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Renzi: "Mehr Schulden für Wiederaufbau" nach Erdbeben

Nach den schweren Erdbeben der vergangenen Tage in Mittelitalien hat sich der italienische Premier Matteo Renzi bereit erklärt, für den Wiederaufbau die von der EU vorgesehene Defizitschwelle zu sprengen. "Wenn notwendig, werden wir mehr Ressourcen auf den Tisch legen und in Brüssel mehr Defizitflexibilität beanspruchen", sagte Renzi.

Zu diesem Schritt werde sich seine Regierung entschließen, sollten mehr Gelder für den Wiederaufbau als geplant notwendig werden. "Vorerst besteht kein Bedarf dazu", meinte Renzi. Er bekräftigte seinen festen Willen, die zerstörten Gemeinden in den Regionen Umbrien und Marken komplett wieder aufzubauen. Es sei ein "halbes Wunder", dass es bei einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6,5 wie jenes am Sonntag zu keinen Todesopfern wie beim Erdstoß im August gekommen sei, sagte Renzi in einem Radiointerview am Mittwoch.

Inzwischen bebt die Erde weiter. Seit dem Erdstoß am 24. August, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen, seien 21.600 Nachbeben registriert worden, berichtete das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV). Die Statik von 200.000 Gebäuden wird geprüft. 80.000 Anträge auf Kontrollen wurden bei der Feuerwehr eingereicht, das sind vier Mal mehr als nach dem Erdbeben von L'Aquila mit 306 Toten im April 2009.

Der Zivilschutz überprüft den Zustand der Schulen. Das wird noch zwei Wochen in Anspruch nehmen. Bis alle Schulgebäude wieder benutzbar sind, könnten noch mehrere Wochen vergehen, sagte der Kommissar für den Wiederaufbau, Vasco Errani.

Die Beben haben auch landwirtschaftliche Betriebe im Raum Norcia in Mitleidenschaft gezogen. Das Gebiet ist unter anderem für den Schinken von Norcia und für seine Gastronomie bekannt. "Wenn wir nicht sofort wieder die Arbeit aufnehmen, ziehen die Menschen weg und diese Region wird keine Zukunft mehr haben", erklärte ein Sprecher der Landwirte. 10.000 Arbeitsplätze sind nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Coldiretti gefährdet.

Renzi hat inzwischen den Präsidenten der Anti-Mafia-Behörde, Raffaele Cantone, mit Kontrollen für einen transparenten Wiederaufbau beauftragt. Ihm wird der ehemalige Mailänder Präfekt Francesco Paolo Tronca zur Seite stehen, der die Stadt Rom vor den Kommunalwahlen im Juni kommissarisch verwaltet hatte.

Laut Erdbebenwarte hat sich die Erde bei dem Beben am Sonntag, das stärkste seit 36 Jahren, auf einer Fläche von 130 Quadratkilometern deformiert, die größte Verschiebung wurde mit 70 Zentimetern in der Gegend um das umbrische Dorf Castelluccio nahe Norcia festgestellt. Fast 197 Gemeinden hätten Schäden erlitten, das sind drei Mal so viele wie beim Erdbeben am 24. August mit dem Epizentrum Amatrice, bei dem 298 Menschen ums Leben gekommen waren.

Quelle: APA

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