Kopf des Tages

Robert Meyer - der Direktor als Publikumsliebling

Er ist nicht nur der langjährige Direktor, sondern auch der erklärte Publikumsliebling im Haus am Gürtel: Volksopernchef Robert Meyer wird am Sonntag 65 Jahre alt. Am Geburtstag selbst wird er nicht auf der Bühne stehen - aber auch in der aktuellen Saison ist der seit 2007 amtierende Direktor fixer Bestandteil des Spielplans.

Volksopernchef Robert Meyer. SN/apa
Volksopernchef Robert Meyer.

In der ersten Premiere der Saison, der "Csardasfürstin" im September, war Meyer Teil des Ensembles, aktuell bereitet er die Wiederaufnahme seiner Regiearbeit "Der Mantel/Gianni Schicchi" am 27. Oktober vor. Und im Februar wird mit "Der Mann von La Mancha" eine unter anderem mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis für die beste Hauptrolle ausgezeichnete Performance des Hausherren wieder in den Spielplan gehoben.

Dass Meyer heute schon langjährig das typisch wienerische Haus führt, wurde ihm allerdings nicht in die Wiege gelegt, wurde der spätere Opernimpresario doch in Bayern geboren, nämlich am 21. Oktober 1953 in Bad Reichenhall. Er erlernte zunächst den Brotberuf eines Großhandelskaufmanns, schlug dann aber doch noch rechtzeitig den Weg in ein Theaterleben ein und studierte von 1971 bis 1974 Schauspiel am Mozarteum in Salzburg.

Nachdem er bereits in der Studienzeit am Landestheater erste Auftritte hatte, wurde Meyer 1974 ans Wiener Burgtheater engagiert, wo er als Schweizerkas in Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" seinen Einstieg gab. Er sollte schließlich dem Ensemble des Hauses 33 Jahre lang angehören und von Brecht bis Shakespeare über 90 Rollen verkörpern. Vor allem aber mauserte er sich zum Nestroy-Experten und Vollblutkomödianten. Auch war er an der Burg mit zahlreichen Soloabenden vertreten, wie etwa Nestroys "Häuptling Abendwind" oder der Opernparodie "Tannhäuser in 80 Minuten".

Zeitgleich hat Robert Meyer stets seine Fühler in Richtung Film und Fernsehen gestreckt. Für das Kino spielte er unter der Regie von Maximilian Schell etwa in "Geschichten aus dem Wienerwald", unter Michael Glawogger in "Die Ameisenstraße" und zuletzt mit Gerhard Polt in "Und Äktschn!". Dem Fernsehpublikum ist der Schauspieler aus "Derrick"-, "Tatort"- oder "Der Bulle von Tölz"-Folgen bekannt. Das reine Spiel war Meyer aber alsbald nicht genug, weshalb er seit 1993 auch als Regisseur aktiv ist. Er inszenierte am Grazer Schauspielhaus ebenso wie am Akademietheater Wien oder an "seiner" Burg. Auch blieb er zwischen 1988 und 1998 den Sommerfestspielen Reichenau als Schauspieler und Regisseur eng verbunden.

Darüber hinaus hatte Meyer im Musiktheater über die Jahre große Erfahrung gesammelt, so u.a. bei den Operettenfestspielen Bad Ischl, aber auch mit Inszenierungen an der Volksoper, wo er neben "Der Mantel/Gianni Schicchi" etwa "Ein Walzertraum" auf die Bühne brachte. In seiner Paraderolle als Frosch aus der "Fledermaus" war er auch an der Staatsoper zu sehen.

Diese Kenntnis des Fachs und des Hauses war nicht zuletzt einer der Gründe, die Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) bewogen, Meyer als Nachfolger von Rudolf Berger ab der Spielzeit 2007/2008 als Direktor an die Wiener Volksoper zu holen. Das gut 1.200 Sitzplätze fassende Haus war unter den Direktionen von Dominique Mentha und des im Streit um das Budget vorzeitig ausgestiegenen Berger in schwieriges Fahrwasser geraten. Meyer führte das Haus wieder in ruhigere Gefilde und konnte dabei auch die Auslastung steigern - nicht zuletzt diese Leistung dürfte 2015 den damaligen Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) bewogen haben, Meyers Vertrag bis 2022 zu verlängern.

Aber auch seine Direktorentätigkeit, die Meyer gemeinsam mit dem früheren Burgtheater-Disponenten Rainer Schubert als Vize antrat, hielt den Bühnenmenschen nicht vom aktiven Auftritt auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ab. Rollen an der Volksoper waren unter anderen Hans Styx, Njegus, Doolittle oder Biggley. Er trat als Erzähler in den konzertanten Aufführungen von "Candide" und "Wagners RING an einem Abend" von Loriot auf. Ob in Haupt- oder in Nebenrollen, ob als Solo oder als Cameo, gilt er dabei jedenfalls als sichere Bank für die Publikumsgunst.

So viel Engagement wurde in der Vergangenheit auch mit Auszeichnungen bedacht. So ist der Nestroy-Liebhaber Meyer seit 1993 Träger des Nestroy-Rings und seit 1999 der Kainz-Medaille. Seit 1997 darf sich Meyer auch offiziell Kammerschauspieler und seit 2013 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien sein Eigen nennen.

Quelle: APA

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