International

Schulmassaker auf Krim - Schütze laut Ex-Freundin gemobbt

Nach dem Schulmassaker auf der Krim haben russische Ermittler begonnen, nach Motiven und möglichen Komplizen des Todesschützen zu suchen. Die Zahl der Todesopfer lag am Donnerstagnachmittag bei 20, wie das russische Gesundheitsministerium in Moskau bestätigte. Die Ex-Freundin des Schützen nannte "Erniedrigungen" durch seine Mitschüler als mögliches Tatmotiv.

Der 18-Jährige habe sich für erlittenes Unrecht rächen wollen, sagte sie am Donnerstag in einem Fernsehinterview. Die Ex-Freundin des Schützen Wladislaw Rosljakow, die anonym bleiben wollte, schilderte dem russischen Fernsehsender RT, der 18-Jährige habe das Vertrauen in seine Klasse verloren, nachdem diese angefangen habe, "ihn zu erniedrigen, weil er nicht wie die anderen war". Er habe oft Streit mit seinem Umfeld gehabt und nicht mehr leben wollen. Während sie mit ihm zusammen gewesen sei, sei er aber hilfsbereit, "nett und sensibel" gewesen.

Russlands Staatschef Wladimir Putin bezeichnete die Tat unterdessen als Folge der "Globalisierung". An US-Schulen verübte Gewalttaten würden nachgeahmt.

Am Mittwoch hatte ein 18-jähriger Schüler in der Kantine der Schule eine mit Metallteilen gefüllte Bombe gezündet und auf seine Mitschüler geschossen. Danach erschoss er sich nach Angaben des Staatlichen Ermittlungskomitees selbst. Die russische Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa sagte dem Sender Rossija 24, dass darüber hinaus 50 Menschen verletzt worden seien, einige schwer. Manche Wunden von Verletzten seien infiziert, weil kleine Teilchen Entzündungen verursacht hätten. Die Lage sei sehr schwierig.

Zunächst waren die russischen Behörden von einem Terroranschlag ausgegangen. Als sie später jedoch einen Schüler aus dem vierten Lehrjahr als mutmaßlichen Täter identifizierten, wurde ausschließlich wegen Mordes ermittelt. Bei der Untersuchung am Tatort fanden die Ermittler auch einen zweiten Sprengsatz, der jedoch nicht explodiert war.

Das Vorgehen war vergleichbar mit Amokläufen in Schulen in den USA wie in Columbine 1999. Für Russland ist es aber die erste derart folgenschwere Tragödie. Auf der Krim herrschte offiziell Trauer. Menschen legten an der Schule Blumen für die Opfer nieder.

"Die Aufgabe ist festzustellen, wer ihn auf dieses Verbrechen vorbereitet hat", sagte der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, am Donnerstag am Tatort. "Hier hat er allein gehandelt. (...) Aber bei der Vorbereitung, das ist meine Meinung und die meiner Kollegen, kann dieser Schuft nicht allein gewesen sein", sagte Aksjonow der Agentur Interfax zufolge.

Die Tatwaffe, ein Repetiergewehr, hatte sich der Berufsschüler nach seinem 18. Geburtstag legal beschafft, wie Aksjonow sagte. Er habe sich mit etwa 150 Schuss großkalibriger Schrotmunition versehen. Die Angaben zur Tatwaffe gingen in russischen Medienberichten auseinander. Die Rede war entweder von einer Molot-Bekas russischer Produktion oder einer Hatsan Escort aus der Türkei.

Der Täter wurde von Bekannten als unauffälliger Einzelgänger beschrieben. Es werde posthum ein psychiatrisches Gutachten über ihn erstellt, teilte das Staatliche Ermittlungskomitee am Donnerstag mit. Bisher seien mehrere Wohnungen des mutmaßlichen Schützen und seiner Angehörigen durchsucht worden. Die Schulleiterin sei einvernommen worden, die Befragung anderer Zeugen dauere an. Die Behörde war nach den ersten Nachrichten aus Kertsch von einem Terrorakt ausgegangen, stuft die Tat aber nun vorläufig als Mord ein.

Die Ermittler behielten einen möglichen extremistischen Hintergrund indes im Blick, berichtete die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag. Dabei gehe es weniger um Islamismus als um mögliche Verbindungen zu radikalen ukrainischen Gruppen wie dem Rechten Sektor oder der UNA-UNSO. Sie könnten den 18-Jährigen angestiftet haben.

Russland macht aber gewohnheitsgemäß die Ukraine für alle Anschläge oder Notfälle auf der Krim verantwortlich. Es hat sich die ukrainische Halbinsel 2014 einverleibt und als "Heimholung" des mehrheitlich russischsprachigen Gebiets gerechtfertigt. Die Ukraine sieht die Krim weiter als ihr Staatsgebiet an. Bis auf wenige Ausnahmen lehnen auch andere Staaten die Annexion als völkerrechtswidrig ab. Das Parlament der Ukraine in Kiew gedachte am Donnerstag mit einer Schweigeminute der Opfer.

Die Regierung der Krim veröffentlichte am Donnerstagmorgen eine erste offizielle Liste der Todesopfer. Etwa 40 Verletzte wurden noch in Krankenhäusern behandelt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:57 auf https://www.sn.at/panorama/international/schulmassaker-auf-krim-schuetze-laut-ex-freundin-gemobbt-47011936

Kommentare

Schlagzeilen