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Spanische Ebola-Patientin hat Virus nicht mehr

Die spanische Krankenpflegerin, die sich als erster Mensch außerhalb Afrikas mit dem Ebolavirus infizierte, ist offenbar außer Lebensgefahr. Ein Test auf das Virus war am Sonntag negativ, wie die Regierung in Madrid mitteilte. Ein weiterer Test werde im Verlauf des Abends vorgenommen, hieß es. Der Gesundheitszustand der Patientin entwickle sich positiv.

Die 44 Jahre alte Krankenpflegerin Teresa Romero war am 6. Oktober in die Madrider Klinik Carlos III. eingeliefert worden, wo sie selbst arbeitete. Im August und September starben dort zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola. Mit der gefährlichen Seuche infizierte sie sich ersten Erkenntnissen zufolge, als sie beim Ablegen ihrer Schutzkleidung ihr Gesicht unbeabsichtigt mit einem infizierten Arbeitshandschuh berührte.

15 Menschen, die vor der Ebola-Diagnose Kontakt zu Romero hatten, darunter ihr Ehemann, stehen in der Klinik weiter unter Beobachtung. Bisher seien bei ihnen noch keine Ebola-Symptome festgestellt worden, hieß es in der Mitteilung. Die Inkubationszeit für das Virus beträgt 21 Tage.

Die Sorge vor den Auswirkungen der Ebola-Epidemie löst international Hektik aus und führte am Wochenende dazu, dass ein Kreuzfahrtschiff in der Karibik in mehreren Häfen abgewiesen wurde. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf warnte hingegen davor, dass Ebola wegen der zu langsamen internationalen Reaktion eine Katastrophe für die Wirtschaft auslösen könnte.

Für Westafrika würde dies eine verlorene Generation bedeuten, sagte Johnson Sirleaf. Am Kampf gegen Ebola müssten sich alle beteiligen. Es sei keine Zeit mehr für Debatten, "nur eine konzertierte Aktion wird mein Land und unsere Nachbarn vor einer weitere nationalen Tragödie bewahren", sagte Liberias Präsidentin weiter.

Am stärksten hat sich bisher Kuba eingebracht: 165 Ärzte und Krankenschwestern aus dem Karibikstaat sind bereits in Sierra Leone, weitere sollen nächste Woche nach Liberia und Guinea reisen. Dieses Engagement wurde sogar von den USA gewürdigt: "Kuba, ein Land mit nur elf Millionen Einwohnern, hat 165 Gesundheitsexperten geschickt und plant die Entsendung von fast 300 weiteren", lobte Außenminister John Kerry.

Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte vor der Eröffnung eines mehrtägigen Gesundheitsgipfels in Berlin am Sonntag ein stärkeres internationales Engagement. Er brachte die Entsendung einer zivilen EU-Mission zur Ebola-Bekämpfung in Westafrika ins Gespräch. Am Montag wollen die EU-Außenminister in Luxemburg das gemeinsame Vorgehen abstimmen.

Neue Hoffnung kommt aus Kanada: Das Land stellt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 800 Ampullen eines experimentellen Impfstoffs gegen Ebola zur Verfügung. Das Mittel werde von Montag an nach Genf verschifft, kündigte das kanadische Gesundheitsministerium in Ottawa an.

Das Universitätsspital Genf wird die klinischen Tests mit dem Impfstoff VSV durchführen. Eine Sprecherin des Spitals bestätigte eine entsprechende Meldung der "NZZ am Sonntag". Voraussetzung sei, dass das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic dafür grünes Licht gebe.

Der Impfstoff aus Kanada war in zehnjähriger Arbeit entwickelt worden und muss beim Transport auf minus 80 Grad Celsius gekühlt bleiben. Wie er im Zentrum der Ebola-Krise in Westafrika verteilt wird, überlässt Kanada der WHO.

Gegen Ebola gibt es noch kein Heilmittel. Der WHO zufolge sind bisher mehr als 4500 Menschen an der Seuche gestorben, die meisten von ihnen in Westafrika. Infiziert haben sich bereits 9200 Menschen. Guinea, Liberia und Sierra Leone sind am stärksten von der Seuche betroffen.

US-Präsident Barack Obama appellierte unterdessen an seine Landsleute, nicht in Hysterie zu verfallen. Zugleich begründete er, warum er gegen generelle Reiseverbote für die Ebola-Gebiete ist.

"Wir können uns nicht einfach von Westafrika abkoppeln", sagte Obama. Damit würde es noch schwieriger, Helfer und Güter in die Region zu bekommen. Ausserdem würde es die Bewohner der betroffenen Länder motivieren, von dort wegzugehen. Am Freitag hatte der US-Präsident den Rechtsanwalt Ron Klain zum Ebola-Sonderbeauftragten ernannt.

Ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff, das wegen Angst vor Ebola in zwei Karibik-Häfen abgewiesen worden war, ist unterdessen in die USA zurückgekehrt. Die "Carnival Magic" legte am Sonntag im texanischen Hafen Galveston an. Eine Frau, die als Laborleiterin in einem Spital mit Ebola-Proben in Kontakt gekommen sein soll, durfte das Schiff zusammen mit den anderen Passagieren verlassen. Sie zeige keine Ebola-Symptome.

Das Schiff hatte wegen der Frau, die sich an Bord freiwillig in Quarantäne befand, weder in Belize noch auf der mexikanischen Insel Cozumel anlegen dürfen.

Nach Frankreich führt nun auch Belgien an seinem wichtigsten Flughäfen Kontrollen bei Passagieren aus den von der Ebola-Epidemie betroffenen Ländern in Westafrika ein. Ab Montag sollen am Brüsseler Flughafen alle Passagiere aus Guinea, Sierra Leone und Liberia auf eine mögliche Ansteckung mit dem Virus untersucht werden, kündigte Regierungschef Charles Michel am Sonntag an.

Auf dem Pariser Flughafen Roissy sind derartige Kontrollen bereits seit Samstag in Kraft. Belgien unterhält ebenso wie Frankreich direkte Flugverbindungen mit den Ebola-Ländern. Tschechien hat ebenfalls für Montag Kontrollen an seinem Prager Flughafen angekündigt.

Als erstes Land hatte Großbritannien Kontrollen auf seinen Flughäfen sowie auf den Bahnhöfen des Eurostar eingeführt. Premierminister David Cameron forderte seine europäischen Partner auf, es seiner Regierung gleichzutun. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordern, die Wirksamkeit der Abflugkontrollen zu verbessern.

Quelle: Apa/Dpa

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