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Quarantäne-Ende international: Zeitfenster für Spaziergänge, Einbahn am Bahnhof

Aufbruch in "Phase 2": Ab Montag unternehmen die Italiener wichtige Schritte zurück in die Normalität. In Spanien wurde das Ende der Ausgangsbeschränkungen ausgelassen gefeiert. Auch Japan bereitet die Rückkehr zur Normalität vor.

 Neben örtlichen Beschränkungen und strengen Regeln gibt es in Spanein zum Genuss der "neuen Freiheit" auch Zeitfenster.  SN/AP
Neben örtlichen Beschränkungen und strengen Regeln gibt es in Spanein zum Genuss der "neuen Freiheit" auch Zeitfenster.

Nach knapp zwei Monaten kompletten Stillstands wegen des Coronavirus kommt es in Italien am Montag zum Aufbruch in "Phase 2". Damit soll ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität gemacht werden. Zwar hat die Regierung die Vorsichtsmaßnahmen geringer gelockert als sich die Italiener nach siebenwöchiger Quarantäne erhofft hatten, im Land kommt es jedoch zu ein wenig mehr Bewegungsfreiheit. Nachdem die Epidemiekurve seit Wochen rückgängig ist, dürfen Italiener ab Montag wieder in den Parks spazieren gehen. Erlaubt ist nur Einzelsport, etwa Joggen. Besuche bei Verwandten in der Nähe sind wieder gestattet, große Familientreffen und private Feiern hingegen verboten. In der Öffentlichkeit gelten weiterhin die Distanzregeln. Die Italiener dürfen sich in ihrer Wohngemeinde frei bewegen, nicht aber die Region verlassen, in der sie leben. "Strategisch wichtige" Unternehmen, vor allem in der Industrie und Bauwirtschaft, können schon ab Montag wieder die Arbeit aufnehmen. Restaurants dürfen Außer-Haus-Service anbieten. In Rom werden wieder TV-Serien und Filme gedreht. Geschätzt wird, dass 4,5 Millionen Italiener am Montag ihre Arbeit aufnehmen. Für weitere Öffnungen wie den Neustart von Museen, Ausstellungen und Bibliotheken muss Italien auf den 18. Mai warten. Friseure, Schönheitssalon, Gastronomie und der Kleinhandel müssen sich bis zum 1. Juni gedulden.

Die Rückkehr vieler Menschen in die Betriebe macht grundlegende Veränderungen im öffentlichen Verkehr nötig. Ein- und Ausgänge auf Bahnhöfen und Flughäfen müssen anders gesteuert werden - etwa durch "Einbahnstraßen". Büros sollten ihre Öffnungszeiten erweitern, um Stoßzeiten zu vermeiden. Der verstärkte Einsatz von Fieber-Scannern auf Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen ist im Gespräch. Beim Fliegen soll es Maskenpflicht geben.
Italien registrierte seit Februar fast 29.000 Coronavirus-Tote. Insgesamt zählte der Zivilschutz 200.000 Menschen, die sich offiziell mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert hatten. Nach Wochen des steilen Anstiegs der Zahlen gab es jetzt über eine längere Phase hinweg viele positive Signale.

Spanier feiern Lockerung von "Hausarrest" nach 48 Tagen

Die erste Lockerung der Ausgangssperre für Freizeitaktivitäten nach 48 Tagen hat indes überall im Corona-Hotspot Spanien für Partystimmung und volle Straßen gesorgt. Noch bis kurz vor Mitternacht strömten die Menschen am Samstag zahlreich und ausgelassen ins Freie. Erstmals seit Mitte März durften die knapp 47 Millionen Bürger aus dem Haus, um spazieren zu gehen oder Sport zu treiben.
Viele Bürger waren sehr früh aufgestanden. Denn neben örtlichen Beschränkungen und strengen Regeln gibt es zum Genuss der "neuen Freiheit" auch Zeitfenster. Die meisten Erwachsenen und Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren dürfen nur zwischen 06.00 und 10.00 sowie zwischen 20.00 und 23.00 Uhr aus dem Haus. Bürger, die älter als 70 sind, dürfen zwischen 10.00 und 12.00 sowie zwischen 19.00 und 20.00 Uhr raus. Kinder unter 14 dürfen zwischen 12.00 und 19.00 Uhr mit einem Elternteil vor die Tür. Beim Spazierengehen darf man sich nur bis zu einem Kilometer vom eigenen Wohnsitz entfernen. Beim Sport soll man die Wohngemeinde nicht verlassen. Sport muss man unbegleitet treiben, spazieren gehen darf man zwar auch zu zweit, aber nur mit einem Mitbewohner.


Die Lockerung ist Teil des Vier-Phasen-Plans, mit dem Spanien bis Ende Juni eine "neue Normalität" erreichen möchte. Jede Stufe soll zwei Wochen dauern. Nach und nach sollen immer mehr Geschäfte, Lokale und Kirchen sowie später Fitnessstudios, Kinos, Theater und Hotels geöffnet werden. Reisen zwischen den Regionen werden frühestens Ende Juni wieder erlaubt sein. Mit ausländischen Touristen wird frühestens im Herbst gerechnet.
Der "Hausarrest" trage Früchte, betonte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Samstag. Die Zahl der neuen Toten lag mit 276 erstmals seit Mitte März am dritten Tag in Folge unter 300. Insgesamt starben bisher 25.100 Infizierte. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionsfälle kletterte um knapp 1150 oder nur noch gut 0,5 Prozent auf etwas über 216 000.

Auch Japan bereitet Rückkehr zur Normalität vor

Auch Japans Regierung bereitet in der Coronakrise trotz andauernden Notstands erste Schritte zur Rückkehr in die Normalität vor. Sofern ausreichende Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Erregers ergriffen seien, werde man Parks, Museen, Büchereien und einigen anderen öffentlichen Einrichtungen erlauben, wieder zu öffnen, sagte Japans Minister für wirtschaftliche Wiederbelebung, Yasutoshi Nishimura, am Sonntag.
Am Montag wird seine Regierung über eine Verlängerung des zunächst bis zum 6. Mai verhängten Notstands entscheiden, voraussichtlich um einen Monat. Ein Beratergremium hatte empfohlen, die Bevölkerung vorerst weiter aufzufordern, möglichst zu Hause zu bleiben, da die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Virus seit Ausrufung des Notstands nicht deutlich gesunken ist.
Der Notstand in Japan bedeutet keine harte Abschottung wie in Europa: Die Bürger sind lediglich dazu aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben und Abstand zu halten. Viele Geschäfte, Restaurants und Kaufhäuser sind aber geschlossen.

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Quelle: SN

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