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Panikkäufe nach Ausgangsverboten in der Türkei

Die extrem kurzfristige Ankündigung einer Ausgangssperre für 31 Städte in der Türkei hat heftigen Unmut und Panikkäufe der Bevölkerung ausgelöst. Das Innenministerium kündigte am Freitagabend an, dass die Bewohner der Städte, darunter die Hauptstadt Ankara und Metropole Istanbul, die Wohnungen für 48 Stunden nicht verlassen dürften. Die Regelung trat am Freitag um Mitternacht in Kraft.

Istanbul: Lange Schlangen vor Geschäften vor Beginn der Ausgangssperre SN/AFP/YASIN AKGUL
Istanbul: Lange Schlangen vor Geschäften vor Beginn der Ausgangssperre

Unmittelbar nach der Ankündigung strömten in Ankara und Istanbul tausende Menschen auf die Straßen, um letzte Besorgungen zu erledigen. Vor Lebensmittelläden, Banken und Spirituosengeschäften bildeten sich lange Schlangen. Sie habe eine solche Maßnahme erwartet, sagte die Istanbulerin Simona Hayrabet. "Aber es kam so plötzlich."

Auch Marina Gravina Zagaia kritisierte die kurzfristige Ankündigung deutlich. "Wäre es am Morgen gewesen, hätten wir zum Markt gehen können, um Essen und Getränke zu kaufen", sagte sie. "Nun stecken hier alle im Chaos." Mit einer Einkaufliste in der Hand bezeichnete Salih Topcu das Ganze als "Schwachsinn".

Innenminister Süleyman Soylu sagte, es bestehe kein Grund zur Panik. Nach Angaben seines Ministeriums sollen Bäckereien, Apotheken, Tankstellen und Postfilialen geöffnet bleiben. Auch für Journalisten gelten demnach Ausnahmen von der Ausgangssperre. "Die Leute sind in Panik und ich finde das normal, aber diese Panik ist nicht nötig", hob Soylu hervor.

Der Istanbuler Bürgermeister von der größten Oppositionspartei CHP, Ekrem Imamoglu, kritisierte die kurzfristig verhängte Ausgangssperre ebenfalls offen. Er hatte sich zuvor zwar für einen solchen Schritt stark gemacht, verwies nun aber darauf, dass er nicht über die Maßnahme informiert worden sei.

Die Türkei hatte zuletzt die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verstärkt und Ausgangssperren für unter 20-Jährige und Menschen über 65 Jahre angeordnet sowie mehrere Orte unter Quarantäne gestellt. Später wurden die Beschränkungen für Arbeitnehmer unter 20 Jahren wieder gelockert. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus hatten die Behörden außerdem die Schulen geschlossen, internationale Flüge ausgesetzt und gemeinschaftliche Gebete sowie Versammlungen verboten.

In der Türkei wurden nach offiziellen Angaben bisher mehr als 47.000 Infektionsfälle registriert, die meisten davon in der 15-Millionen-Einwohner-Metropole Istanbul. 1.006 Menschen starben den Behörden zufolge landesweit. Allerdings breitet sich das Virus rasant aus: Zuletzt wurden am Freitag binnen 24 Stunden mehr als 4.700 Neuinfektionen sowie 98 Todesfälle gemeldet. Die Türkei ist eines der Länder mit der größten Zunahme an Neuinfektionen weltweit.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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