Kopf des Tages

Skispringen: Stefan Kraft - Ein Mann für besondere Stunden

Stefan Kraft hat sich bei der 51. nordischen Ski-WM einmal mehr als Mann für besondere Stunden erwiesen. In der Saison 2014/15 aus dem Schatten von Thomas Morgenstern und Co. getreten, hat der Salzburger mit 23 Jahren schon Einzelmedaillen bei WM und Skiflug-WM, den Sieg bei der Vierschanzen-Tournee sowie acht Weltcupsiege geholt. Mit dem jüngsten Gold-Coup gehört er endgültig zu den ganz Großen.

WM-Bronze 2015, Skiflug-WM-Bronze 2016, Gesamtsieg bei der Tournee 2015 - Stefan Kraft sammelte in kurzer Zeit schöne Erfolge. In Finnland gelang ihm nun die vorläufige Krönung seiner Karriere.

Die tolle Entwicklung des Pongauers wird am Beispiel Lahti besonders deutlich. Denn der kleine Salpasselkä-Bakken ist eine Schanze, die Kraft eigentlich nicht liegt. Doch der aktuelle Musterschüler von ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin verstand es, sich an zwei Trainingstagen perfekt auf die Eigenheiten einzustellen. "Ich weiß, was ich zu tun habe", sagte er am Tag vor seinem bisher größten Triumph.

Der Pongauer ist ein Wettkampftyp. Wenn es um etwas geht, wächst das 1,70 Meter große Leichtgewicht über sich hinaus. "Egal, was er macht, er gibt im Wettkampf immer Vollgas", sagte Kuttin.

Fröhlichkeit und Lachen Krafts sind ansteckend und so freuen sich auch alle im ÖSV-Springerteam mit ihm. Schlechte Laune hält bei dem seit drei Jahren mit Marisa liierten Energiebündel nie lange an, Kraftausdrücke wie zuletzt nach dem wind- und virusbedingten Rückfall bei der Tournee in Innsbruck sind selten.

Kraft engagierte sich als Schüler zunächst im Alpinskisport, bis Christian Wallner vom SV Schwarzach das Skisprung-Talent des Zehnjährigen auffiel. Der Schüler der Sporthauptschule Bischofshofen und später von Stams bestaunte zunächst seine Idole an der Paul-Außerleitner-Schanze. Am Dreikönigstag 2012 gab er dort sein Weltcup-Debüt (54.), ein Jahr später wurde er an gleicher Stelle in seinem erst dritten Weltcup-Bewerb Dritter.

Stefan Kraft kürte sich in Lahti zum Weltmeister. SN/GEPA pictures
Stefan Kraft kürte sich in Lahti zum Weltmeister.

Nach dem Karriereende von Thomas Morgenstern und während der Auszeit bzw. Verletzungspause von Gregor Schlierenzauer wuchsen Kraft und sein Zimmerkollege Michael Hayböck unter Neo-Cheftrainer Kuttin rasch in die Führungsrolle hinein. Das Duo versteht sich auch abseits der Schanzen blendend. Nur beim Fußball-Lieblingsclub sind die zwei nicht auf einer Linie. Ex-Fußballer Kraft hält zum FC Bayern und besucht gerne Spiele des Alaba-Clubs, Hayböck drückt dem FC Barcelona die Daumen.

Auf dem Karriereweg werden die Trainingspartner seit vielen Jahren von Coach Patrick Murnig begleitet. Dessen Tiroler Agentur Jump and Reach managt das Duo. Ihre sportliche Heimat ist das Trainingszentrum in Rif bei Hallein, am dortigen ÖSV-Stützpunkt sorgen Alexander und Harald Diess für Top-Kondition der Athleten.

So weit er mit seinem aggressiven Stil auch fliegt (Kraft hält mit 246,5 m den österreichischen Skiflug-Rekord), so bodenständig ist der am 13. Mai 1993 in Schwarzach geborene Bursche geblieben. Im Vergleich zum Preisgeld in anderen Sportarten mit großer TV-Präsenz sind die Prämien im Skispringen trotz des hohen Risikos gering. Bei Kraft kommt dennoch kein Neid auf.

Die eingeflogenen Euro seien eine coole Nebensache, sagte er während der heurigen Tournee der APA. "In meinem Alter so viel zu verdienen ist ein Wahnsinn. Ich weiß das zu schätzen. Ich weiß, wie vielen Sportlern in anderen Sportarten es schlechter geht. Es ist schön, dass unser Sport so gut ankommt und so viele Leute kommen", betonte Kraft.

Für das Preisgeld hat der Weitenjäger aber gute Verwendung. Kraft hat eine Wohnung in Oberalm bei Salzburg gekauft, die Übersiedlung soll nach der Saison erfolgen.

Quelle: APA

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