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Rene Jacobs: Neues Lebensjahrzehnt für Alte-Musik-Experten

Rene Jacobs hat das geschafft, was nur den wenigsten Akteure des internationalen Musikgeschäfts gelingt: Er hat sowohl als Sänger, Wissenschafter wie auch Dirigent Maßstäbe gesetzt. Am Sonntag (30. Oktober) feiert der im belgischen Gent geborene Musiker, der heute zu den Aushängeschildern der Alten Musik mit engen Verbindungen nach Österreich gehört, seinen 70. Geburtstag.

Rene Jacobs: Neues Lebensjahrzehnt für Alte-Musik-Experten SN/ism/wolfgang lienbacher
Rene Jacobs.

Nach einigen Jahren als Leiter der Innsbrucker Festwochen hat der Dirigent mit dem verschmitzten Lächeln im Theater an der Wien ein Stammhaus gefunden. Seine musikalische Karriere begann allerdings nach der Geburt 1946 im flämischen Gent als Chorknabe - was er durch seine Gesangsausbildung vorantrieb. Zeitgleich widmete er sich allerdings dem Studium der Philologie und wurde zunächst Lehrer für Latein und Griechisch.

Nicht zuletzt der Unterricht beim legendären Countertenor Alfred Deller trug jedoch dazu bei, dass sich der Counter Jacobs bald ganz der Musik widmete. 1977 gründete er das Ensemble Concerto Vocale Gent. So erregte er ab den 1970ern erstes internationales Aufsehen mit seinen Einspielungen und Interpretationen des Barocks, die ihn ab 1976 auch als Sänger, Dozent, Musikforscher und bald auch als Dirigent zur bestimmenden Gestalt der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik machte. So startete er 1982 mit Cestis "Orontea" hier seine Karriere als Operndirigent. 1997 bis 2009 war er künstlerischer Leiter der Festwochen und hob mit wissenschaftlichem Eifer teils vergessene Werke wieder auf die Bühne.

Seinen Rückzug aus Innsbruck begründete er damals neben den vielen internationalen Verpflichtungen im APA-Interview auch damit, dass Tirol enger geworden sei, "geistig, politisch, ideologisch, irgendwie provinzieller. Die Atmosphäre hat sich zuletzt verändert." Die Arbeit ging dem vielseitigen Musikarbeiter jedoch nicht aus, war er doch als Gastdirigent an der Berliner Staatsoper ebenso wie dem La Monnaie in Brüssel, dem Theatre des Champs-Elysees in Paris ebenso wie beim Festival in Aix-en-Provence gern gesehen.

Und nicht zuletzt hat Jacobs im Theater an der Wien unter Roland Geyer so etwas wie sein neues Stammhaus gefunden, in dem er Ensembles wie das Freiburger Barockorchester oder zuletzt im "Falstaff" die Akademie für Alte Musik Berlin im Orchestergraben zu Höhenflügen treibt - und sich dabei nicht nur auf den Barock beschränkt. Nicht zuletzt gelten die Mozart-Einspielungen unter seinen über 250 Plattenaufnahmen als wegweisend.

Quelle: APA

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