Kopf des Tages

Spöttischer Heimatdichter: Reinhard P. Gruber wird 70

Vor nicht weniger als 43 Jahren hat er mit "Aus dem Leben Hödlmoser" einen Klassiker der österreichischen Gegenwartsliteratur verfasst. Laut dem Grazer Droschl-Verlag gilt Reinhard P. Gruber als das klassische Beispiel einer seltenen Gattung: "der spöttische Heimatdichter". Am Freitag feiert der wohl meist gelesene steirische Autor seinen 70. Geburtstag.

Reinhard P. Gruber wird 70. SN/behr
Reinhard P. Gruber wird 70.

"Steirerblut ist kein Himbeersaft" heißt es in dem 1973 erschienenen Roman "Aus dem Leben Hödlmoser". Mit dieser Satire, in dessen Mittelpunkt ein Steirer mit Hang zu Gewalt, stark ausgelebter Sexualität und Alkoholismus steht, hat Reinhard P. Gruber seinen literarischen Durchbruch geschafft. In ihm hat der damals 26-jährige Student der Theologie gegen das angestaubte Genre des Heimatromans angeschrieben - und die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse seiner Heimat augenzwinkernd ins Lächerliche gezogen.

Generationen von Schülern haben seither den "Hödlmoser" gelesen, Zitate aus seinen Büchern sind inzwischen zu Gemeinplätzen der Steiermarkwerbung geworden und Gruber wird trotz allen kritisch-ironischen Abgrenzungen als Kultautor in der Rosegger-Nachfolge abgestempelt. "Heimatdichter" will er jedenfalls nicht genannt werden: "Heimatdichter, das hat etwas Chauvinistisches an sich. Verherrlichung von Heimat gibt es bei mir nicht", hat der Autor vor Jahren in einem "Falter"-Interview dargelegt.

Zuspitzung, Übertreibung und das parodistische Spiel mit Textsorten und Gattungen waren von Beginn an die Stilmittel von Reinhard P. Gruber, dessen Gesamtwerk auch heute noch zwischen Satire, Ironie und Zynismus pendelt. Die Weststeiermark rund um die Schilcher-Weinstraße wurde immer wieder Schauplatz seiner Satire. Neben dem "Hödlmoser" machte ihn das "Schilcher-ABC" (1988) zu den meistgelesenen Autoren der Steiermark.

Neben den in über 30 Jahren publizierten Romanen, Erzählungen, Essays, Glossen und Gedichten findet sich auch ein Kinderbuch ("Fritz das Schaf"). Daneben hat Gruber zwei Bände von "Asterix" ins Steirische übersetzt, ein "Piefke-Wörterbuch" und ein Comic über den Schilcherwein ("Der Schilcherkrieg", 2009) geschrieben. Mit u.a. "Heimatlos - eine steirische Wirtshausoper in einem steirischen Rausch" (1985) und der "Geierwally" (1996) reüssierte er auch als Bühnenautor. Neben weiteren Auszeichnungen wurde Gruber der "manuskripte"-Preis (1995) sowie der Österreichische Würdigungspreis für Literatur (2002) zuteil.

1997 wechselte Gruber vom Salzburger Residenzverlag zum Grazer Droschl-Verlag, der seither auch sukzessive sein Gesamtwerk verlegt. Zuletzt (2010) brachte er ein Kochbuch ("Einfach essen") mit Rezepten, aber auch Reflexionen über das Essen heraus. 2011 hat der Verlag einen Materialien-Band zum Autor in seiner "Dossier"-Reihe präsentiert. "Wenige Autoren schaffen es, so ein echter Longseller wie er zu werden", schilderte Verlagsleiterin Annette Knoch gegenüber der APA.

Ein neues Buch sei in Arbeit, sagte Gruber wenige Tage vor seinem runden Geburtstag zur APA. "Ich denke viel darüber nach, es wird sich mit dem Leben beschäftigen", schilderte der Autor knapp. Alter sei darin "auch ein Thema, aber nicht vordringlich", es werde eher darum gehen, "wie man den Alltag verbringen soll". Gruber verbringt seinen Alltag vor allem unter der schönen Adresse "Wald-Süd" nahe der weststeirischen Gemeinde Stainz. "Ich lebe nicht im Wald, bin aber viel im Wald", so Gruber augenzwinkernd. "Ich mache Wanderungen oder bin auf Reisen - um meine Neugierde zu befriedigen." Den Geburtstag will er "ohne große Feierlichkeiten" verbringen.

Reinhard Peter Gruber wurde am 20. Jänner 1947 als Sohn eines Bergarbeiters im obersteirischen Fohnsdorf geboren. Er studierte 1966 bis 1973 Theologie und Philosophie an der Uni Wien, brach das Studium aber ab. Von 1974 bis 1977 arbeitete er als Kulturjournalist in Graz. Seit 1978 lebt er in der Weststeiermark. Seit 2009 befindet sich ein Vorlass von Reinhard P. Gruber mit Verlagskorrespondenzen, Briefen und Manuskripten am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung an der Universität Graz.

Quelle: APA

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