wind führten am Montag vielerorts zu Smog.

Bei den niedrigsten seit mehr als 30 Jahren gemessenen Temperaturen erfroren in der Slowakei vier Menschen. Wie das Nachrichtenportal "Pravda.sk" am Montag unter Berufung auf Rettung und Polizei auflistete, wurden am Freitag und Sonntag in den Städten Nitra und Bratislava zwei vermutlich obdachlose Männer erfroren gefunden. In einem Dorf hatte man am Freitag einen Pensionisten erfroren vor seiner eigenen Haustür entdeckt. Im nordslowakischen Bezirk Namestovo starb eine 54-jährige Frau auf dem nächtlichen Heimweg von ihrer Arbeit. In dem Ort Oravska Lesna wurde am Sonntag mit minus 35,2 Grad Celsius die niedrigste in der Slowakei seit 1985 gemessene Temperatur erreicht.

In Bulgarien erfroren seit Jahresbeginn neben mindestens drei Bulgaren auch drei Flüchtlinge - eine Frau aus Somalia und zwei Iraker. Als Grenzpolizisten die Frau fanden, war sie bereits tot. In einem getrennten Fall starben wenige Tage später im Grenzgebiet zur Türkei zwei Männer aus dem Irak. Dorfbewohner entdeckten ihre Leichen in einem verschneiten Wald im Strandscha-Gebirge im Südosten.

In Tschechien ist die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Frostwelle auf mindestens sieben gestiegen. Allein in Prag seien seit Freitag vier Obdachlose erfroren, sagte Rettungsdienstsprecher Dominik Horn am Montag. Neun Menschen seien mit Unterkühlung oder Erfrierungen behandelt worden. In mehreren Fällen habe Alkoholkonsum die Auskühlung verstärkt. Tote gab es unter anderem auch in Brünn und Karvina. Die Prager Notunterkünfte waren zu 90 Prozent belegt. Sozialarbeiter verteilten auf der Straße warme Kleidung und Lebensmittel an Hilfsbedürftige.

In Griechenland schneite es in der Nacht zum Montag erneut in vielen Regionen, so dass etliche Dörfer und auch Inseln mittlerweile von der Außenwelt abgeschnitten wurden. In vielen Fällen gebe es keine Stromversorgung und damit auch kein Wasser und keine Heizung mehr, weil Pumpen nicht betrieben werden können oder Wasserrohre zugefroren seien, berichtete am Montagmorgen der Radiosender Athina 984.

Die Schulen blieben in weiten Teilen des Landes geschlossen. Auf der Insel Euböa lag der Schnee selbst in Küstenorten bis zu drei Meter hoch. Selbst auf Kreta fielen die Temperaturen nachts auf rekordverdächtige minus 15 Grad. Hafenstädte wie Rethymno, Chania und Heraklion waren seit Jahrzehnten erstmals tief verschneit.

Die griechischen Behörden haben offenbar keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen, um die auf den griechischen Inseln notdürftig untergebrachten Flüchtlinge vor der aktuellen Kältewelle schützen zu können. "Es gibt ein echtes Problem", sagte ein Vertreter des Ministeriums für Migrationspolitik am Montag. Beispielsweise auf der Insel Lesbos hätten die Flüchtlinge im Lager Moria nur Zelte, um sich vor dem Schnee und der klirrenden Kälte in Sicherheit zu bringen.

In Moria lebten mehr als 2.500 Menschen ohne heißes Wasser und ohne Heizung in Zelten, sagte Apostolos Veizis von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Auf der Insel Samos seien mehr als 300 Flüchtlinge betroffen, weitere Betroffene gebe es auf den Inseln Kos, Leros und Chios. Mehr als 15.000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf den griechischen Inseln fest. Das Ministerium für Migrationspolitik macht die Kommunalverwaltungen für die Missstände verantwortlich.

Der ungewöhnliche Wintereinbruch mit Eis, Schnee und Wind hielt die Menschen in Mittel- und Süditalien auch am Montag in Atem: In Apulien und Kalabrien blieben zahlreiche Schulen geschlossen. Wegen starken Schneefalls fielen nahe der Küstenstadt Bari Züge aus. In Pisa mussten Schüler frieren, weil in einigen Gebäuden die Heizungen ausgefallen waren, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Medien bezifferten die Zahl der Kältetoten auf acht, eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Der italienische Landwirtschaftsverband CIA klagte über Schäden im Wert von hunderten Millionen Euro.

Die Schifffahrt auf der Donau durch Serbien wurde wegen einer Eisdecke per Verordnung des serbischen Verkehrsministeriums eingestellt. Zum ersten Mal seit 22 Jahren ist laut Medienberichten infolge niedriger Temperaturen auch der Fluss Velika Morava, ein Nebenfluss der Donau, vom Eis bedeckt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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