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Peter Simonischek: Publikumsliebling am Weg ins achte Lebensjahrzehnt

Als "Toni Erdmann" begeistert Peter Simonischek derzeit die Kinogänger, und ab Anfang August vermutlich die Theaterliebhaber als Prospero bei den Salzburger Festspielen. Und dann hat der gebürtige Grazer, der in Markt Hartmannsdorf aufwuchs, demnächst noch einen privaten Termin zu bestreiten, wird der Publikumsliebling doch am 6. August 70 Jahre alt.

Peter Simonischek: Publikumsliebling am Weg ins achte Lebensjahrzehnt SN/Marco Riebler
Peter Simonischek steht heuer bei den Salzburger Festspielen wieder auf der Bühne.

Seine große Popularität beim Publikum verdankt Simonischek dabei nicht zuletzt seiner frappanten Fähigkeit, in verschiedenste Charakterfächer zu schlüpfen und diese sich ganz zu eigen zu machen. So ist etwa seine Interpretation eines Pariser Lebemannes an der Seite von Udo Samel in Klaus Michael Grübers Wiederentdeckung des Labiche-Stücks "Die Affäre Rue de Lourcine" an der Berliner Schaubühne legendär. Zugleich bleibt er vielen als Herr des Salzburger Domplatzes in Erinnerung, wo Simonischek 2002 bis 2009 eine Rekordzahl prägnanter Auftritte als "Jedermann" absolvierte.

Geboren wurde Peter Simonischek am 6. August 1946 in Graz, bevor er im Konvikt St. Paul im Lavanttal in die Schule ging und danach die Akademie für Musik und darstellende Künste in Graz besuchte. Nach Auftritten am Grazer Schauspielhaus ging er über St. Gallen, Bern, Darmstadt und Düsseldorf nach Berlin, wo er ab 1979 für 20 Jahre lang dem Ensemble der Schaubühne angehörte. Dort wurde er zum Star, arbeitete mit Peter Stein, Luc Bondy und Andrea Breth und war in dieser Zeit auch bei den Salzburger Festspielen zu erleben, so etwa in Handkes "Prometheus, gefesselt" und in Tschechows "Kirschgarten".

Seine Burgtheater-Antrittsrolle als John Gabriel Borkman war mit Beginn der Direktion Klaus Bachler im Herbst 1999 gleichzeitig auch eine Rückkehr in die Heimat. Am Burgtheater hat er seither viel gespielt, Nestroy und Tschechow, Thomas Bernhard und Edward Albee, den selbstverliebten Frauenhelden Gustav Heink in Hermann Bahrs "Das Konzert" und den selbstgefälligen Fabrikanten Hofreiter in Schnitzlers "Das weite Land".

Simonischek, der seit 1989 mit seiner Kollegin Brigitte Karner verheiratet ist, kann das gestandene Mannsbild ebenso wie den groß gewordenen Buben, dem noch immer der Schalk im Nacken sitzt. Für die TV-Verfilmungen der Daniel-Käfer-Romane Alfred Komareks bediente er sich bei dieser sympathischen Jungenhaftigkeit, in der Verfilmung des Robert-Schindel-Romans "Gebürtig" machte er aus dem nach New York ausgewanderten ehemaligen KZ-Häftling Hermann Gebirtig eine eindrucksvolle Zentralfigur.

Eine große Altersrolle als mürrischer Patriarch wurde seine Verpflichtung für Götz Spielmanns "Oktober November" vor zwei Jahren. Den bisherigen Höhepunkt seiner Kinokarriere brachte jedoch Maren Ades gefeierte Dramödie "Toni Erdmann" mit Simonischek in der Rolle des alternden Vaters, der in schräger Aufmachung um die Liebe seiner Tochter kämpft. Der Film blieb zwar überraschend in Cannes ohne Preise, entwickelte sich aber auch so zum Publikumsliebling.

Und als Peter Simonischek kurzfristig von Regisseurin Deborah Warner gefragt wurde, anstelle von Hans-Michael Rehberg die Rolle des alten Zauberers Prospero in Shakespeares "Der Sturm" bei den Salzburger Festspielen zu übernehmen (Premiere am 2. August), brauchte er bloß den Titel seines 2007 erschienenen und erstaunlich freimütigen Erinnerungsbuches zu zitieren: "Ich stehe zur Verfügung."

Quelle: APA

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