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Richard Grenell - Trumps umstrittene neue Stimme in Berlin

Er ist kaum einen Monat im Amt und sorgt bereits das zweite Mal für diplomatische Verstimmung: Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat mit einem Interview im ultrarechten Internetportal "Breitbart" die deutsche Bundesregierung irritiert.

Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell. SN/APA/AFP/ODD ANDERSEN
Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell.

Der scharfzüngige Verteidiger von US-Präsident Donald Trump hatte darin gesagt, er wolle "andere Konservative in Europa, andere Anführer unbedingt stärken". Das Auswärtige Amt in Berlin bat am Montag "um Aufklärung, ob die Äußerungen tatsächlich in der Form so gefallen sind". Lob äußerte Grenell hingegen für Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), den er als "Rockstar" bezeichnete, von dem er ein "großer Fan" sei. Kurz habe eine Koalition mit der populistischen FPÖ gebildet und sei einer der stärksten Verfechter der Sicherung der Außengrenzen der Europäischen Union.

Erst am 8. Mai hatte der ehemalige PR-Berater Grenell offiziell sein neues Amt in Berlin angetreten, nachdem der wichtige Posten zuvor mehr als 15 Monate verwaist war. Am selben Tag sorgte Grenell für einen ersten Eklat. Im Zusammenhang mit Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran forderte der Botschafter in einer Twitter-Botschaft deutsche Firmen auf, ihr Iran-Geschäft "sofort" herunterzufahren.

Damals hatte der 51-Jährige sich mit den Worten gerechtfertigt, Diplomat zu sein bedeute für ihn "Klartext zu sprechen".

Grenell hatte sich schon im Wahlkampf in den USA mächtig für Trump ins Zeug gelegt, als eifriger TV-Kommentator und Twitterer nahm er dann den Präsidenten in der Russland-Affäre in Schutz. Ein Klischee-Konservativer aber ist Grenell nicht: Er lebt offen schwul und tritt für die Homo-Ehe ein.

Der US-Senat bestätigte die umstrittene Personalie Ende April. Vorausgegangen war eine monatelange Zitterpartie: Der US-Präsident hatte Grenell schon im September nominiert, im Senat stieß der Kandidat aber auf heftigen Widerstand. Die oppositionellen Demokraten warfen ihm unter anderem Frauenfeindlichkeit vor und verwiesen auf "abfällige Kommentare" über Frauen auf Twitter.

Kritik wurde auch an seiner bedingungslosen Unterstützung für Trump in der Russland-Affäre laut: Die Affäre um mutmaßliche russische Einmischungen in den US-Wahlkampf und eine mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern hat er als aufgeblasen bezeichnet.

Dass Grenell Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett hat, daran gibt es indes keine Zweifel: Unter Präsident George W. Bush war er sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei der UNO und vertrat damals auch den Botschafter in Sitzungen des UNO-Sicherheitsrats.

Bei den Vereinten Nationen arbeitete Grenell häufig mit deutschen Diplomaten zusammen, etwa bei den UNO-Sanktionen gegen den Iran. Er erlebte die Deutschen aber auch als Kontrahenten, vor allem im Streit um den US-Einmarsch im Irak.

Grenell stammt aus dem US-Bundesstaat Michigan und wuchs in einem evangelikalen Elternhaus auf. Von seinen konservativen Wurzeln hat er sich zumindest teilweise emanzipiert. Grenell hat eine langjährige Beziehung zu einem Mann und bekennt sich seit Ende der neunziger Jahre offen zu seiner Homosexualität.

Seit Jahren tritt Grenell auch politisch für die Homo-Ehe ein. Dies führte zu Problemen, als er 2012 vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum außenpolitischen Sprecher ernannt wurde. Nach nur kurzer Zeit warf Grenell das Handtuch. Dabei soll allerdings auch die Kritik an seinen aggressiven Tweets eine Rolle gespielt haben.

Grenell, der an der Elite-Universität Harvard einen Abschluss in öffentlicher Verwaltung machte, ist Mitbegründer einer international aktiven PR-Firma. Als politischer Kommentator trat er nicht nur im Fernsehen auf, sondern verfasste auch Beiträge für Zeitungen und Onlineportale.

Das Twittern betreibt Grenell mit noch größerem Eifer als der Präsident. Darin übt er, wie Trump, gerne Kritik an den sogenannten Mainstream-Medien.

In dem Kurznachrichtendienst gewährt er aber auch Einblicke in sein Privatleben. So outete er sich als Fan der Popsängerin Britney Spears und berichtete von seiner Krebserkrankung, die vor einigen Jahren erfolgreich mit einer Chemotherapie behandelt wurde.

Am Mittwoch wird Grenell zum Antrittsbesuch beim deutschen Staatssekretär Andreas Michaelis erwartet. Dort werde "sicherlich Gelegenheit sein zu erörtern, wie er seine Äußerungen gerne eingeordnet wissen möchte", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts.

Quelle: Apa/Afp

Aufgerufen am 16.08.2018 um 08:10 auf https://www.sn.at/panorama/international/richard-grenell-trumps-umstrittene-neue-stimme-in-berlin-28817095

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