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Polizei reagierte auf Notruf falsch: Rumänien steht unter Schock

Eine 15-Jährige wurde getötet, weil die Polizei nicht auf den Notruf reagierte. Der Polizeipräsident und weitere Funktionäre wurden nach einer beispiellosen Mordserie entlassen.

Für das Mädchen wurden Kerzen angezündet.  SN/AP
Für das Mädchen wurden Kerzen angezündet.

In Rumänien hat der neue Innenminister Nicolae Moga Polizeipräsident Ioan Buda, den Präfekten sowie den Polizeichef des Landeskreises Olt entlassen, nachdem ein Polizeieinsatz zur Rettung eines entführten Mädchens völlig daneben gegangen ist. Das 15-jährige Opfer wurde von seinem mutmaßlichen Peiniger vergewaltigt, anschließend getötet und zerstückelt.

Die Polizei war indes tatenlos vor dem Anwesen des mutmaßlichen Serienmörders postiert und wartete auf einen Durchsuchungsbefehl.

Es kam rund um die Vorgänge auch zu Protest-Demos

Staatspräsident Klaus Johannis (Iohannis) stellte klar, dass Rücktritte und Entlassungen zwar "zwingend, jedoch keineswegs ausreichend" seien und kündigte an, den Fall vor den obersten Verteidigungsrat des Landes zu bringen. Johannis zeigte sich zutiefst schockiert vom gewaltsamen Tod der 15-Jährigen, die am Mittwoch in der südrumänischen Kleinstadt Caracal offenbar von einem Serienmörder entführt wurde, der als Gelegenheits-Taxifahrer unterwegs war.

Die Schülerin konnte tags darauf mit einem Handy, das sie ihrem Peiniger entwendete, drei Mal den Notruf wählen und die Polizei um Hilfe bitten: Sie sei entführt worden, in einer Baracke auf einem herabgekommenen Anwesen gebracht, mit Draht gefesselt und vergewaltigt worden. Die Ortung der Anrufe verlief zunächst schleppend. Nachdem der Standort schließlich ausfindig gemacht worden war, warteten die lokalen Polizisten in der Nacht auf Freitag geschlagene drei Stunden vor dem Haus des mutmaßlichen Täters auf einen Durchsuchungsbefehl, bevor sie das Anwesen stürmten. Währenddessen wurde das Mädchen getötet und seine Leiche zerteilt. Leichenteile wurden in einem Fass mit Batteriesäure aufgelöst. Kriminalbeamte fanden Stunden später den Schmuck der 15-Jährigen sowie Knochenüberreste am Boden des Fasses.

Rumänien steht unter Schock

Im Kühlschrank des dringend tatverdächtigen ehemaligen Automechanikers (66) entdeckten die Ermittler zudem mehrere Säcke mit eingefrorenem Fleisch "nichttierischen Ursprungs". Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte es sich dabei um die sterblichen Überreste einer seit April verschollenen 18-Jährigen handeln. Wie die rumänische Presse am Samstag berichtete, scheinen die Ermittler inzwischen von mindestens drei Opfern auszugehen. Derzeit wird das gesamte, 2.000 Quadratmeter große Grundstück des mutmaßlichen Täters Gheorghe D. umgegraben. Letzterer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und ist laut Ermittlern "völlig unkooperativ". Die Ermittlungen werden von der für die Organisierte Kriminalität zuständigen Staatsanwaltschaft DIICOT durchgeführt, weil auch dem Verdacht des Menschenhandels nachgegangen wird.

Ganz Rumänien steht seit Freitagabend unter Schock, in Bukarest und Caracal kam es bereits zu Straßenprotesten. Die Bukarester Zivilgesellschaft rief für Samstagabend zu einer Demonstration auf - "Für Alexandra, gegen einen gleichgültigen Staat". Der rumänische Meinungsbildner Cristian Tudor Popescu brachte die Stimmung im Land wie folgt auf den Punkt: "Ein Kind hat den rumänischen Staat dreimal um Hilfe angefleht. Vergeblich." In der jüngeren Vergangenheit hatten Massendemonstrationen gegen die von den Sozialdemokraten geführte Regierung und für eine härtere Korruptionsbekämpfung statt einer von der Regierung angestrebten Aufweichung Rumänien erschüttert.

Quelle: APA

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