Kopf des Tages

Oleg Senzow - Regisseur, Aktivist und politischer Häftling

Mehr als vier Jahre sitzt der ukrainische Regisseur Oleg Senzow schon in russischen Gefängnissen. Sein Leben wurde wie das so vieler Ukrainer auf den Kopf gestellt, als in Kiew Zehntausende Menschen gegen die russlandfreundliche Regierung auf die Straße gingen und sich Russland wenig später 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibte. Senzow gehörte zu den Protestierern dagegen.

Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow. SN/APA (AFP)/SERGEI VENYAVSKY
Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow.

Im Winter 2013/2014 schließt sich der Filmemacher den prowestlichen Protesten in der ukrainischen Hauptstadt an, die im Februar zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch und dessen Flucht nach Russland führen. Anschließend unterstützt er die auf der Krim durch russische Truppen blockierten ukrainischen Soldaten mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern. Im Mai 2014 gerät er ins Visier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Danach wird er verhaftet.

Der Vorwurf: Er habe mit Gleichgesinnten Sprengstoffanschläge auf Denkmäler geplant und Brände in Büros russischer Organisationen gelegt. Als Beleg dienen vor allem Aussagen von Mitangeklagten. Im Prozess werden sie zum Teil widerrufen. Sie seien unter Zwang erlangt worden. Trotzdem verurteilt ein russisches Gericht den heute 42-Jährigen zu 20 Jahren Lagerhaft.

Senzow wurde 1976 in Simferopol auf der Halbinsel Krim geboren, studierte in den 1990er-Jahren Wirtschaft in Kiew und belegte später Regiekurse in Moskau. In Simferopol betrieb er einen Computerclub, der auch zum Gegenstand seines ersten und einzigen Filmes "Gamer" 2011 wurde. Sein zweites Filmprojekt trägt den Titel "Nashorn".

Die Verurteilung führte auch zu Konflikten in der Familie Senzows. 2016 lässt sich seine Frau Alla scheiden, zieht nach Kiew und bricht jeden Kontakt zur Familie ab. Die beiden gemeinsamen Kinder Alina und der an Autismus leidende Wladislaw leben russischen Medienberichten zufolge inzwischen bei Senzows Schwester Galina auf der Krim. Zuvor kümmerte sich lange Zeit die inzwischen 75-jährige Großmutter um sie.

Pikant: Galinas Mann, der ursprünglich vom ukrainischen Geheimdienst SBU angeheuert wurde, arbeitet mittlerweile für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB und sagte gegen den "ehemaligen Bruder" seiner Frau vor Gericht aus. Senzows Neffe ist mittlerweile auch für den FSB tätig.

Quelle: Apa/Dpa

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