Kopf des Tages

Philipp Hochmair - ein viel bejubelter Ersatz-Jedermann

Der 44-jährige Schauspieler Philipp Hochmair erlebte am Donnerstag Abend bei den Salzburger Festspielen einen unverhofften Karrierehöhepunkt, als er für den erkrankten Tobias Moretti als "Jedermann" einsprang. Von Ersatz konnte aber nicht die Rede sein, Hochmair machte die Figur zum Lebemann par excellence. Auch am Samstag wird er wieder auf dem Domplatz zu sehen sein, "bis auf weiteres", wie die Festspiele nun mitteilten.

Der 44-Jährige, der von sich sagt, "mein Hauptwohnsitz ist in meinem Herzen und in der Kunst", war erst am Mittwoch gefragt worden, ob er für den erkrankten "Jedermann" Tobias Moretti einspringen könne.

Die Wahl war nicht ganz unbegründet, Hochmair ist mit dem Jedermann durchaus vertraut. Mit seiner Rockversion des Hofmannsthal-Stoffes "Jedermann Reloaded", die 2013 für das Young Directors Project in Salzburg entstand, tourt er durch die Lande, in fast allen Rollen und in einer freieren Textversion. Die Anlagen sind also da und Hochmair spontan genug, um das Kunststück zu wagen.

Bekannt aus den Vorstadtweibern

Dem Fernsehpublikum ist Philipp Hochmair vor allem aus der Erfolgsserie "Vorstadtweiber", wo er den schwulen Politiker Joachim Schnitzler verkörpert, ein Begriff. Der TV-Hit erzielte 2015 die höchste Reichweite einer Serie seit 2004.

Wer Hochmair nur auf diese Rolle reduziert, irrt. Er war Schüler von Klaus Maria Brandauer am Max-Reinhardt-Seminar, hat eine Band mit dem klingenden Namen "Elektrohand Gottes", war von 2003 bis 2009 Ensemblemitglied des Burgtheaters, gefolgt von einer Ensembletätigkeit beim Hamburger Thalia Theater. Nun arbeitet er freischaffend. "Insofern haben die ,Vorstadtweiber' mein Leben sehr verändert. Die Ensembletätigkeit ist nicht mehr machbar. Ich war 13 Jahre im Staatsdienst, nun will ich flexibel arbeiten." Das Theater aufzugeben stehe aber nicht zur Diskussion: Goethes Werther, Mephisto oder in Salzburg den Jedermann und die Räuber hat er gespielt.

"Salzburg eine ganz wichtige Stadt"

Schon in einem SN-Interview vor zwei Jahren betonte Hochmairs die Bedeutung Salzburgs für sein Leben. Der Untersberg, die Natur, die Fahrradfahrten entlang der Salzach, schwärmt er: "Salzburg ist für mich eine ganz wichtige Stadt. Ich habe am Off-Theater begonnen, dort hat mich auch Regisseur und Theaterintendant Peter Zadek entdeckt. Ich habe eine tiefe Verbindung zu der Stadt", erzählt Hochmair, den es immer wieder dorthin zieht, um sich zu erholen.

Sein momentanes Leben bezeichnete er dabei als Luxus, mit einem hohen Preis dafür. "Es kostet enorm viel Energie und ist extrem stressig, aber ich liebe es", sagt jener Mann, der zwischen Berlin, Hamburg, Paris und Wien pendelt.

Gibt es so etwas wie Routine in seinem Leben? "Die Routine besteht im Gestalten der Abreisen. Das ist wie bei einem Marinesoldaten, der in zehn Minuten seine sieben Sachen zusammensucht und auf den Flugzeugträger geht", sagt er.

Für eine Frau bleibt da wenig Platz. "Ich bin mit meinem Beruf verheiratet, meine Rollen sind wie meine Kinder. Aber wenn ich eine Mutter finde, die mit mir die Kinder pflegt, bin ich sehr dankbar", sagt jener Mann, der sich als Oberösterreicher bezeichnet, obwohl er in Wien geboren wurde. "Mein Vater kam aus Oberösterreich, dem Hausruckviertel, ich sehe meine Wurzeln dort, da ich zum Land mehr Beziehung habe als zur Stadt."

Image als "Rockstar"

Wie die ernste Welt des Theaters und jene einer Serie voller Sex und Intrigen zusammenpassen? "Die ,Vorstadtweiber' ermöglichen es mir, dass mich ein breiteres Publikum kennenlernt", sagt Hochmair. Medial wurde so schnell das Image eines "Rockstars" geboren - einer, der selbst Junge für die Theaterbühne begeistern kann. Im SN-Gespräch ist es seine nachdenkliche Seite, die zum Vorschein kommt. Es gebe bei ihm nur zwei Zustände: Entweder er spiele oder er spiele nicht. "Auf der einen Seite hatte ich bei der Berlinale einen großen Film (,Kater', Anm.), auf der anderen trete ich solo auf. Das sind ganz unterschiedliche Kräfte, die wirken. Das ist ein neues Lebensgefühl."

Bis zu zwölf Rollen gleichzeitig im Kopf

Die Energie, die der 44-Jährige aufwendet, bis ein Text zu dem seinen wird, ist enorm. Der Grund ist eine von Kindheit an vorhandene Lese- und Rechtschreibschwäche. Was ihn nie davon abhielt, bis zu zwölf Theaterrollen gleichzeitig im Kopf zu haben. "Man lernt die Rollen nicht an einem Tag. Den Werther spiele ich mittlerweile seit 19 Jahren. Aber die vergangenen Jahre habe ich bewusst nur eine Rolle pro Jahr angenommen, um das auch ordentlich machen zu können."

Ob er in diesem Sommer noch einmal als "Jedermann" auf der Bühne stehen wird, ist noch unklar. Das Stück in der Inszenierung von Michael Sturminger steht insgesamt noch sieben Mal auf dem Programm.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.12.2018 um 12:02 auf https://www.sn.at/panorama/international/philipp-hochmair-ein-viel-bejubelter-ersatz-jedermann-38623306

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