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Reizfigur Donald Rumsfeld wird 80

Zum Jahrestag der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden meldete sich Donald Rumsfeld im Mai wieder einmal zu Wort, seinen Beitrag formulierte der frühere US-Verteidigungsminister gewohnt provokant. Ob Präsident Barack Obama mit seiner Entscheidung für den Kommandoeinsatz im pakistanischen Abbottabad mutig gehandelt habe, wollte ein TV-Moderator von ihm wissen. Ach was, entgegnete Rumsfeld.

Reizfigur Donald Rumsfeld wird 80 SN/EPA
Der frühere US-Verteidigungsminister feiert am Montag seinen 80. Geburtstag.

"Mir scheint, das ist eine Entscheidung von 15 Minuten, und die ersten 14 davon sind zum Kaffeetrinken. Für mich ist das keine komplizierte Antwort." Rumsfeld, der am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, hat auch im hohen Alter die Lust an der handfesten politischen Auseinandersetzung nicht verloren. Der rauflustige Republikaner blickt auf eine lange Karriere als Macher in Politik und Privatwirtschaft zurück, in Erinnerung bleibt aber vor allem seine Zeit in der Regierung von Ex-Präsident George W. Bush: Rumsfeld ist der Verteidigungsminister, der die USA in den umstrittenen Irak-Krieg führte.

In Europa klingt noch immer Rumsfelds abfällige Bemerkung über das "Alte Europa" nach, mit dem der damalige Pentagon-Chef Anfang 2003 die Regierungen in Paris und Berlin schmähte, die den USA nicht an die Front folgen wollten. Der Ex-Verteidigungsminister gehörte zu den treibenden Kräften der Invasion im Zweistromland, die Washington vor allem mit der Existenz von Massenvernichtungswaffen rechtfertigte, die aber nie gefunden wurden.

George W. Bush war bereits der dritte US-Präsident, dem Rumsfeld auf hohem Posten diente. Unter Richard Nixon war er in den 1970er Jahren unter anderem Wirtschaftsberater sowie NATO-Botschafter in Brüssel, unter Gerald Ford wurde er der jüngste Verteidigungsminister der US-Geschichte. Später wechselte Rumsfeld in die Privatwirtschaft, wo er sich bei den Pharmaunternehmen G.D. Searle und Gilead Sciences sowie dem Breitband-Anbieter General Instrument den Ruf eines erfolgreichen Sanierers erwarb - und ein Millionenvermögen anhäufte. Im Krieg war Rumsfeld trotz seiner drei Jahre als Pilot bei der Marine nie.

Für eine Militäraktion gegen den Irak hatte sich Rumsfeld, der von deutschen Auswanderern aus der Nähe von Bremen abstammt, schon kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001 stark gemacht. Den obersten Feind in Bagdad kannte Rumsfeld übrigens persönlich, seit er 1983 als US-Sonderbeauftragter in den Irak gereist war: Damals vereinbarte er mit Saddam Hussein, dessen Ambitionen auf Atomwaffen und repressiver Regierungsstil bereits wohlbekannt waren, allerdings noch eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen.

Als der Irak nach dem schnellen Sturz Saddam Husseins im Chaos versank und die US-Armee in einem zermürbenden Einsatz gebunden blieb, begann Rumsfelds Stern zu sinken. Die täglichen Schreckensbilder aus dem Zweistromland nährten den Verdacht, dass der Einsatz schlampig geplant und inkompetent ausgeführt wurde. Skandale wie die Gefangenenmisshandlung im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib beschleunigten Rumsfelds Ansehensverlust.

Nach dem desaströsen Abschneiden der Republikaner bei den Kongresswahlen im November 2006 sah sich Bush gezwungen, seinen Verteidigungsminister vom Hof zu jagen. Bereits zwei Tage vor der absehbaren Niederlage hatte der Präsident insgeheim Robert Gates als designierten Nachfolger an Bord geholt, das entscheidende Gespräch mit Rumsfeld führte Bush erst am Wahltag selbst. Rumsfeld wurde zum Rücktritt und in die Rolle des Sündenbocks gedrängt.

Der Gedemütigte rächte sich in seinen Anfang 2011 veröffentlichten Memoiren, in denen er die Bush-Regierung als Hort von Inkompetenz und Intrigantentum schilderte. Am Abgleiten des besetzten Irak in Terror und Bürgerkrieg trügen andere Schuld: überforderte Amtsinhaber wie Bushs erster Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice etwa oder die Geheimdienste, welche den Aufstand gegen die US-Besatzer nicht hätten kommen sehen.

Quelle: Sn, Apa/afp

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