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Norbert Hofer: Optimistisch in die Wahl-Wiederholung

Norbert Hofer scheint die Länge des Wahlkampfs nichts auszumachen - er fühle sich mit jedem Tag besser, sagte der FPÖ-Bundespräsidentschafts-Kandidat am Rande des jüngsten APA-Interviews. Dass er noch immer im Rennen ist, verdankt Hofer der Anfechtung der (ursprünglich an Alexander Van der Bellen verlorenen) Stichwahl durch seine Partei - und er blickt optimistisch auf den 4. Dezember.

Norbert Hofer: Optimistisch in die Wahl-Wiederholung SN/APA/ROLAND SCHLAGER
FPÖ-Bundespräsidentschafts-Kandidat Norbert Hofer.

Seinen Optimismus begründet Hofer nicht etwa mit Umfragen, auch durch den Ausgang der US-Wahl erwartet er sich keinen größeren "Schub". Vielmehr sehe er sich durch die positive Stimmung im Wahlkampf bestärkt, sagte der FP-Kandidat zuletzt. Von einer Niederlage in der vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen Stichwahl im Frühjahr wollte und will der Burgenländer ohnehin nichts wissen. Denn es habe aufgrund des VfGH-Entscheids ja weder einen Verlierer noch einen Sieger gegeben, so sein Argument.

Freilich dürfte Hofer der Ausgang der Stichwahl am 22. Mai geschmerzt haben, immerhin brachte er aus dem ersten Wahlgang einen satten Vorsprung von fast 14 Prozentpunkten mit. Diese gingen verloren - und auf den letzten Metern brachten erst die - von den Freiheitlichen ohnehin skeptisch beäugten - Briefwahlstimmen Van der Bellen den knappen (vorübergehenden) Sieg.

Auf die Gelegenheit, jüngstes Staatsoberhaupt der Zweiten Republik zu werden, hätte Hofer vor knapp einem Jahr allerdings um ein Haar selbst verzichtet: Ende Dezember, einige Wochen vor der blauen Kandidatenfindung, sagte der nach einem Paragleiter-Unfall gehbehinderte Dritte Nationalratspräsident noch in einem ZiB 2-Interview ziemlich deutlich Nein zur Hofburg-Option. Zu jung sei er dafür, lautete sein Hauptargument.

Doch nachdem die von Parteichef Heinz-Christian Strache vorgeschlagenen Alternativ-Kandidatin Ursula Stenzel den FPÖ-Granden zu wenig freiheitlich erschien, ließ sich Hofer doch noch überreden. Große Chancen gaben ihm Beobachter anfangs nicht. Zwar galt Hofer als Schwergewicht in der Partei, sein mangelnder Bekanntheitsgrad ließ viele aber an seinem Erfolg zweifeln - eine Einschätzung, die sich als falsch erwies. Mittlerweile ist Hofer zur klaren Nummer zwei innerhalb der Partei herangewachsen, bei Wahlkampfauftritten darf er sich über lautstarke Sprechchöre ("Hofer, Hofer") freuen, und zwar in einer Intensität, wie sie bisher Parteichef Heinz-Christian Strache vorbehalten war.

Inhaltlich hat sich am blauen Wahlkampf auch nach der (durch die Klebstoff-Probleme an den Briefwahlkuverts bedingte) Verschiebung der Wahl-Wiederholung kaum etwas geändert. Er bleibe bei seiner Linie, betonte Hofer stets mit Nachdruck - so etwa bei seiner Ablehnung des Freihandelsabkommens CETA oder der rigiden Migrationspolitik. Gleiches gilt für seine Drohung, die Regierung gegebenenfalls zu entlassen - dass er daran festhält, machte er nach einer vermeintlichen Relativierung dieser Position deutlich.

Zu punkten versuchen die Freiheitlichen auch nach wie vor mit einer Anti-Establishment-Kampagne, die sich zuletzt vor allem gegen Van der Bellens prominente Unterstützer, etwa aus ÖVP- und SPÖ-Kreisen, richtete. Und im Gegensatz zum ehemals grünen Professor, der als unabhängiger Kandidat antritt, betonte Hofer stets, dass er ein Kandidat der FPÖ sei.

Verschnupft reagierte Hofer - der wegen seines verbindlichen Auftretens in der Vergangenheit oftmals als "das freundliche Gesicht der FPÖ" tituliert wurde und mit dem sich auch Vertreter anderer Parteien ganz gerne zeigten - auf Zuschreibungen, er stelle den "Wolf im Schafspelz" dar. Er habe keine "zwei Gesichter", brauche sich nicht zu verstellen - und habe auch kein Coaching notwendig. Letzteres strich er gerne zum Auftakt seiner Wahlkampfreden hervor. Geschuldet ist dies wohl auch Vorwürfen, er würde - als gelernter Rhetorik-Trainer - im Wahlkampf auf Tricks aus der NLP-Kiste zurückgreifen.

Inhaltlich gilt der 45-jährige Familienvater (in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern) als strammer Freiheitlicher. Er gehört zum engsten Führungszirkel von Parteichef Strache, hat das aktuelle Parteiprogramm geschrieben, umgibt sich mit schlagenden Burschenschaftern, ist selbst Mitglied der umstrittenen Marko-Germania Pinkafeld, vertritt in der Flüchtlingspolitik einen äußerst restriktiven Kurs und ist großer EU-Skeptiker.

Zur Person:

Norbert Hofer, geboren am 2. März 1971, in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern, gelernter Flugzeugtechniker, 1995 Stadtparteiobmann von Eisenstadt, 1996 Landesparteisekretär im Burgenland, 1997 Gemeinderat in Eisenstadt, 2005 stv. Bundesparteiobmann, seit 2006 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher, seit Oktober 2013 Dritter Nationalratspräsident.

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.09.2018 um 04:54 auf https://www.sn.at/panorama/international/norbert-hofer-optimistisch-in-die-wahl-wiederholung-869521

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