Kopf des Tages

Robert Trappl - der umtriebige Forscher wird 80

Die Fragen nach der Funktionsweise der menschlichen Psyche und unter welchen Umständen Maschinen mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestatten werden können und sollen, sind die wissenschaftlichen Lebensbegleiter des Wiener Kybernetikers und KI-Pioniers Robert Trappl. Am Mittwoch (16. Jänner) feiert der umtriebige Forscher und Erklärer seinen 80. Geburtstag.

Am Mittwoch (16. Jänner) feiert der umtriebige Forscher und Erklärer Robert Trappl seinen 80. Geburtstag. SN/apa
Am Mittwoch (16. Jänner) feiert der umtriebige Forscher und Erklärer Robert Trappl seinen 80. Geburtstag.

Sein primäres Interesse habe immer an dem gehangen, was im Englischen mit "the mind" bezeichnet wird, erklärte Trappl einmal im Gespräch mit der APA. Im Deutschen treffe diesen Ausdruck am ehesten das Wort "Psyche". Doch dieser wandte sich der Forscher erst etwas später zu. Was daran lag, das er ein "ganz ein armer Bua" gewesen sei, der teils auf "das abgetragene Gewand von meinen Schulkollegen" angewiesen war, erinnerte sich der am 16. Jänner 1939 in Wien geborene Trappl.

Mit Elektrotechnik an der Technischen Universität (TU) visierte er daher erst einmal "etwas Praktisches" an. Es folgte das Doktoratsstudium der Psychologie mit dem Nebenfach Astronomie an der Universität Wien und später noch ein Diplom vom Institut für Höhere Studien im Fach Soziologie. 2012 machte er noch den MBA in General Management.

1969 gründete Trappl mit anderen jungen Wissenschaftern die Österreichische Studiengesellschaft für Kybernetik. 1984 erfolgte dann die Gründung des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence (OFAI) in Wien, das Trappl seither "mit großer Begeisterung" leitet. Der 50. Geburtstag der Studiengesellschaft und 35 Jahre OFAI werden im Herbst im Rahmen einer Festveranstaltung begangen.

Fast 30 Wissenschafter arbeiten mittlerweile an dem Forschungsinstitut an verschiedenen AI-Themen, wie dem automatischen Verstehen von Musik, Zugängen zu Big Data, Roboternavigation, Sprachtechnologie, emotionalen Persönlichkeitsmodellen oder der Entwicklung ethischer Systeme für Roboter. Zu letzterem Thema erschein erst kürzlich ein Fachbuch unter Trappls Herausgeberschaft mit dem Titel "A Construction Manual for Robots' Ethical Systems".

Die wissenschaftliche Annäherung an die Psyche brachte den seit 2007 emeritierten Professor für medizinische Kybernetik und AI an der Uni Wien unter anderem zur Hirnforschung. Bei der Überführung der menschlichen Psyche in die Technik beschäftigte man sich sehr lange lediglich mit der Intelligenz, als Ausdruck von Rationalität und Logik, bemängelte Trappl. Für den Wissenschafter, der insgesamt über 180 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht hat und an 35 Fachbüchern "beteiligt war, sind "Rationalität und Emotionalität Partner, die einander bedingen".

Seinen Zugang zu dem hochaktuellen Thema erklärt der an Pantomime, Improvisationstheater und modernem Tanz interessierte und engagierte Forscher auch gerne im Rahmen von Vorträgen und Lehrveranstaltungen an mehreren Wiener Universitäten. So legte er etwa seine Sicht auf die mögliche Entwicklung künstlicher "Superintelligenzen" beispielsweise im vergangenen Jahr auf einer großen Konferenz zur "Robophilosophie" in Wien dar. Viel manipulative Macht liege demnach bei den Konstrukteuren solcher Systeme: "Der AI-Gott ist momentan viel ungefährlicher als das Potenzial, das in den Händen von Menschen liegt", so Trappl.

Ebenfalls 2018 setzte er sich mit seinen eigenen "Prophezeiungen" auseinander: 1986 und 1987 wurden unter seiner Leitung Videos zur "Einführung in die Künstliche Intelligenz" produziert, die auch tausendfach verkauft wurden. Im Rahmen einer Vortragsreihe klopfte er diese im Vorjahr auf ihre Treffsicherheit aus heutiger Sicht ab.

Mehr als zehn Jahre lang ging Trappl auch der Frage nach, wie mittels KI Konflikte und Kriege vermieden werden könnten. Das komme vermutlich daher, dass er als Kriegskind viel Zeit in Bunkern verbracht habe. Da in der AI viel mit militärischem Hintergrund geforscht wird, stellt sich für ihn die Frage, ob damit auch der Ausbruch von Kriegen verhindert werden oder eine Auseinandersetzung besser friedlich gelöst werden kann.

Quelle: APA

Aufgerufen am 26.08.2019 um 12:21 auf https://www.sn.at/panorama/international/robert-trappl-der-umtriebige-forscher-wird-80-64075648

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