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Schweizer AKW Leibstadt wegen Fehlfunktion wieder vom Netz

Kurz nach seiner Inbetriebnahme nach einem halbjährigen Stillstand wegen oxidierter Brennstäbe ist das Schweizer AKW Leibstadt in der Nacht auf Samstag wieder abgeschaltet worden.

Das AKW Leibstadt wurde wieder abgeschaltet.  SN/APA (KEYSTONE)/ALEXANDRA WEY
Das AKW Leibstadt wurde wieder abgeschaltet.

Grund war eine Fehlfunktion in der Abgasanlage im nicht-nuklearen Bereich. Eine Gefährdung für Mensch und Umwelt gab es nicht.

Das Atomkraftwerk war am Freitagabend wieder ans Netz gegangen. Einen Zusammenhang mit dieser Abschaltung gibt es laut Mitteilung vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) nicht.

Bei der Inbetriebnahme des AKW wurden Funktionstests durchgeführt, um die Anlage sukzessive auf Betriebsleistung zu bringen, wie die Kernkraftwerk Leibstadt AG mitteilte. Weil die Abgasanlage nicht ordnungsgemäß funktionierte, wurde das AKW wieder manuell abgeschaltet und geordnet heruntergefahren.

Eine Sprecherin teilte auf Anfrage der Schweizerischen Depeschenagentur mit, dass nach einem längeren Stillstand Korrekturmaßnahmen beim Hochfahren zu erwarten seien. Auch das ENSI schreibt, dass es nichts Außergewöhnliches sei, wenn es beim Wiederauffahren eines Kernkraftwerkes zu solchen Ereignissen komme.

Die Aufsichtsbehörde hat das Ereignis auf der Internationalen Ereignisskala INES vorläufig der Stufe 0 - Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung - zugeordnet. Der Schutz von Mensch und Umwelt sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.

Die Abgasanlage ist für die Filterung der Abgase aus dem Kondensator zuständig. Der Kondensator befindet sich im Maschinenhaus im nicht-nuklearen Teil der Anlage. Sie wird über das Wochenende instand gesetzt. Am Montagabend soll das Kernkraftwerk wieder ans Netz angeschlossen werden.

Das ENSI hatte am Donnerstag die Freigabe für den Leistungsbetrieb des AKW Leibstadt gegeben, allerdings in leicht reduziertem Umfang. Das Werk war zuvor seit der Jahreshauptrevision im vergangenen August wegen oxidierter Brennstäbe stillgestanden. Die Brennstäbe waren zeitweise ungenügend gekühlt gewesen.

Die Freigabe für den Leistungsbetrieb beunruhigt nicht nur Umweltorganisationen und Parteien. Die Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Umweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, kritisierte am Samstag die Entscheidung des ENSI. Es sei "bedauerlich", dass das Kraftwerk wieder ans Netz gehen dürfe, "obwohl die Ursachen für die Schäden an den Hüllrohren nicht restlos aufgeklärt zu sein scheinen".

Nach ihren Angaben hat ihr Ministerium um ein Gespräch mit dem ENSI gebeten, um die technischen Hintergründe für die Entscheidung "nachvollziehen" zu können. Sie hoffe auf ein möglichst baldiges Gespräch, "denn die deutsche Bevölkerung in der Grenzregion ist sehr besorgt", fügte Schwarzelühr-Sutter hinzu. Auch Vorarlberg und das südwestdeutsche Bundesland Baden-Württemberg setzten sich in den vergangenen Tagen für einen Aufschub der Inbetriebnahme ein.

Am Samstag führten die Schweizer Grünen vor dem AKW eine Protestaktion durch. Sie fordern, dass das AKW nicht in Betrieb genommen wird, bis die Ursachen für die Brennelementschäden geklärt sind. Die Entscheidung des ENSI, das Wiederanfahren des AKW Leibstadt zu bewilligen, sei unverantwortlich, teilten die Grünen mit. "Das ENSI stellt damit den Profit der AKW-Betreiber vor die Sicherheit der Bevölkerung und versagt dort, wo es nicht versagen darf." Schon am Donnerstag, kurz vor der Freigabe durch das ENSI, wurde der Behörde eine von den Grünen lancierte Petition mit 16.000 Unterschriften übergeben, die ebenfalls eine restlose Aufklärung der Ursachen fordert.

Quelle: Apa/Sda

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