International

Schwuchtel und Schlampe: Diesel will mit Hassmode Hass bekämpfen

Hate Couture statt Haute Couture. Das Modelabel setzt in diesem Herbst bewusst auf Provokation und hat eine Bomberjacke mit dem Aufdruck "Schwuchtel" sowie ein T-Shirt mit der Botschaft "Schlampe" auf den Markt gebracht. Im Netz erntet das Unternehmen teils heftige Kritik.

Die Idee dahinter ist ehrenwert: Das italienische Modelabel wollte sich eines Phänomens unserer Zeit annehmen und ein Zeichen gegen den allgegenwärtigen Hass im Netz setzen. Das Motto hinter der Modelinie: "The more hate you wear, the less you care." - "Je mehr Hass du trägst, umso weniger kümmert es dich." Es gehe darum, den Hass nicht zu verstecken, sagte Diesel-Kreativdirektor laut ntv. Die Absicht: Man will denen, die Hass und Wut in den Sozialen Medien verbreiten, ihre liebsten Schmähungen wegnehmen, wie selbstverständlich selbst verwenden und damit den Konflikt entschärfen. Ob das gelingen kann, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Prominente lieferten Beleidigungen

Jedenfalls haben zahlreiche Prominente aus dem Showgeschäft wie der Serienstar Tommy Dorfman, die Schauspielerin Bella Thorne und die Rapperin Nicki Minaj die Aktion unterstützt und Beleidigungen, die ihnen im Netz entgegengeschleudert wurden, zur Verfügung gestellt. So kam eben "Schwuchtel", "Schlampe", "Betrüger" oder "Sugar Baby" auf die Diesel-Kleidungsstücke.
In der Beschreibung heißt es zur Bomberjacke: "Mit dem Canvas-Streifen und dem großflächigem "FAGGOT"-Aufdruck auf der Vorderseite zieht der Style die Aufmerksamkeit auf sich, der ebenfalls den Klettpatch und das Diesel-Label in Jacquard-Optik ziert."


Bild.de zitiert aus dem Netz, in dem die Meinungen über die Kampagne vor allem in Großbritannien, wo etwa die Bomberjacke um 350 Pfund (400 Euro) verkauft wird, deutlich auseinandergehen:

- "Nein, Diesel", schreibt etwa ein User auf Twitter. "Das Tragen eines abfälligen Wortes, das über den ganzen Rücken gekritzelt wird, ist kein Weg, um Hass zu bekämpfen. Ein anderer: "Bitte sagt mir, dass das ein Witz ist. Ich verstehe schon, was ihr wollt. Aber als Schwuler und langjähriger Diesel-Kunde bin ich entsetzt."

Kritik kommt auch, weil Diesel ein kommerzielles Unternehmen ist. "Mit diesem Wort werden Schwule und Lesben belegt, während sie ermordet werden", schreibt Twitter-User Maximilian Kilworth. "Und ihr glaubt, es sei akzeptabel, daraus auch noch Profit zu schlagen?"

US-Schauspieler Tommy Dorfman (26, spielt in der Netflix-Serie "13 Reasons Why" mit) hält dagegen. Er bekennt sich offen zu seiner Homosexualität und tritt (wie auch andere Stars) in einer Werbung für Diesel auf.

"Nur um das klarzustellen", twitterte er. "Bevor wir den Deal abgeschlossen haben, hat Diesel zugestimmt, dass Einnahmen dieser limitierten Jacke an das Ali Forney Center gehen." Das ist eine Organisation, die jungen, von zu Hause weggelaufenen Schwulen und Lesben in den USA hilft.

Umstrittene Aktionen

Nicht zum ersten Mal geraten Modefirmen wegen umstrittener Kollektionen in die Kritik:

Das spanische Modelabel Zara sorgte 2010 mit Hakenkreuz-Taschen für Empörung und vier Jahre später noch einmal mit Kindershirts in Streifenoptik und gelbzackigem Stern.

Für dieses Kinder-Shirt in Streifenoptik mit gelbem Stern musste sich Zara entschuldigen. SN/zara
Für dieses Kinder-Shirt in Streifenoptik mit gelbem Stern musste sich Zara entschuldigen.

Ebenfalls 2014 bot das spanische Modeunternehmen Mango Blusen mit SS-Zeichen an.

Heuer musste C&A umstrittene Pullover, die an Neonazi-Kleidung erinnern, aus dem Sortiment nehmen. Das Unternehmen entschuldigte sich.

Anfang des Jahres sorgte die schwedische Modekette H&M mit einer als rassistisch empfundenen Werbung für Empörung. Auf der Website des Labels war auch am Montag noch vorübergehend ein kleiner farbiger Bub in einem grünen Kapuzen-Pulli abgebildet, der den Schriftzug "Coolest Monkey in the Jungle" (Coolster Affe im Urwald) zeigte. Nach den Vorwürfen und Ausschreitungen vor allem in Afrika (siehe Video) nahm H&M den umstrittenen Kapuzen-Pullover aus dem Sortiment.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.10.2019 um 12:14 auf https://www.sn.at/panorama/international/schwuchtel-und-schlampe-diesel-will-mit-hassmode-hass-bekaempfen-60826231

Kommentare

Schlagzeilen